Wie lassen sich ausländische Fachkräfte in unsere Region locken?

Braunschweig.  Südkoreaner kommen wegen der Work-Life-Balance. Doch das Anwerben im Ausland ist schwierig, besonders für kleine Unternehmen.

Hela Ahmadech arbeitet als Krankenschwester in einem tunesischen Krankenhaus, sie hofft auf eine Stelle in Deutschland.

Hela Ahmadech arbeitet als Krankenschwester in einem tunesischen Krankenhaus, sie hofft auf eine Stelle in Deutschland.

Foto: Simon Kremer / dpa

Beim Fachkräftemangel ruhen die Hoffnungen bestimmter Branchen wie Pflege oder IT inzwischen auf dem Ausland. Vor wenigen Wochen hat der Bundestag das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz beschlossen, das die Arbeitsmigration erleichtern soll. Doch vor allem kleinere Arbeitgeber haben beim Anwerben von ausländischen Mitarbeitern Schwierigkeiten. Das wurde bei einer Veranstaltung des „Welcome Centers“ unserer Region deutlich.

Dieses ist Anlaufstelle für Arbeitnehmer aus dem Ausland und hiesige Arbeitgeber. Rund 30 Geschäftsführer und Personaler aus unserer Region informierten sich zur Rekrutierung und Integration von Fachkräften aus dem Ausland, vor allem aus Pflege, Handwerk und IT. Viele Arbeitgeber empfinden die Vorgaben dazu als Gesetzes-Dschungel und wissen nicht, wo ihnen geholfen wird. Das ging aus den Erfahrungsberichten der Teilnehmer hervor. Außerdem dauerten die Verfahren bisher sehr lang, zum Beispiel die Visumsvergabe. Ein Grund sind demnach lange Wartezeiten für Termine bei Botschaften. Das Einwanderungsgesetz soll das ändern.

Sich in Deutschland nachhaltig um die Mitarbeiter zu kümmern, um sie und ihre Familien zu integrieren, ist laut den Teilnehmern für kleine Unternehmen ein Zeitproblem. Jürgen Schaffhausen, Chef eines Maschinenbau-Betriebs mit 40 Mitarbeitern in Lengede, berichtete, es sei sehr schwierig, als kleine Firma überhaupt Mitarbeiter zu finden. So sei es zum Beispiel schwer, mit den Gehältern der großen Unternehmen mitzuhalten.

Deutsche Sprache ist Hürde für manche Bewerber

Er wäre schon froh, wenn Mitarbeiter Englisch können, „sie müssen nicht unbedingt Deutsch sprechen“. Doch meist werde die Notwendigkeit der deutschen Sprache betont. Heike Borgmann von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit erklärte, das sei noch eine Baustelle. Vor allem im Ingenieursbereich seien wenige Arbeitgeber offen für Mitarbeiter, die nicht Deutsch sprechen.

Schaffhausen regte an, ein Netzwerk zu gründen, in dem sich kleine und mittlere Unternehmen einen Mentor für ihre ausländischen Mitarbeiter teilen. Ähnliche Projekte gibt es bereits, wie Andrea Wiencke von der Allianz für die Region – die Trägerin des „Welcome Centers“ ist – und Andrea Hasheider vom IQ-Netzwerk Niedersachsen – das die Arbeitsmarktchancen von Migranten verbessern will – berichteten.

Fündig wurde Schaffhausen bisher noch am ehesten an den Universitäten. Borgmann rät dringend dazu, Stellen auch auf Englisch auszuschreiben – Stellen-Börsen wie die von der Arbeitsagentur seien inzwischen international vernetzt. Wichtig sei zudem eine moderne und freundliche Beschreibung der Stelle, da hinkten manche Unternehmen noch hinterher.

Die deutsche Sprache ist Borgmann zufolge einer der Gründe, warum andere Länder beliebter bei ausländischen Fachkräften sind. Bis vor zehn Jahren sei die Bereitschaft Deutsch zu lernen gesunken, seit der Finanzkrise wegen der starken deutschen Wirtschaft aber wieder gestiegen.

Nach Meinung eines anderen Teilnehmers sollte die Politik Sprachkurse finanziell fördern. Denn ohne einen sicheren Ausbildungsplatz in Deutschland seien die Kurse ein relativ großes finanzielles Risiko für Bewerber aus dem Ausland. Doch Deutschland habe im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte einen Nachteil durch die Sprache.

Umgekehrt tragen Unternehmen bei der Finanzierung eines Sprachkurses das Risiko, dass ein Bewerber dann zu einem anderen Arbeitgeber in Deutschland wechselt – die Investition wäre verloren. Borgmann: „Das ist zu oft schiefgegangen.“ Die Expertin empfahl, per Vertrag beispielsweise festzulegen, dass der Arbeitgeber die Kosten nur zahlt, wenn ein Bewerber mindestens ein Jahr bleibt.

Arbeitsagentur bietet Rekrutierungsreisen ins Ausland an

Die ZAV vermittelt Fachkräfte und rekrutiert in Engpassberufen auch selbst: von Technikern aus Südkorea über Wissenschaftler, die aus den USA nach Deutschland zurückkehren, bis zu Pflegekräfte aus Asien und Südamerika oder Kraftfahrer aus Serbien. Teilweise reisen auch Behördenmitarbeiter gemeinsam mit Unternehmern in die Länder, demnächst zum Beispiel nach Südkorea. Hintergrund solcher Reisen sind teils Kooperationsvereinbarungen mit bestimmten Ländern.

Der Hauptgrund für Südkoreaner, nach Deutschland zu kommen, ist Borgmann zufolge die andere Arbeitskultur sowie die Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern kämen Menschen von dort nicht wegen der Gehälter, denn hierzulande verdienten sie weniger als in ihrer Heimat. Doch sie wollten langfristig in Deutschland bleiben, also etwa nicht wie andere als Saison-Arbeitskräfte.

Eine Vermittlungsagentur berichtete von Schwierigkeiten, Chinesen in die Pflege zu vermitteln. Borgmann vermutete, die Gebühr für die Bewerber könnte Arbeitgeber abschrecken: In Deutschland sei es nicht üblich, dass der Bewerber für die Vermittlung bezahlt, sondern der Arbeitgeber. Im umgekehrten Fall sind die Bewerber teilweise nicht richtig informiert, die Vermittlung unseriös, wie auch Hasheider erzählte.

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