150 Wolfsburger demonstrierten gegen Rechts

Wolfsburg. Ignorieren oder demonstrieren – diese Frage stellt sich immer, wenn Rechtsradikale in die Öffentlichkeit treten. Der „Schulterschluss der Wolfsburger Demokraten“ versuchte es gestern mit einem Mittelweg – und demonstrierte mit rund 150 Menschen gegen eine Kundgebung der rechtsradikalen NPD.

„Ignorieren funktioniert nicht. Das wurde vor 1933 versucht, da haben wir eine historische Verantwortung“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Hartwig Erb, am Rande der Kundgebung. Stattdessen wählte die IG Metall einen anderen Weg: Nicht alle Mitglieder waren aufgerufen, sondern vor allem Vertreter der Betriebsräte und Belegschaften. „So geben wir der Handvoll NPD-Leute nicht zu viel Gewicht, zeigen aber, dass wir diese braune Gesinnung bei uns nicht akzeptieren.“

Neben vielen Landtagskandidaten war auch Oberbürgermeister Klaus Mohrs bei der Gegendemo vor dem Alvar-Aalto-Kulturhaus mit dabei. Schlichtes Ignorieren sei für ihn keine Lösung, betonte der Oberbürgermeister. „Wichtig ist, dass es friedlich bleibt. Dann zeigen wir mit einer solchen Aktion nur eins: Die Demokraten in dieser Stadt werden immer stärker sein als die Rechtsradikalen.“

Die Polizei war mit einigen Dutzend Beamten vor Ort. Angemeldet war die Gegendemonstration vor dem Alvar-Aalto-Haus. Der Hollerplatz selbst, wo sich eine Handvoll NPD-Mitglieder aufhielten, wurde von der Polizei abgeriegelt. „Solange die Menschen an der Beamtenkette haltmachen, ist es für uns in Ordnung“, sagte der Wolfsburger Polizeichef Hans-Ulrich Podehl. Die Wolfsburger hielten sich daran – die Demonstration blieb friedlich. Ob das im Sommer bei einer bereits angekündigten Großkundgebung von Neonazis auch so sein wird, ist noch nicht absehbar. Die Polizei bereitet sich vor. „Wir haben bisher noch keine Hinweise auf Krawalltouristen. Bei anderen Veranstaltungen dieser Art ist das aber immer wieder vorgekommen“, so Podehl. Auf jeden Fall werden Polizeikräfte von außen angefordert. „Wir organisieren gerade die Unterbringung.“

Von Hartwig Erb gab es am Ende der Veranstaltung noch einen Tipp: „Geht einfach wählen!“ Die NPD sei nicht darauf aus, in den Landtag zu kommen. Es gehe um die Parteienfinanzierung. „Die wollen 0,5 Prozent und dann unser Geld. Das können wir am Sonntag verhindern.“

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