Corona: Jeder sechste Haushalt hat nun weniger Geld

Berlin.  Die meisten Menschen in Deutschland haben trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen in der Corona-Krise nicht weniger Geld auf dem Konto.

Corona Mythen: Diese 5 Gerüchte sind bereits entlarvt

Gerüchte über das Coronavirus verbreiten sich rasend schnell. Im Netz kursieren Mythen über Sterblichkeitsraten, Übertragungswege und Heilmittel. Mit schlimmen Folgen: Falschinformationen kosteten erste Menschenleben. Diese Corona Mythen sind längst entlarvt.

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Kurzarbeit, steigende Arbeitslosigkeit und ein dramatischer Wirtschaftseinbruch – die Auswirkungen der Corona-Krise wiegen schwer. Was das eigene Konto betrifft, scheinen die Verwerfungen aber an den allermeisten Menschen in Deutschland vorbeizugehen. In der jüngsten Umfrage des Frankfurter Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung gaben nur 17 Prozent der 10.800 befragten Haushalte an, sie hätten mit Einkommensverlusten zu kämpfen.

Dagegen meldete die große Mehrheit von 83 Prozent keine Einbußen oder sogar eine Verbesserung der persönlichen finanziellen Situation. Das Frankfurter Institut hat die Daten für das „Haushaltskrisenbarometer“ bereits zum siebten Mal seit Beginn der Pandemie erhoben.

Forscher Andreas Hackethal stellte fest: „Nachdem die Corona-Pandemie ein halbes Jahr gewütet hat, beobachten wir, dass sich die finanzielle Lage der Haushalte nach dem ersten Schock im März 2020 weder weiter signifikant verschlechtert noch deutlich erholt hat.“ Gemessen an der Lebenswirklichkeit der Leute bestätige sich, dass Deutschland bisher relativ gut durch die Krise gekommen sei.

Finanzielle Einbußen meist schon seit Monaten

Wer derzeit jedoch weniger zum Leben auf dem Konto hat, befindet sich der Untersuchung zufolge in der Regel seit Beginn der Krise in dieser Situation. „Die Haushalte, die tatsächlich nach wie vor mit weniger Einnahmen auskommen müssen, befinden sich schon seit Ende März in dieser Lage“, sagte Roman Inderst, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzen und Ökonomie an der Universität Frankfurt, der neben den Marktforschern von Nielsen an der Studie beteiligt war.

Besonders häufig stellten die Forscher finanzielle Einbußen bei Selbstständigen fest sowie bei Angestellten in Branchen, die besonders unter den Folgen der Pandemie leiden – Handel, Verkehr und Gastgewerbe. Hier gab fast jeder dritte Haushalt (30 Prozent) an, jetzt weniger in der Tasche zu haben. Die Befragten aus diesen Bereichen gaben zudem überwiegend an, dass sich ihre Lage im nächsten halben Jahr nicht deutlich bessern wird.

Einkommen in den Lockdown-Monaten deutlich gesunken

Einen spürbaren Rückgang bei den Einkommen hatte kürzlich auch das Statistische Bundesamt für die Krisenmonate April bis Juni festgestellt. Im zweiten Quartal dieses Jahres waren die Reallöhne um 4,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Die Bruttomonatsverdienste der Menschen in Deutschland waren damit stärker gesunken als in der Finanzkrise 2008/09.

Abgefedert wird die Entwicklung vor allem auch durch das Kurzarbeitergeld. Nach jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes dürften im Juni rund 5,4 Millionen Beschäftigte davon profitiert haben. Nach einer repräsentativen Umfrage der Universität Mannheim unter rund 9500 Unternehmen setzt jedes vierte Unternehmen mangels Aufträgen oder Beschäftigung für die Mitarbeiter auf das Instrument der Kurzarbeit.

Seit Beginn der Corona-Krise hat die zuständige Bundesagentur für Arbeit insgesamt 14,3 Milliarden Euro für Kurzarbeit ausgezahlt. Was Arbeitnehmer bei einer drohenden Entlassung tun können.

Wirtschaftseinbruch wohl nicht so schlimm wie erwartet

Die deutsche Wirtschaft befindet sich unterdessen ein halbes Jahr nach Beginn des Corona-Lockdowns wieder auf Erholungskurs. „Inzwischen zeichnet sich ab, dass – zumindest in Deutschland – die Lage doch nicht ganz so düster ist, wie die Stimmung zwischenzeitlich war“, sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg.

Zwischenzeitlich war für das gesamte Jahr 2020 der größte Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg erwartet worden. Das sieht inzwischen anders aus. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten zuletzt ihre Prognosen nach oben korrigiert. Sowohl das Münchner Ifo-Institut als auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg erwarten, dass die Wirtschaftsleistung nur noch um 5,2 schrumpft. Das wäre weniger als in der Finanzkrise 2008/2009.

Dabei gibt es jedoch noch viele Risikofaktoren. Komme es bei einer zweiten Corona-Welle erneut zu starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens, würde dies die Erholung der Wirtschaft wohl stoppen. Marc Schattenberg von der Deutschen Bank warnt noch aus einem anderen Grund vor zu großer Euphorie. Eine Insolvenzwelle, vor allem bei Kleinbetrieben, Anfang des kommenden Jahres sei nicht auszuschließen.

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