Ansturm auf deutsche Campingplätze: Steigen die Preise?

Berlin.  Camping in Deutschland: Nach Lockerungen für Touristen schnellen die Buchungen in die Höhe. Auch Reisemobile und Caravane sind gefragt.

Reisen und Coronavirus: Wohin kann ich jetzt fahren?

Hotels und Ferienwohnungen waren lange leer: Wann hat das ein Ende? Millionen Deutsche wollen raus und Urlaub machen. Klappt Camping oder gar eine Auslandsreise? Wir klären im Video auf.

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  • Nach den ersten Lockerungen sind Campingplätze in Deutschland gefragt
  • Die Buchungen stiegen in den vergangenen Tagen an
  • Allerdings müssten sich die Urlauber wohl auf Preiserhöhungen einstellen
  • Camping wird seit Jahren in Deutschland immer populärer. 2019 wurde mit mehr als 35,75 Millionen Übernachtungen ein neuer Rekord verzeichnet

Mit den ersten Lockerungen für Touristen erleben Campingplätze in Deutschland eine starke Buchungswelle. „Kaum kündigt ein Bundesland konkrete Öffnungspläne an, steigen die Buchungen rasant. Das betrifft derzeit zum Beispiel Plätze in Niedersachsen, wo die Campingplätze vom 11. Mai an wieder öffnen dürfen“, sagte Christian Günther, Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD), dieser Redaktion. Diese Situation stellt eine Kehrtwende dar. „In den vergangenen Wochen wurden zunächst 75 Prozent aller gebuchten Campingreisen storniert.“

Allerdings müssten sich die Urlauber wohl auf Preiserhöhungen einstellen. „So könnten Nebensaisonpreise schon auf das Niveau der Hochsaison steigen.“ Dies sei eine Folge der höheren Auflagen durch die Abstandsregeln und geringere Belegung der Plätze, sagte Günther weiter: „Es wird in allen Segmenten des Tourismus Preisanhebungen geben.“ Eine Übersicht lesen Sie hier: Urlaub in Deutschland: In welche Bundesländer kann man noch?

Camping-Verbandschef empfiehlt Reservierung von Campingplätzen

Wer mit dem Gedanken spielt, in diesem Jahr in Deutschland zu campen, sollte jetzt schon reservieren, rät der BVCD-Chef. „Auf gut Glück einen Platz anzufahren, würde ich nicht probieren. In diesem Jahr wird es auf den Campingplätzen voller als üblich. Das heißt allerdings in Corona-Zeiten, dass nur die Hälfte aller Stellplätze auf den rund 3000 Campingplätzen überhaupt vergeben werden können.“

Camping wird seit Jahren in Deutschland immer populärer, wobei die meisten Deutschen immer noch Hotels buchen. 2019 wurde mit mehr als 35,75 Millionen Übernachtungen ein neuer Rekord verzeichnet – rund 87 Prozent davon waren Bundesbürger. Die Corona-Krise verhindert allerdings neue Höchstmarken. „Wir werden dennoch in diesem Jahr keinen neuen Buchungsrekord erzielen können, da die Monate April und Mai praktisch komplett ausgefallen sind.“

Reisemobile sind auch in der Corona-Krise gefragt

Auch die deutschen Hersteller von Reisemobilen und Caravanen befürchten „mittel- und langfristig keinen dramatischen Einbruch“ der Verkaufszahlen, die seit Jahren auf immer neue Rekorde gestiegen sind, sagte der Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verband (CIVD), Daniel Onggowinarso. „Hersteller und Handel arbeiten trotz Corona-Krise noch Aufträge ab, jedoch macht sich das eingeschränkte Frühjahrsgeschäft durchaus bemerkbar.“ So stand die Produktion wegen der Corona-Krise teilweise still, der KFZ-Handel war geschlossen.

Die Zulassung von Reisemobilen und Caravanen ist im ersten Quartal trotz der Corona-Krise um 17 Prozent auf 21.506 Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen. Insgesamt sind bundesweit rund 1,2 Millionen Reisemobile und Caravane angemeldet.

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Reisemobil-Branche ist optimistisch

Die Branche ist zuversichtlich, dass es nach der Lockerung der Reisebeschränkungen wieder bergauf geht.„Caravans und Reisemobile sind in diesen Zeiten ideale Fahrzeuge, um die notwendigen Abstands- und Hygienevorschriften auch auf Reisen einzuhalten“, sagte Onggowinarso. „Der Zuspruch unserer Kunden, den wir in den letzten Tagen im Handel wieder spüren, stärkt uns in dieser Einschätzung und unserem Optimismus. Wir stehen für den zeitnahen, Corona-gerechten Neustart im Tourismus bereit.“

Wie Campen in Corona-Zeiten möglich ist

Die Campingbranche hat bereits ein Konzept zum Camping in Corona-Zeiten. So sollten zunächst nur Fahrzeuge zugelassen werden, die autark – als mit Toilette und Waschmöglichkeit – ausgestattet sind, um die Sanitäranlagen möglicherweise zunächst geschlossen zu halten. Auf Campingplätzen müssen die Abstände eingehalten werden – eventuell nur jeder zweite Platz belegt werden. Der Check-In sollte hinter Plexiglas und zu eingeschränkten Öffnungszeiten erfolgen. Zudem sollte die Reinigung und Desinfektion auf den Plätzen erhöht werden. Für Dauercamper sind in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen die Plätze seit Mai wieder geöffnet.

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