Wie gefährlich für VW und Co. ist der asiatische Freihandelsvertrag?

Wolfsburg.  Autoexperte Dudenhöffer warnt vor einer Schwächung. VW bleibt dagegen gelassen.

VW-Produktion in Shanghai.

VW-Produktion in Shanghai.

Foto: Ole Spata / dpa

China hat mit 14 asiatisch-pazifischen Staaten das größte Freihandelsabkommen der Welt vereinbart. Es soll Zölle verringern und einheitliche Regeln festlegen. Beteiligt sind China, Vietnam, Singapur, Indonesien, Malaysia, Thailand, Philippinen, Myanmar, Brunei, Laos, Kambodscha, Japan, Australien, Südkorea und Neuseeland. Was weit weg wirkt, könnte ganz konkrete Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. So kritisiert Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Duisburger Car-Centers: „Für die deutsche Autoindustrie ist das eine große politische Schlappe.“ In der Wolfsburger VW-Zentrale bleibt man hingegen gelassen.

Sind asiatische Autobauer die Profiteure?

Dudenhöffer ist überzeugt: Vom Freihandelsabkommen profitieren die japanischen beziehungsweise süd-koreanischen Autobauer Toyota, Honda, Nissan, Hyundai-Kia. Sie würden nun einen Zugang unter anderem zum wichtigen Wachstumsmarkt China erhalten. Das gelte ebenso für die Zulieferer Denso, Aisin, Hyundai-Mobis, Bridgestone, Sumitomo und die Batterielieferanten Panasonic, LG-Chem, Samsung und SK-Innovation.

„US-Kurs verschlechtert Wettbewerbsposition“

Wie Dudenhöffer weiter ausführt, gehören die vom Freihandelsabkommen erfassten Länder zu den Staaten mit den höchsten Wachstumsraten. „Märkte wie Vietnam, Malaysia, Indonesien sind neben China – der großen Lokomotive – die Wachstumsregionen auch für das Weltautogeschäft.“ Der deutschen Politik wirft er Versagen vor: „Der einseitige US-Kurs der Bundesregierung und der EU verschlechtert die Wettbewerbsposition der deutschen Autoindustrie.“ Dieser Entwicklung könnten sich die deutschen Hersteller nur dann entziehen, wenn sie ihre Produktion aus Deutschland nach Asien verlagerten. Dudenhöffer: „Während enge Verbündete der USA wie Japan und Süd-Korea den Schulterschluss beim Handel mit China getätigt haben, sind unsere Unternehmen in Zukunft stärker von Zöllen, Produktharmonisierungen, Exporteinschränkungen getroffen.“

„Ermutigendes Zeichen für den Freihandel“

Deutlich entspannter wird das neue Freihandelsabkommen in Wolfsburg bewertet. Von VW hieß es auf Nachfrage: „Für den Volkswagen-Konzern als global wirtschaftendes Unternehmen ist ein offener Marktzugang im globalen Welthandel die beste Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum, Sicherung von Investitionen und für die Schaffung von Arbeitsplätzen.“ Das Unternehmen sehe daher in dem Abkommen zur asiatisch-pazifischen Wirtschaftspartnerschaft ein „ermutigendes Zeichen für den Freihandel“. „Volkswagen beobachtet die weitere Entwicklung der umfassenden Wirtschaftspartnerschaft sehr genau, inwieweit dieses Abkommen auch zu der beabsichtigten Marktöffnung führt.“

Die Wolfsburger sind mit Blick auf China ohnehin in einer komfortablen Position. Der Konzern ist im Reich der Mitte Marktführer, produziert den allergrößten Teil seiner dort verkauften Fahrzeuge direkt im Land.

Bleiben Zölle für Auto-Einfuhren?

Ob Toyota , Honda, Nissan oder Hyundai-Kia tatsächlich vom Asien-Deal profitieren und in China künftig mächtig Gas geben, bleibt wohl abzuwarten. Erstens sei das Abkommen noch nicht unterschrieben, zweitens würden die Einfuhrzölle von 25 Prozent für Autos sehr wahrscheinlich bestehen bleiben, heißt es in Branchenkreisen. Ohnehin würden die geplanten Zollerleichterungen schrittweise über einen Zeitraum von 20 Jahren eingeführt.

Zulieferer könnten Vorteile haben

Etwas anders könnte die Situation für Zulieferer aus Asien sein. Für ihre Produkte würden in China nicht die hohen Einfuhrzölle gelten wie für Autos. Sie könnten daher – zumindest auf längere Sicht – tatsächlich von den Steuerleichterungen profitieren und damit Vorteile gegenüber deutschen und europäischen Konkurrenten haben.

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