Die Aussaat ist in vollem Gang

Helmstedt.  Landwirt Hendrik Schünemann hofft auf harten Frost im Winter.

Ein Acker im Landkreis Helmstedt wird gedrillt.

Ein Acker im Landkreis Helmstedt wird gedrillt.

Foto: Hannah Schmitz

Was macht ein Landwirt im Herbst? Die Getreideernte ist abgeschlossen, die Zuckerrüben müssen auf vielen Feldern noch gerodet werden. Auf dem Betrieb von Hendrik Schünemann und Wolfgang Täger-Farny läuft außerdem noch die Ernte des Körnermaises, und die Kartoffelernte ist auch noch nicht abgeschlossen. Bevor es in die ruhigere Winterzeit geht, muss aber vor allem die Saat für das nächste Jahr gelegt werden – zum Beispiel beim Winterweizen.

Der seit 2017 zusammengeschlossene Betrieb von Schünemann und Täger-Farny bewirtschaftet rund 500 Hektar, auf fast der Hälfte – 230 Hektar – säen sie in diesem Jahr Winterweizen aus. Außerdem noch Roggen (10 Hektar) und zum ersten Mal Triticale (20 Hektar) – eine Kreuzung aus Roggen und Weizen. Raps steht fast ein ganzes Jahr auf den Feldern und wird schon im August gesät, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln im Frühjahr.

Erst pflügen, dann drillen

Um dem Weizen die besten Startmöglichkeiten zu geben, pflügen die Landwirte ihre Äcker, drehen den Boden also bei etwa 30 Zentimeter Tiefe einmal um. Beikräuter und Weizen-Überreste werden gleich mit nach unten gewendet, der Boden wird gelockert und dadurch die Versorgung mit Sauerstoff verbessert. „Die Saat bekommt so einen sauberen Tisch“, sagt Schünemann. Nach dem Pflug kommt die Drillmaschine zum Einsatz, die – geführt vom Trecker – in automatisierten, geraden Bahnen die Weizenkörner aussät: 300 Körner auf einem Quadratmeter. „Je später im Jahr, desto mehr Körner werden gesät, weil dann nicht mehr alle auflaufen“, erklärt Schünemann.

Die Körner erhält er schon gebeizt, also behandelt, damit sie gegen Krankheiten wie Steinbrand, Flugbrand oder Fusarien resistent sind. Erkranken die Pflanzen daran, bedeutet das für den Landwirt Ertragsverlust und Qualitätseinbußen – am Ende also auch weniger Geld. Kaum sind die ersten Reihen gedrillt, nimmt Schünemann eine Stichprobe: Liegen die Körner in einer guten Tiefe? Sind die Reihen im richtigen Abstand zueinander? Optimal ist es, wenn die Weizenkörner zwei bis drei Zentimeter tief in der Erde liegen – „sonst brauchen sie zu viel Energie, um sich hochzukämpfen. Das geht später auf den Ertrag“, erklärt der Landwirt.

Bodenherbizide gegen Acker-Fuchsschwanz

Nach der Aussaat wird der Acker mit Bodenherbiziden gespritzt, um etwa das Wachsen von Acker-Fuchsschwanz oder Windhalm zu verhindern. In den nächsten Wochen müssen dann noch große Steine von den Äckern gesammelt werden, damit sie später nicht die Maschinen kaputt machen. Dann werden die Pflanzen erst einmal in Ruhe gelassen, damit sie wachsen und gedeihen. „Der Weizen sollte in zehn Tagen draußen sein, also keimen und vier bis fünf Blätter entwickeln“, sagt Schünemann. Über den Winter bildet er dann vor allem Wurzeln, die lang in die Erde wachsen sollen, damit die Pflanzen im Frühjahr gut ans Wasser gelangen – und später einen guten Ertrag einbringen.

Für den Winter erhofft sich Schünemann richtigen Frost, damit Zwischenfrüchte wie zum Beispiel Senf ordentlich absterben und damit Schädlinge wie Feldmäuse, deren Population sich mancherorts zu einer Plage ausgewachsen hat, eingedämmt werden.

Zur Serie:

„Unsere Landwirtschaft“widmet sich der Landwirtschaft zwischen Harz und Heide. Der Betrieb von Hendrik Schünemann und Wolfgang Täger-Farny mit Flächen im Landkreis Helmstedt und Sachsen-Anhalt begleiten wir durch das landwirtschaftliche Jahr.

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