„Mr. Golf“: Ehemaliger Wolfsburger VW-Werkleiter Fiebig ist tot

Wolfsburg.  Der 65-Jährige galt als gradlinig und hemdsärmelig – zuletzt war „Mr. Golf“ für die Steuerung der VW-Kleinserienaktivitäten verantwortlich.

Siegfried Fiebig, früherer Leiter des VW-Werks in Wolfsburg, ist im Alter von 65 verstorben.

Siegfried Fiebig, früherer Leiter des VW-Werks in Wolfsburg, ist im Alter von 65 verstorben.

Foto: VW

Trauer in Wolfsburg: Siegfried Fiebig, früherer Leiter des VW-Werks in Wolfsburg, ist am Wochenende im Alter von 65 Jahren in Braunschweig verstorben. Offenbar hatten Herzprobleme zum Tod geführt. Fiebig hinterlässt eine Ehefrau und zwei Söhne.

„Mit großer Bestürzung haben wir von dem Tod von Prof. Dr. Siegfried Fiebig erfahren. Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei seiner Frau und seinen Kindern“, teilte Gunnar Kilian, Personalvorstand im VW-Konzern, am späten Montagabend mit. Er ehrte ihn als „einer unserer besten und erfahrensten Produktionsmanager“. Die Marke Volkswagen und insbesondere die Standorte Wolfsburg, Emden und Zwickau würden ihm unendlich viel in ihrer Fortentwicklung verdanken. Kilian: „Persönlich verband mich mit Siggi Fiebig in seiner Wolfsburger und Zwickauer Zeit eine enge Zusammenarbeit, in der wir gemeinsam viele Zukunftsprojekte für die Standorte vorantreiben konnten.“ VW trauere um einen „tollen VW-Kollegen und einen besonderen Menschen“.

VW würdigt Fiebig als „maßgeblichen Gestalter“

Ralf Brandstätter, Chef der Marke VW, zeigte sich ebenfalls tief betroffen vom plötzlichen Tod des Managers. „In seinem langen Wirken für Volkswagen war Siegfried Fiebig über mehr als vier Jahrzehnte hinweg mit großer Leidenschaft ein maßgeblicher Gestalter in den Bereichen Logistik und Produktion“, würdigte er Fiebig.

Der Maschinenbauingenieur Fiebig, gebürtig aus Bielefeld, begann seine Karriere vor rund 40 Jahren bei Volkswagen. Nach verschiedenen Einsätzen in den Werken Salzgitter, Emden und Wolfsburg wurde er 1989 Leiter der Logistikplanung bei der Marke VW. 1994 stieg er zum Leiter der Logistik im VW-Werk Emden auf und übernahm dort 1996 die Fertigungsleitung. Von 1997 bis 1998 war Fiebig als kommissarischer Werkleiter für den Standort Emden verantwortlich. 1998 berief ihn der Volkswagen-Vorstand dann zum technischen Direktor und Sprecher der Geschäftsleitung von Volkswagen in Brüssel.

2007 kehrte Fiebig zurück nach Wolfsburg – sein „Zuhause“

Im Jahr 2006, Fiebig war bereits in Emden Werkleiter, wurde er in Brüssel mit dem nationalen Orden des Königreichs Belgien für Wirtschaftsbeziehungen ausgezeichnet. Ein Jahr später, 2007, kehrte der Manager als Standort- und Fertigungsleiter an den Ort zurück, den er später als „Zuhause“ bezeichnete: Wolfsburg.

Unter Fiebig wurde hier der Anlauf von Golf 6 und 7 gemeistert, die Umstellung auf den Modularen Querbaukasten, die Produktionsanläufe von Tiguan und Touran und viele tausend Bauprojekte auf dem Werksgelände. In einem Interview im April 2012 mit unserer Zeitung verriet Fiebig: „Als ich 2007 nach Wolfsburg kam, hatte ich schon Ehrfurcht vor der Größe und der Komplexität des Standorts. Das hat nach den Jahren nachgelassen.“

„Der Erfolg gibt ihm meistens recht“

Beschrieben wurde der Werkleiter Siegfried Fiebig als kernig, gradlinig, hemdsärmelig, durchsetzungsstark, als konfliktfreudiger Entscheider, als Produktionshirsch, „Mr. Golf“ und „Klartext-Siggi“. Anerkennend hieß es über ihn: Der will manchmal mit dem Kopf durch die Wand, aber der Erfolg gibt ihm meistens recht.“ So war es beispielsweise, als Fiebig verkündete, dass das Werk Wolfsburg 2013 das beste Produktionsergebnis seit 21 Jahren erzielt hatte.

Wolfsburg wurde für Fiebig und seine Familie ein Zuhause. „Man tut der Stadt unrecht, wenn man sagt, hier sei es nicht lebenswert“, warb er in unserer Zeitung für die VW-Stadt, für die er sich viel engagierte. 2014 ging es für ihn beruflich nach Sachsen, wo er Geschäftsführer Technik und Logistik sowie Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH wurde. Sein Lebensmittelpunkt blieb aber Wolfsburg. Im Interview mit unserer Zeitung sagte er 2014: „Die Familie bleibt hier in Wolfsburg – und ich im Übrigen auch. Ich bin in meinem Berufsleben schon 16-mal umgezogen. Das reicht dann auch.“ Auf die Frage, ob Wolfsburg Heimat geworden sei: „Nach sieben Jahren hier in Wolfsburg, immer in der vordersten Reihe, da verbindet man schon viel mit der Stadt, dem Werk, mit den Menschen.“

Ostfalia ernannte ihn zum Honorarprofessor

Ab 2018 wirkte er dann auch beruflich wieder in Wolfsburg und steuerte die Kleinserienaktivitäten für die Bereiche Produktion, Vertrieb und Marketing sowie Finanz der Marke Volkswagen weltweit.

Fiebig promovierte 2009. 2010 ist er vom Senat der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel zum Honorarprofessor ernannt worden. Mit der Ernennung würdigte die Hochschule Fiebigs Ansatz einer optimierten und flexibilisierten Fabriksteuerung sowie den von ihm intensiv

vorangetriebenen Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen.