Jugendarbeitslosigkeit sinkt im Oktober in unserer Region

Braunschweig.  Der verschobene Ausbildungsstart macht sich bezahlt. In der gesamten Region liegt die Arbeitslosigkeit dennoch deutlich über dem Vorjahresniveau.

Durch den verschobenen Ausbildungsstart aufgrund der Corona-Krise sank die Jugendarbeitslosigkeit in unserer Region und ganz Niedersachsen stark. Dennoch liegt sie deutlich über den Vorjahreswerten.

Durch den verschobenen Ausbildungsstart aufgrund der Corona-Krise sank die Jugendarbeitslosigkeit in unserer Region und ganz Niedersachsen stark. Dennoch liegt sie deutlich über den Vorjahreswerten.

Foto: Ina Fassbender / AFP

Im Oktober ist die Arbeitslosigkeit in unserer Region trotz steigender Infektionszahlen leicht zurückgegangen. In unserer Region sank die Zahl der Erwerbslosen auf 36.560 Personen. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 5,9 Prozent – ein geringer Rückgang im Vergleich mit den 6,1 Prozent Arbeitslosen im September. Damit liegt unsere Region im Landesschnitt. Hier sind 255.000 Menschen – und damit 5,8 Prozent – ohne Arbeit. In Deutschland sind nach Angaben der Bundesarbeitsagentur im Oktober 6 Prozent der Menschen arbeitslos gewesen, das entspricht 2.759.780 Personen. Im Vorjahresmonat – vor der Corona-Krise – waren es noch 4,8 Prozent.

Jugendarbeitslosigkeit sinkt um 12 Prozent

Deutlicher sind die Zahlen hingegen bei der Jugendarbeitslosigkeit: Diese ist im Oktober in unserer Region um 12 Prozent im Vergleich zum Vormonat gesunken. „Hier machen sich beispielsweise die zeitlichen Verschiebungen aufgrund der Pandemie bei Azubi-Entscheidungen weiter bemerkbar“, sagt Gerald Witt, Leiter der Arbeitsagentur Braunschweig-Goslar, die auch Salzgitter und Wolfenbüttel betreut, zu den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen. Ulf Steinmann, Leiter der Arbeitsagentur Helmstedt, die zudem Gifhorn und Wolfsburg umfasst, führt die schwindende Jugendarbeitslosigkeit nicht nur auf den verspäteten Ausbildungsbeginn zurück. „Die frisch ausgebildeten Fachkräfte konnten nach ihrer Ausbildung auch trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen“, erklärt er.

Damit liegt unsere Region im Landesschnitt. In ganz Niedersachsen sank die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen um 12,5 Prozent im Oktober im Vergleich zum September. So erfreulich die sinkende Jugendarbeitslosigkeit ist, auch im Oktober waren knapp 11 Prozent der jungen Erwachsenen im Bereich der Arbeitsagentur Helmstedt ohne Arbeit, in der Stadt Braunschweig waren es knapp 8 Prozent.

20 Prozent mehr Arbeitslose als im vergangenen Jahr

Die dramatischen Auswirkungen des Krisenjahres 2020 werden vor allem deutlich, wenn man die aktuelle Arbeitslosigkeitsquote mit dem Vorjahresmonat vergleicht. „Die Arbeitslosigkeit liegt aufgrund der Coronakrise rund 20 Prozent über dem Vorjahreswert. Unter Betrachtung des derzeitigen Infektionsgeschehens blicken wir leider auch nicht optimistisch auf die kommenden Monate“, berichtet Steinmann von der Agentur Helmstedt. Auch in Braunschweig, Salzgitter, Wolfenbüttel und Goslar waren im Oktober 2020 circa 20 Prozent mehr Menschen arbeitslos als im Vorjahresmonat. Bei den jungen Erwachsenen stehen in Braunschweig sogar 37 Prozent mehr ohne Arbeit da.

Nun bereiten besonders die Verschärfungen der Corona-Maßnahmen Verbänden wie den regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) Sorge. Die IHK Braunschweig schloss am Mittwoch eine Insolvenzwelle in unserer Region aufgrund der Maßnahmen gegenüber unserer Zeitung nicht aus. Von einem plötzlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit aufgrund der verschärften Maßnahmen geht Stefan Freydank, Pressesprecher der Arbeitsagentur Braunschweig-Goslar, dagegen nicht aus. „Die Arbeitslosigkeit wird sich saisontypisch leicht erhöhen, aber nicht aufgrund der besonderen Effekte des ,Lockdown-Light’“, sagt er.

Kurzarbeit wird wahrscheinlich wieder aufflammen

Dagegen werde das Instrument der Kurzarbeit im kommenden Monat voraussichtlich wieder stärker genutzt werden. „Wir werden natürlich einen Anstieg haben in der Kurzarbeit bei Gastronomie, Hotels und Freizeiteinrichtungen, die schließen müssen“, erklärt Freydank und betont dabei, dass die Kurzarbeit aber eine Maßnahme ist, um den Verlust von Arbeitsplätzen zu vermeiden. Ob es eine Welle an Insolvenzen am Ende des Jahres geben könnte, kann Freydank aktuell noch nicht einschätzen. „Insolvenzen sind bis zum Ende des Jahres ausgesetzt, sodass wir da noch keine Auffälligkeiten sehen“, sagt er.

Die Anträge auf Kurzarbeit hatten in den vergangenen Monaten gegenüber dem Höchststand im April deutlich abgenommen, berichtet die Arbeitsagentur Braunschweig. Dennoch stellt Agentur-Leiter Witt klar: „Die Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist weiterhin hoch, die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt wieder zaghaft an. Der Weg ist noch lang.“ Wann man unter das Vorkrisenniveau sinken werde, sei nicht seriös zu prognostizieren. Zu viele Unsicherheiten gäbe es, etwa das wachsende Infektionsgeschehen oder die Entwicklung des Außenhandels.

In Wolfsburg, Helmstedt und Gifhorn waren vom Mai bis September 88.976 Menschen in Kurzarbeit, berichtet die zuständige Arbeitsagentur. Auch hier ist das Stellenangebot von der Krise ausgedünnt. Im Oktober wurden im Bereich Helmstedt 11 Prozent weniger Stellen ausgeschrieben als im Vorjahresmonat. Wer unter der Krise leidet, hat also somit noch erschwerte Bedingungen für einen Neustart.

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