Keime im Wolfsburger Leitungswasser

Wolfsburg  Im Wolfsburger Trinkwasser sind Coliforme Bakterien gefunden worden – auch im Zulauf des Klinikums. Normalverbraucher müssen sich keine Sorgen machen.

Im Leitungswasser wurden Keime gefunden. Normalverbraucher dürfen es trotzdem trinken.

Im Leitungswasser wurden Keime gefunden. Normalverbraucher dürfen es trotzdem trinken.

Foto: Pelz

Gefährlich sind die Keime nach Angaben von Gesundheitsamtsleiter Friedrich Habermann ausschließlich für schwerstkranke Patienten, die gerade eine Organtransplantation hinter sich haben. Sie sollten ihr Trinkwasser auf jeden Fall abkochen oder filtern. Alle anderen Wolfsburger können laut Habermann ohne Bedenken Leitungswasser trinken – auch Senioren. Eltern dürfen wie gewohnt Babynahrung mit abgekochtem Wasser zubereiten.

Coliforme Bakterien sind überall: Der Mensch hat sie im Mund, auf der Haut und nimmt sie mit Salat oder Gemüse zu sich. Ins Trinkwasser gehören sie allerdings nicht. Wie die Keime ins 540 Kilometer lange Leitungsnetz der LSW gelangten, ist noch unklar. Auf jeden Fall treten sie bisher in einer sehr geringen Konzentration von maximal einer Bakterie pro 100 Milliliter Wasser auf. „Die Keimbelastung ist sehr, sehr gering“, sagt Erster Stadtrat Werner Borcherding.

Die erste auffällige Probe wurde bereits Ende Mai gezogen. Als am Samstag auch eine Probe aus dem Zulauf des Klinikums eine Verunreinigung aufwies, entschieden sich die Stadt Wolfsburg und die LSW, an die Öffentlichkeit zu gehen. Um Schwerstkranke zu warnen, aber auch, um anderen Wolfsburgern die Angst zu nehmen.

Normalerweise untersucht die LSW pro Jahr etwa 60 Wasserproben. Seit Samstag wurden täglich 25 genommen und externe Institute hinzugezogen. Verwirrend: Mal treten die Bakterien in einem Teil des Stadtgebietes auf, mal in einem anderen. Die Konzentrationen in den Wasserwerken Rühen und Westerbeck, wo das Wolfsburger Leitungswasser herkommt, sind geringer als im Stadtgebiet. Die Ergebnisse der 25 zuletzt genommenen Proben waren am Montag alle negativ. „Es ist eine frustrierende Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, erklärt Friedrich Habermann. Er schließt nicht aus, dass die Bakterien irgendwann verschwinden, ohne dass die Ursache gefunden wird.

Im Klinikum wird das Wasser auf der Intensivstation, der Onkologie und der Neugeborenenstation ohnehin gefiltert. Wegen der Bakterien im Zulauf wurden an weiteren Hähnen Filter angebracht, die das Wasser entkeimen. Die Stadt Wolfsburg hat auch Kontakt zu den Seniorenheimen aufgenommen.

Auch in den nächsten Tagen werden regelmäßig Wasserproben analysiert. Sollte sich die Bakterienkonzentration erhöhen, werde die Öffentlichkeit informiert, kündigte Werner Borcherding an. LSW-Chef Frank Kästner erklärte, dass bei punktuell höheren Verschmutzungen auch das Wasser abgestellt werden könnte.

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