Rassismusvorwürfe gegen Sicktes Samtgemeindebürgermeister

Sickte.  Auf Twitter machen User Samtgemeindebürgermeister Marco Kelb Rassismus-Vorwürfe.

Marco Kelb antwortete auf einen Tweet des Monitor-Moderators Georg Restle.

Marco Kelb antwortete auf einen Tweet des Monitor-Moderators Georg Restle.

Foto: Screenshot / Twitter

Marco Kelb (CDU), Bürgermeister der Samtgemeinde Sickte und reger Nutzer der Neuen Medien, hat sich auf Twitter einen Beitrag gepostet, der ihm – wie er selbst sagt – „Rassismus-Vorwürfe“ und „Beifall von der falschen Seite“ eingebracht habe. Twitter ist ein Mikrobloggingdienst, auf dem telegrammartige Kurznachrichten ausgetauscht werden können.

Das war geschehen: Der Leiter und Moderator des Politmagazins Monitor im Fernsehprogramm Das Erste, Georg Restle, hatte am 8. November um 1.37 Uhr in Zusammenhang mit der Berichterstattung auf dem US-amerikanischen Rundfunksender CNN zur US-Wahl getwittert: „Was deutsche JournalstInnen von CNN lernen können: Nüchternheit in den Fakten, klare Kante bei kommentierenden Einordnungen – und mehr Diversität bitte. Da ist noch jede Menge Luft nach oben bei uns.“

Das ist der Tweet von Marco Kelb

Marco Kelb antwortete fünf Minuten später: „Dann räumen Sie doch Ihren Platz für eine dunkelhäutige muslimische Transfrau mit Wurzeln in Simbabwe und Dänemark! Schon herrscht mehr Diversität bei WDR.“

Darauf reagierte Restle folgendermaßen: „Drei Frauen, drei Männer, zweimal Migrationshintergrund. Wie sieht es in der CDU aus?“ Kelb: „Wie sich unsere Mitgliederstruktur nach Geschlecht und Herkunft zusammensetzt, ist mir ziemlich schnuppe! Entscheidend ist gute Politik! Zugegeben, das ist bisweilen noch steigerungsfähig. Aber solange wir noch Zielscheibe von Monitor sind, können wir so schlecht nicht sein.“

Kelb räumt ein, der Diskussionskultur keinen guten Dienst erwiesen zu haben

Danach habe Kelb seinen Twitter-Account gelöscht, bestätigte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Kelb, der sich regelmäßig auf Facebook und Instagram mit Videobotschaften an die Bürger in der Samtgemeinde Sickte wendet, gibt zu, diese Äußerungen auf Twitter so gemacht zu haben. Kelb: „Ich habe diesen Account am 8. November nach den Rückäußerungen – mehrfache Rassismusvorwürfe – auf meinen Beitrag wieder gelöscht, weil ich festgestellt habe, dass die Diskussionskultur in diesem Medium sehr schnell in persönliche Angriffe mündet. Ich gestehe allerdings ein, dass auch ich mit meinem sarkastischen Beitrag der Diskussionskultur bei Twitter keinen guten Dienst erwiesen habe.“

Marco Kelb erklärt seine Äußerungen

Mit seiner „sarkastischen“ Äußerung habe er sein Unbehagen und Unverständnis darüber zum Ausdruck bringen wollen, dass sich Restle mit seiner Forderung nach Diversität offenbar dafür stark gemacht habe, dass Merkmale wie Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Herkunft Leitkriterien für die Zusammensetzung von TV-Redaktionen sein sollen. „Ich erwarte, dass im öffentlich-rechtlichen Funk und Fernsehen, diese Kriterien tatsächlich keine Rolle spielen, sondern sich die Personalauswahl streng nach den Kriterien Eignung, Befähigung und Leistung richtet. Restle wollte ich mit meinem Beitrag insbesondere mit dem Umstand konfrontieren, dass in dem Falle, dass Diversität ein leitendes Kriterium bei der Besetzung von Redaktionen wäre, er gegebenenfalls nicht an seinem Platz säße, obwohl er mutmaßlich ein ausgezeichneter Journalist ist“, unterstreicht Kelb.

Ein Anfrage unserer Redaktion an Monitor wurde bislang nicht beantwortet.

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