„So viele Affen hier“ – Rassismusvorwürfe bei VW

Zwickau.  Ein VW-Mitarbeiter wurde von Kollegen rassistisch beleidigt. Täter wollte er namentlich nicht nennen. VW-Betriebsrat: Wir haben keinen Ansatzpunkt.

Offenbar wurde ein 42-jähriger Familienvater mehrfach rassistisch von Kollegen bei VW Sachsen beleidigt und gemobbt.

Offenbar wurde ein 42-jähriger Familienvater mehrfach rassistisch von Kollegen bei VW Sachsen beleidigt und gemobbt.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Marik (Name von der Redaktion geändert), 42 Jahre alt, arbeitet erst seit Juni im VW-Werk in Zwickau. Doch schon jetzt, Ende November, ist er seit rund acht Wochen krank geschrieben und hat sich Hilfe beim Psychotherapeuten gesucht. Der Grund: Offenbar wurde der Familienvater mehrfach rassistisch von Kollegen beleidigt und gemobbt. „So viele Affen hier“, habe bereits ein Kollege an Mariks zweitem Arbeitstag gesagt, wie die „Neue Presse Hannover“ und das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ berichten. Seine Begrüßungen wurden demnach ignoriert, ein Kollege rempelte ihn an, ein anderer Kollege fragte einen weiteren: „Was hast du angestellt, dass du deinen eigenen N* bekommen hast?“ Von Vorgesetzten soll er vor Kollegen angeschrien worden sein wegen Fehler, die laut Berichten gesucht worden waren, wie die Nadel im Heuhaufen.

Ende Juni sei der 42-Jährige erstmals zum Betriebsrat wegen der rassistischen Beleidigungen gegangen und habe dort auch einen Namen genannt. Im Fortgang wurde offenbar sein Teamsprecher zum Betriebsrat gerufen. Der Teamsprecher soll Marik später gefragt haben, warum er denke, „dass es im Osten nur Nazis gibt“. Marik nannte dann keine Namen mehr bei den Arbeitnehmervertretern, er habe sich hintergangen gefühlt. Sein Anliegen sei nicht vertraulich behandelt worden.

Leiharbeit in Hannover, Festanstellung in Zwickau

Gebürtig kommt Marik aus Ägypten, hat dort in Hurghada, ein bei Touristen beliebter Strandort, gelebt. In Deutschland lebt er seit etwa 20 Jahren. Seit 2016 arbeitete der 42-Jährige bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover, wo er noch bis Ende Mai dieses Jahres befristet angestellt gewesen ist. Er gehörte damit zu den 207 Leiharbeitern in Hannover-Stöcken , denen Volkswagen nach mehr als drei Jahren Zeitarbeit einen entfristeten Vertrag anbot – allerdings in Zwickau bei VW Sachsen. Rund 100 Leiharbeiter klagen deswegen gegen VW und fordern ihre Weiterbeschäftigung in Hannover. Gut möglich, dass auch Marik dazu gehört. Der 42-Jährige nahm das Angebot des Autobauers dennoch an. Seine Frau hatte laut Medienbericht gerade ein Kind bekommen. „Ich muss doch meine Familie ernähren“, wird Marik zitiert.

Ex-Leiharbeiter klagen gegen VW

Bei VW ist der Zwickauer Fall gut bekannt. Ein Sprecher des Unternehmens sagte am Sonntag: „Dem Hinweis wurde sofort nachgegangen. Volkswagen steht in diesem Zusammenhang auch im direkten Dialog

mit dem betroffenen Kollegen.“ Um Hinweise nachhaltig aufzuklären und konkrete Maßnahmen ergreifen zu können, werde aber um konkrete Angaben der Vorfälle gebeten. Diese lieferte Marik offenbar nicht, weil er sich laut Medienberichten aus Angst weigere, Namen zu nennen. Weil seine Adresse im Werk Zwickau bekannt sei, würde er zudem abends nicht mehr aus dem Haus gehen. Dirk Coers, Personalchef bei Volkswagen Sachsen, und Jens Rothe, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates im Werk Zwickau, erklärten gemeinsam, dass bei einem Nachweis von rassistischen Aktivitäten unverzüglich Konsequenzen gezogen würden.

VW bot Versetzung an

Ein Sprecher des Wolfsburger Konzern-Betriebsrats sagte, der Kampf gegen Diskriminierung, sei ein zentraler Wert für die Belegschaftsvertretung. „Hier sind wir immer in höchster Alarmbereitschaft. Und das ist nachweislich auch im hier vorliegenden Fall so gewesen, mit dem sich der Betriebsrat wiederholt und auf mehreren Ebenen intensiv beschäftigt hat“, so der Sprecher. „Im Ergebnis müssen wir feststellen, keinerlei Ansatzpunkte zu haben“, sagte der Sprecher weiter. Die Personen, die hier gehandelt haben sollen, würden auch dem Betriebsrat gegenüber weiterhin nicht genannt. „Wir als Betriebsrat werden weiterhin alles daran setzen, die nötige Sensibilität für das Thema Diskriminierung hochzuhalten. Denn natürlich sind auch unsere Standorte nicht frei davon“, erklärte der Betriebsratssprecher weiter.

VW bot Marik offenbar an, in ein anderes Werk von VW Sachsen zu wechseln. Das lehnte Marik jedoch ab. Wie die „Neue Presse“ berichtet hat er Zweifel daran, dass sich in Chemnitz etwas an der rassistischen Ausgrenzung“ ändern würde.

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