44-jähriger Wolfenbütteler prügelt Partnerin krankenhausreif

Wolfenbüttel.   Die Frau erleidet massive Gesichtsverletzungen. Der Täter bekommt eine Bewährungsstrafe.

Im Amtsgericht Wolfenbüttel wird ein Mann verurteilt, der seine Partnerin mit Faustschlägen und Tritten übel zugerichtet hat.

Im Amtsgericht Wolfenbüttel wird ein Mann verurteilt, der seine Partnerin mit Faustschlägen und Tritten übel zugerichtet hat.

Foto: Frank Schildener

Das Amtsgericht Wolfenbüttel hat einen 44-jährigen Wolfenbütteler zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er seine Partnerin verprügelt hatte. Außerdem muss er einen Trainingskursus bei der Opferhilfe absolvieren.

Nach zwei Verhandlungstagen fällt das Urteil erst am Abend

Die Verhandlung dauert lange. Erst am frühen Abend fällt das Urteil. Es ist der zweite Verhandlungstag. Richter Holger Kuhlmann bleibt mit dem Strafmaß unter der Forderung der Staatsanwältin. Sie ruft in ihrem Plädoyer ein Jahr und sieben Monate ohne Bewährung auf. Sein Verteidiger aber plädiert auf Freispruch. Die Verhandlung wird von Lüftungspausen unterbrochen. In einer dieser Pausen spricht der Angeklagte unseren Reporter an, versucht Stimmung gegen das Opfer zu machen. Ähnlich manipulativ präsentiert er sich in der Verhandlung. Die Staatsanwältin wirft ihm später in ihrem Plädoyer Ähnliches vor. In der Verhandlung lacht er, wenn es um das Opfer geht, ergreift auch ungefragt das Wort und muss mehrmals von seinem Verteidiger zur Raison gerufen werden.

Der Mann richtet seine Partnerin mit Faustschlägen und Tritten übel zu

Auf der anderen Seite das Opfer, die Ex-Partnerin. Sie wird an einem Oktoberabend 2019 vom Angeklagten, mutmaßlich mit Faustschlägen und Tritten, übel zugerichtet. Im Gegensatz zum Angeklagten, der über jede Einzelheit detailreich berichtet, kann sie sich nicht an alles erinnern, was damals geschehen ist. Vier Stunden fehlen. Der Verteidiger legt das gegen sie aus. Sie sei gegen ihren Willen festgehalten worden, sei sofort bei ihrem Eintreffen in seiner Wohnung von ihm verprügelt worden, bis ihr schließlich die Flucht gelungen sei, sagt sie. Mit Dauer der Beweisaufnahme schaukeln sich auf beiden Seiten die Emotionen hoch. Es steht Aussage gegen Aussage.

In der Folge wird es schwierig herauszuarbeiten, was an jenem Abend wirklich geschehen ist. Das liegt auch an den Protagonisten des Beziehungsdramas. Da ist der Angeklagte, der offensichtlich ein Problem mit Gewalt hat. Insgesamt vier Anklagen werden verhandelt. Es geht um Sachbestätigung wegen eines beschädigten Stuhles, Körperverletzung zu Lasten der eigenen Mutter, schließlich Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung zu Lasten der verprügelten Frau. Die ersten Taten liegen etwas weiter zurück. Sie wurden mit Strafbefehlen geahndet und werden nun mitverhandelt.

Der Angeklagte sei seiner Partnerin intellektuell haushoch überlegen, sagt die Staatsanwältin. Er habe sie am Tatabend immer wieder zielgerichtet und im Wissen um seine eigene Überlegenheit provoziert. Er habe sie dabei gegen ihren Willen mehrfach gefilmt. Den angetrunkenen Zustand seiner Partnerin präsentiert er mit diesen Videos vor Gericht geradezu süffisant.

Vor Gericht werden Videoaufnahmen gezeigt. Die Frau weint

Als übermäßig arrogant wird die Staatsanwältin das später bezeichnen. Und da ist die verprügelte Frau selbst, die am Tatabend stark alkoholisiert ist. Sie stimmt zu, dass die Videos gezeigt werden. Der Vorgang nimmt sie mit. Tränen kann sie manchmal nur mühsam zurückhalten. Drittens ist da die Familiensituation des Angeklagten. Drei Familien wohnen gemeinsam in einem Zweifamilienhaus in einem Wolfenbütteler Ortsteil. Immer wieder kommt es zu Polizeieinsätzen. Es gibt offenbar nicht nur Streit zwischen den beiden Partnern, sondern auch innerhalb der Familie. Die Partnerin des Angeklagten ist nicht erwünscht. „Sie hat zwei Gesichter“, sagt der Angeklagte. Ein liebes und ein völlig anderes, wenn sie Alkohol getrunken habe. Ein zerrissenes T-Shirt und eine Verletzung am Arm habe er an dem Abend davongetragen. Zeugenaussagen bieten mit Blick auf den Tatabend wenig Erhellendes.

Verletzungen der Frau würden von Faustschlägen stammen

Was also lässt sich als sicher feststellen? Die Verletzungen der Frau. „Sie stammen nicht von einem Unfall, sondern von Faustschlägen“, hält das Gericht für gesichert, erklärt Kuhlmann in seiner Urteilsbegründung. Die Versuche der Verteidigung und des Angeklagten, die Frau als Lügnerin zu charakterisieren und andere Ursachen für die Verletzungen anzubieten, scheitern. „Aus Gutachten wissen wir, das traumatisierte Opfer meist das zentrale Geschehen sehr genau wiedergeben können“, erklärt die Staatsanwältin. Die Frau sei erst nach dem Aufnehmen der im Gericht gezeigten Videos verprügelt worden, sind Staatsanwältin und Richter überzeugt. Fotos der Verletzungen zeigen das malträtierte Gesicht der Frau. Zu sehen sind Verletzungen an Mund, beiden Augen, Wangen und Nase. Attestiert werden mehrere Brüche. Sie sei am Tag nach der Tat im Wolfenbütteler Klinikum behandelt worden. Eine spätere, gerichtsmedizinische, erfolgt an der Gewaltschutzambulanz der Charité in Berlin.

„Um sich diese Verletzungen selbst zuzufügen und die Geschichte drum herum erfinden zu können, hätte sie sich in einem Trainingscamp befinden müssen , so die Staatsanwältin weiter. Von einem „Haus des Gruselns“ wird schließlich gesprochen, von einer „hochgradig toxischen Beziehung“, aus der beide Seiten sich schon lange hätten lösen müssen. Das letzte Wort hat der Angeklagte. Kein Wort der Entschuldigung oder Reue, stattdessen weitere, massive Vorwürfe gegen seine Partnerin. Unter anderem das legt Kuhlmann in seinem Urteil gegen ihn aus.

Der Richter verkündet das Urteil und begründet es

Schließlich das Urteil. Freispruch für die Sachbeschädigung, weil sich die Eigentumsverhältnisse des Stuhles nicht klären lassen. Freispruch für die Körperverletzung gegen die eigene Mutter, weil sie nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte. Freispruch für die angeklagte Freiheitsberaubung, weil die Frau selbst Schlüssel für die gemeinsame Wohnung besessen habe und jederzeit hätte gehen können. Was bleibt, ist eine einfache Körperverletzung. Einfach unter anderem deshalb, weil sie ohne Hinzunahme eines Gegenstandes stattgefunden habe. Für den Angeklagten spreche seine bisherige Straflosigkeit vor und nach dem angeklagten Geschehen. Gegen ihn unter anderem sein Schlusswort. Zusätzlich zur Bewährungsstrafe soll er ein Anti-Aggressions-Training bei der Opferhilfe absolvieren. „Das zeigt in der Regel eine positive Wirkung“, erklärt Kuhlmann zum Schluss. Die Bewährungszeit ist auf drei Jahre festgesetzt.

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