Singende Landschaft: Laien bringen Rittergut zum Klingen

Lucklum.  Im Rahmen des Projektes „Singende Landschaft“ fand am Sonntag auf dem Rittergut Lucklum ein Aktionstag rund um das Singen und die Stimme statt.

Eva-Maria und Hans-Dieter Karras luden in der Gutskirche zum gemeinsamen Singen wie zu Zeiten der Hildegard von Bingen ein. Alle Besucher in der Kirche machten dabei mit.

Eva-Maria und Hans-Dieter Karras luden in der Gutskirche zum gemeinsamen Singen wie zu Zeiten der Hildegard von Bingen ein. Alle Besucher in der Kirche machten dabei mit.

Foto: Frank Schildener

Schon beim Betreten des Gutsparks summte und sang es allenthalben. Ganze Familien fanden den Weg in den Lucklumer Gutspark, machten bei den Workshops mit oder genossen einen Familientag mit Gesang an der frischen Luft.„Der Zuspruch ist so groß gewesen, dass wir uns einig sind, dass es weitergehen muss mit dem Projekt“, freute sich Projektleiterin Juliane Gaube. Getragen durch die Braunschweigische Landschaft hatten sich im Laufe des Jahres beispielsweise Projektchöre zusammen gefunden und wurden Workshops zu verschiedenen Themen angeboten. „Der Tag des Singens ist der Höhepunkt des Projektes“, sagte Gaube.

Das Angebot für Sangeswillige war groß. Während vor der großen Bühne im Park gemeinsam nach Herzenslust gesungen und mitunter auch geschunkelt wurde, wurden die Workshops in der Gutskirche und im Rittersaal gut angenommen. Da ging es um Stimmbildung, Übungen zur Performance auf der Bühne oder Improvisationsmethoden. Spannend war die Reise in die Klänge des Mittelalters, die Eva-Maria und Hans-Dieter Karras in der Kirche anboten. Neben reichlich Musiktheorie gab es auch hier vor allem Gelegenheit zum Mitmachen. Einzelne Töne, von den beiden Musikern auf einer von 12 Glocken mit ganzen Tönen angeschlagen, wurden von den Teilnehmern in der vollen Kirche aufgenommen, schwollen an, bis sie schließlich den gesamten Kirchenraum füllten. Nach den einzelnen Tönen bildeten sie erste Melodien, eine Grundlage für Gregorianische Gesänge. Alte Musikinstrumente waren ebenfalls dabei. Neben den in einem gestellt gemeinsam aufgehängten 12 Glocken waren auch Harfen und ein Portativ dabei. Das werde auch Schoßorgel genannt, erklärten die beiden Musiker. Es sei eines der am besten dokumentierten Instrumente des Mittelalters. „Vom Portativ gibt es so genaue Zeichnungen, dass sie die Maße davon abnehmen können“, erklärte Hans-Dieter Karras. Dann ging es weiter mit dem, bisweilen meditativ anmutenden, gemeinsamen Singen in der Kirche.

Auf der Rasenfläche im Park präsentierten sich für die Sangeskunst in der Region wichtige Institutionen, wie der Landesmusikrat, die Bundesakademie, der Eurotreff oder der niedersächsische Chorverband. „Man muss nicht absolut perfekt singen. Der Spaß am gemeinsamen Singen steht im Vordergrund“, erklärt die 23-Jährige Nathalie Werner. Es gebe kaum etwas Schöneres, als beim Singen die Musik gemeinsam im Chor zu fühlen, sagte sie. Für interessierte gab es a Stand des Verbandes eine Broschüre mit „Chorwissen für die Hosentasche“. „Dort finden aktive und mögliche neue Chorinteressierte alles Wissenswerte zum Chorsingen in Kurzform“, erklärte sie. Eines hatten die zahlreichen Angebote gemeinsam: Sie zeigten einen Tag lang, das sich Singen, ob alleine oder gemeinsam, lohnt und sehr viel Spaß macht. Ein gelungener Tag.

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