Salzgitter AG will Stahl künftig „grün“ produzieren

Salzgitter.  Dafür stellt das Unternehmen 2019 weitere Weichen.

Eine Mitarbeiterin geht auf dem Gelände der Salzgitter AG vor sogenannten Stahlcoils vorbei.

Eine Mitarbeiterin geht auf dem Gelände der Salzgitter AG vor sogenannten Stahlcoils vorbei.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Acht Millionen Tonnen CO2 pustet die Salzgitter AG pro Jahr in die Luft, ein Prozent der bundesdeutschen Emissionen. Als Riesen-Emittent des klimaschädlichen Gases hat die Salzgitter AG zugleich einen Riesen-Hebel, um das Klima zu schützen. Der Konzern will ihn nutzen und ist dafür 2019 weitere Schritte gegangen. Getrieben ist der Innovationsgeist der Salzgitteraner von immer strengeren Klimaschutzbestimmungen und teurer werdenden CO2-Zertifikaten.

Unter dem Projektnamen „Salcos“ (Salzgitter Low CO2 Steelmaking) entwickelte der Konzern mit Fraunhofer-Instituten ein Konzept, um das Hüttenwerk in Salzgitter auf eine wasserstoffbasierte Herstellung von Stahl umzustellen. Nach und nach sollen dabei Hochöfen durch Direktreduktionsanlagen und Elektrolichtbogenöfen ersetzt werden; Eisenerz künftig nicht mehr mit Koks, sondern mithilfe von Wasserstoff reduziert werden. Bis zu 95 Prozent CO2 sollen so perspektivisch eingespart werden können. Ökologisch sinnvoll ist die Umsetzung von Salcos allerdings nur, wenn auch die Herstellung von Wasserstoff und der Betrieb der Anlagen auf regenerativen Energien beruht – denn die Stahlherstellung in diesem Verfahren ist um ein Vielfaches stromintensiver als die im Hochofen.

Die Salzgitter AG fordert deshalb international wettbewerbsfähige Preise für regenerative Energien sowie Vorteile für Kunden, die CO2-arm produzierten Stahl kaufen, außerdem braucht der Konzern nach eigenen Angaben eine Anschubfinanzierung, um „Salcos“ zu realisieren. Ihre Anliegen trägt die Salzgitter AG 2019 unter anderem Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sowie Umweltminister Olaf Lies (SPD) vor, die das Unternehmen im Sommer besuchen. Außerdem werben die Salzgitteraner in Brüssel und Berlin für ihr CO2-Projekt. Im März zeigt der Konzern weiterhin auf der Hannover-Messer erstmals per Virtual-Reality-Rundgang, wie die CO2-arme Salzgitter-Stahlerzeugung der Zukunft aussehen soll. Kurz vor Jahresende tritt der Konzern der Stiftung „Zwei Grad“ als Förderunternehmen bei. Die Stiftung fordert die Politik dazu auf, marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen für Klimaschutz zu schaffen.

Die Unterstützung der Landespolitik hat die Salzgitter AG bei „Salcos“, allerdings findet diese offenbar nicht ausreichend Gehör in Berlin und Brüssel. So sagt Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) laut dem Politikjournal „Rundblick“ im November, man rede sich bei EU und Bundesregierung den Mund fusselig.

Auf operativer Ebene geht das Projekt aber voran: 2019 entwickelt die Salzgitter AG mit verschiedenen Partnern eine hocheffiziente Dampf-Elektrolyse-Technologie zur Herstellung von Wasserstoff weiter. Im November beauftragen die Salzgitteraner zudem Siemens mit dem Bau einer Wasserstoffanlage für den aktuellen Bedarf. Sie soll im vierten Quartal 2020 in Betrieb gehen. Den Strom dafür liefern sieben Windräder, die Avacon derzeit schon auf dem Salzgitter-Gelände baut.

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