Naturschützer: Jäger sollen Waschbär jagen

Wolfsburg  Kreisjägermeister Wolfgang Lüer überlegt, eine große Gänsejagd zu veranstalten, um die Zahl der Graugänse zu reduzieren. Naturschützer sind dagegen.

Am Schillerteich gibt es noch Graugansküken. Aber weniger als in anderen Jahren, sagt Michael Kühn.

Am Schillerteich gibt es noch Graugansküken. Aber weniger als in anderen Jahren, sagt Michael Kühn.

Foto: regios24/Mottl

Der Vorsitzende des Naturschutzbundes Michael Kühn forderte die Jägerschaft am Freitag auf, lieber Waschbären zu jagen.

„Eine Gänsejagd lehnt der Nabu kategorisch ab. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist ein ganz anderes, und dieses Problem muss dringend gelöst werden, sonst wird der Bestand an Wasservögeln zusammenbrechen“, prophezeit Kühn. Nach Beobachtungen des Nabu haben nicht nur Graugänse, sondern auch Vögel wie Höckerschwäne und Blesshühner in diesem Jahr an vielen Teichen keinen Nachwuchs.

„Die Jägerschaft hat überhaupt keine Ahnung, was an den Teichen los ist“, ärgert sich Kühn. Andrea Herweg, Grünen-Vertreterin im Ortsrat der Nordstadt, hat 2011 für den Nabu die Gänseküken am Neuen Teich gezählt. Auch sie sagt: „Die Zahlen von Herrn Lüer sind definitiv falsch. Es waren höchstens 35 Jungtiere.“ Davon seien einige überfahren oder erschlagen worden. Der Kreisjägermeister hatte von rund 70 Gänsejungen gesprochen.

Dieses Jahr gibt es Kühns Angaben zufolge am Neuen Teich überhaupt keine Gänseküken, ebenso wenig wie am Detmeroder Teich und an den Hattorfer Teichen. Weil die Nester am Neuen Teich geplündert wurden, seien auch keine Haubentaucherjungen und Stockentenküken durchgekommen. „Dieses Jahr ist es eine glatte Nullnummer. Das gab es noch nie“, so Kühn. Die Übeltäter sollen Waschbären sein. „Wir finden es eine Katastrophe, dass am Neuen Teich überhaupt nichts hochgekommen ist“, sagt Kühn. „Der Waschbär kann gejagt werden. Das sollte die Jägerschaft dringendst tun. Sonst sind die Graureiher die nächsten Opfer.“

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