Weil in Kindern Philosophen stecken

Wolfsburg  Julian Nida-Rümelin und seine Frau Nathalie Weidenfeld berichteten in der Autostadt vom „Sokrates-Club“

. Kinder und ihre Ideen ernst (zu) nehmen – das sollte mehr als ein Lippenbekenntnis sein. Dem, der’s tut, bieten sich interessante Erkenntnisse. Julian Nida-Rümelin, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universtät in München, sowie seine Frau Nathalie Weidenfeld, Kulturwissenschaftlerin und freie Autorin, haben mit Kindern philosophische Gespräche geführt.

„Als unsere Tochter in die Schule kam, hatten wir das Gefühl, ihre fehle Raum, um über interessante Dinge zu sprechen. “
Vorname Nachname, und werwann was gesagt hat

Das Ergebnis ist ein Buch, betitelt mit „Der Sokrates-Club“. Über ihr Buch und die Erfahrungen im „Sokrates-Club“ sprachen die Autoren am Dienstagabend im Freiraum der Autostadt. Die Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Bildungsgespräch“ – diesmal über „Kinder als Philosophen“ – moderierte der Grimme-Preisträger Reinhard Kahl.

Rund 90 Zuhörer hatten sich im Freiraum versammelt, darunter eine große Zahl von Schülern des Gifhorner Otto-Hahn-Gymnasiums. Die Zehntklässlerinnen Lina Ludwig und Vanessa Thyssel gehörten dazu. Sie nehmen am Philosophiekursus teil. Ihre Erwartungen? Lina Ludwig erläuterte: „Ich freue mich darauf, zu hören, wie das Buch zustande kam. Ein Kapitel daraus habe ich gelesen.“ Vanessa Thyssel hoffte „auf einen anspruchsvollen Vortrag, aber nicht zu fachsprachlich“.

Diese Hoffnung sah sie – nach eigenem Bekunden – bereits im Laufe der Veranstaltung als erfüllt an. Lina Ludwigs Erwartungen wurden gleich zu Beginn Realität. Nathalie Weidenfeld erzählte von den Anfängen der Kindergespräche. „Das war, als unsere Tochter mit sechs Jahren in die Schule kam. Wir hatten den Eindruck, ihr fehlt etwas der Raum, um über interessante Dinge zu sprechen. Deshalb haben wir Kinder von Freunden zu uns gebeten. Auf die Einladung hatten wir als Betreff Sokrates-Club geschrieben.“

Details über diese erste Zusammenkunft kleiner Philosophen, der weitere folgten, einmal sogar mit drei Schulklassen, vermittelte die Autorin beim Vorlesen der entsprechenden Buchpassage. Was den beiden Initiatoren und Autoren auffiel: „Nimmt man die Aussagen der Kindergespräche unter die Lupe, finden sich alle bisherigen philosophischen Denkansätze wider.“

Die Grundidee sei es gewesen, „die Kinder über das sprechen zu lassen, was sie berührt und bewegt. Und nicht etwa, ihnen abstrakte Philosophien zu vermitteln.“

Das Gespräch in der Autostadt kreiste dennoch zeitweilig um philosophische Grundlagen. Wobei Moderator Reinhard Kahl die Impulse sehr häufig in diese Richtung lenkte und damit vornehmlich den philosophischen Experten Nida-Rümelin ins Spiel brachte. Was dessen Gegenpart Nathalie Weidenfeld ins Hintertreffen brachte, und damit den konkreteren Ansätzen und dem Thema „Kinder als Philosophen“ zum Nachteil gereichte.

Verbale Interaktion mit dem (jungen) Auditorium war gewünscht und wurde realisiert. Dabei gab eine Äußerung zum Thema Schule besonders zu denken: „Im Fach Philosophie haben wir die Möglichkeit, frei unseren Gedanken nachzugehen. In den anderen Fächern ist das nicht sehr oft der Fall“, lautete das Fazit eines Zuhörers.

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