Hilfsgelder fangen an zu fließen

Braunschweig.  Das Beantragen von Corona-Hilfen bei der N-Bank ist aber immer noch eingeschränkt.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann im Februar.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann im Februar.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Eigentlich wollte Niedersachsen in der Corona-Krise glänzen. Schnell wollte das Land Kleinunternehmen, Soloselbständigen und Freiberuflern unter die Arme greifen, wie schon der Name „Soforthilfe“ sagt. Doch offenbar ist die Not größer als angenommen – der Server der N-Bank, der Förderbank des Landes, brach nach Freigabe des Hilfspakets am Mittwoch erst einmal zusammen. Nun ist die Auszahlung angelaufen, allerdings nach wie vor eingeschränkt. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) bedauerte den Fehlstart am Freitag in der Landes-Pressekonferenz, N-Bank-Vorstandschef Michael Kiesewetter entschuldigte sich.

Beide zeigten Verständnis für den Unmut betroffener Unternehmer – auch unsere Zeitung erreichten mehrere Zuschriften gebeutelter Betriebe. Um das Online-Portal zum Beantragen der Zuschüsse wieder zum Laufen zu kriegen, wurde nun die Zahl der gleichzeitigen Antragsteller auf 500 beschränkt. Außerdem bietet die Bank einen zweiten Antragsweg: Ein Formular kann heruntergeladen und per E-Mail eingeschickt werden.

Am Wochenende sollen 4000 Anträge bearbeitet werden

Gut 300 Anträge seien bereits eingegangen, etwa 100 bewilligt, berichtete Althusmann am Freitagnachmittag. Bis zum Abend sollten die ersten 500.000 Euro fließen. Rund 1600 Anträge könnten pro Tag bearbeitet werden. 200 Mitarbeiter arbeiteten an dem Thema, die Bank werde dabei von Ministerien und Kammern unterstützt.

Man sei durchaus vorbereitet gewesen: Nachdem Bayern von 120.000 Seitenaufrufen berichtet hätte, sei man in Niedersachsen von rund 100.000 ausgegangen, auch die Kammern. Die Server-Kapazität sei 16-fach erhöht worden, der Betrieb intensiv getestet. Doch dann wurde das Portal laut N-Bank innerhalb der ersten 45 Minuten 222.000 Mal aufgerufen. Im Übrigen seien auch die Portale anderer Bundesländer zusammengebrochen, verteidigte sich Althusmann.

Am Wochenende sollen nun 4000 Anträge bearbeitet werden, die Zuschüsse so schnell wie möglich fließen: bis 5 Beschäftigte 3000 Euro, bis 10 Beschäftigte 5000 Euro, bis 30 Beschäftigte 10.000 Euro und bis 49 Beschäftigte 20.000 Euro. Voraussetzung ist, dass eines von drei Kriterien erfüllt ist: Entweder sank im Antragsmonat der Umsatz beziehungsweise das Honorar um mindestens 50 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Monatsumsatz im Vorjahr. Oder aber der Betrieb wurde auf behördliche Anordnung wegen der Corona-Krise geschlossen. Oder drittens die vorhandenen liquiden Mittel reichen nicht aus, um kurzfristige Verbindlichkeiten wie Mieten zu zahlen.

In letzterem Fall müssen zunächst vorhandene Eigenmittel genutzt werden, wobei bei Personengesellschaften 1180 Euro pro Monat für den Lebensunterhalt behalten werden dürfen. Auch gebundenes Geld zur langfristigen Altersvorsorge wie Immobilien oder Aktien wird nicht herangezogen.

In einem zweiten Programm bietet das Land Kredite von 5.000 bis 50.000 Euro als Liquiditätshilfe für kleine und mittlere Unternehmen, Freiberufler und Soloselbständige.

Wie lange reicht das Geld den Betrieben?

Auch am Freitagnachmittag lief die Beantragung der Zuschüsse jedoch nicht reibungslos. So ließ sich das Formular, das per Mail eingereicht werden kann, nicht von allen Nutzern herunterladen. Am Telefon landete ein Betroffener aus unserer Region in der „Dauerwarteschleife“. Immerhin müssen die Unternehmer offenbar nicht fürchten, leer auszugehen. „Kein Unternehmen muss Sorge haben, dass das Geld ausgeht“, sagte Althusmann. Das Land wird auch Bundesmittel erhalten.

Die Rettung dürfte das Geld jedoch trotzdem für viele nicht sein, wie der Inhaber zweier Friseurgeschäfte in Braunschweig berichtete. Bei seinen zwölf Mitarbeitern kann er 10.000 Euro Zuschuss beantragen, seine Kosten betrügen aber 30.000 Euro – pro Monat. Seit zehn Tagen erziele er keine Einkünfte mehr, und nun würden die Löhne abgebucht. Die will er seinen Fachkräften voll zahlen, ab April dann Kurzarbeit beantragen; das Kurzarbeitergeld müsse er aber vorstrecken. Sein Konto sei extrem überzogen, den Rahmen dafür habe erweitern lassen – zu höheren Zinsen. „Viele meiner Kollegen werden die Corona-Krise nicht überstehen, weil ihnen ihre Bank keinen Kredit gibt.“ Selbst wird er nun wo möglich Kosten senken – etwa Steuern stunden lassen – und auf sein Erspartes zurückgreifen.

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