Krise treibt Digitalisierung an Wolfenbütteler Schulen voran

Schladen.  Schüler und Lehrer berichten in der Werla-Schule in Schladen über ihre Erfahrungen mit dem Online-Unterricht.

Mit den Fingern über das I-Pad-Display statt mit Kreide an der Tafel: So sieht der normale Schul- und Lernalltag von Benedikt Schmidt (links) und Max Stöhr aus der Klasse 9.2 an der Werla-Schule in Schladen während der Corona-Pandemie und wohl auch in der Zeit nach Corona aus.

Mit den Fingern über das I-Pad-Display statt mit Kreide an der Tafel: So sieht der normale Schul- und Lernalltag von Benedikt Schmidt (links) und Max Stöhr aus der Klasse 9.2 an der Werla-Schule in Schladen während der Corona-Pandemie und wohl auch in der Zeit nach Corona aus.

Foto: Jörg Kleinert

Neuntklässler Max Stöhr sitzt vor seinem I-Pad. Auf dem Display sieht er seine Klassenlehrerin Sarah Effenberger. Deutsch-Unterricht auf Distanz. Die Corona-Pandemie macht’s möglich und nötig. Max Stöhr muss nicht mal zur Schule fahren. Er bleibt einfach zu Hause, die Schule kommt zu ihm. Auf das kleine Display seines I-Pads, per Stream.
Szenen wie diese gehören an der Werla-Schule in Schladen inzwischen zum Alltag. Schule und Schüler denken in der Pandemie neu. Homeschooling, Online-Unterricht, Videokonferenzen – die digitale Bildung erhielt in Zeiten der Corona-Krise einen neuen Stellenwert. Die vergangenen Wochen zeigten Lehrern wie Schülern Chancen, Potenziale und Handlungsbedarf zugleich auf.
Hat das Homeschooling Zukunft? Wie gut ist die digitale Infrastruktur für das Online-Lernen an den landkreiseigenen Schulen? In der Aula der Werla-Schule äußerten sich Beteiligte zu ihren frischen Erfahrungen. Neben Schülern und Lehrern kamen auch Bernd Retski, Kreisrat für Schule, Jugend und Soziales, Martina Brandt, Referatsleiterin Schule und Sport, Werla-Schulleiter Achim Durwen, Simon Börner, Schul-IT-Fachmann des Landkreises, sowie Katja Schlager und Anne Kliche vom Kreisbildungszentrum zu Wort.
Früh sei in die Infrastruktur der Schulen investiert worden, berichtete IT-Experte Börner. Glasfaser-Netzwerke arbeiten auf Gigabit-Standard, überall sei eine Schul-Cloud installiert, es gebe eine zentrale Administration. Das vom Kreistag beschlossene Digitalpaket für Schulen sei in den vergangenen Jahren finanziell gut unterfüttert gewesen, betonte Martina Brandt. Allein 2019 flossen 571.000 Euro für Investitionen zum Beispiel in I-Pads für Schüler, zudem 375.000 Euro für Lizenzkosten. In zwei Jahren soll eine Vollausstattung aller Schüler mit I-Pads erreicht sein. „Ohne die bisherigen Anschaffungen wäre das Homeschooling der vergangenen Wochen gar nicht denkbar gewesen“, so Kreisrat Retski. Neuntklässler Max Stöhr genießt das Lernen per I-Pad – egal ob zu Hause oder in der Schule. „Man muss nicht mehr überall seine schweren Bücher mitschleppen.“
Für das häusliche Lernen seien indes stabile WLAN-Leitungen notwendig, betonte Eileen Bartz, Lehrerin an der Schule am Teichgarten. Und: Schüler bräuchten zum Lernen Rückzugsorte. Die seien in sozial schwachen Familien nicht immer gegeben. Wichtig sei, dass auch Lehrer ihr digitales Verständnis verbessern, sagte Medienpädagogin Anne Kliche. Das Medienzentrum biete dafür Webinare an, aber auch Fortbildungen in Kleinstgruppen an den Schulen.
„Wir ersetzen mit dem Online-Lernen nicht den realen Unterricht“, betonte Werla-Schulleiter Achim Durwen. Es fehle die direkte Reflexion des Lehrers. Werla-Neuntklässler Benedikt Schmidt sieht es ähnlich: „Das Problem am Homeschooling ist, dass man keine Erklärungen bekommt. Man bringt sich quasi alles selber bei.“

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