Trotz Ryanair-Streik: Bei Airlines kehrt langsam Ordnung ein

Berlin  Nach der Air-Berlin-Pleite lief es in der deutschen Luftfahrt zunächst nicht rund. Doch die größten Turbulenzen sind wohl überstanden.

In diesen Fällen haben Fluggäste das Recht auf Entschädigung

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Wenn an diesem Freitag die deutschen Piloten des Billigfliegers Ryanair streiken , bleiben Zehntausende Passagiere sitzen. An den Flughäfen droht Chaos. Doch schon in den vergangenen Monaten konnten Reisende den Eindruck gewinnen, dass es in der deutschen Luftfahrt nicht mehr rundläuft.

Nach der Pleite von Air Berlin vor fast genau einem Jahr, einst Deutschlands Nummer zwei, teilen Eurowings, Easyjet und Ryanair den Himmel neu unter sich auf. Die turbulentesten Wochen sind wohl überstanden. Aktuelle Zahlen zu Flugausfällen und -verspätungen belegen dies. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), in dem Flughäfen und die deutschen Airlines organisiert sind, verspricht weitere Besserung.

Flieger im Juni durchschnittlich 17,5 Minuten zu spät

Verbandspräsident Klaus-Dieter Scheurle will den Zustand seiner Branche nicht schönreden, als er am Donnerstag Daten zum Luftverkehr in der ersten Jahreshälfte vorlegt. Die Reisenden täuschen sich nicht darin, dass sich verspätete und annullierte Flüge in den vergangenen Monaten stark häuften. Scheurle ist sich bewusst, dass dies nicht tragbar ist.

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„Die aktuelle Situation entspricht ganz und gar nicht den Qualitätsversprechungen“, sagt er. Einzig im Januar seien die Flüge in Europa pünktlicher gewesen als im Vorjahr. In allen anderen Monaten mussten sich Reisende in Geduld üben. Im Juni etwa verspätete sich ein Flieger im Schnitt um 17,5 Minuten. Ein Jahr zuvor waren es noch 13,1 Minuten.

Ticketpreise deutlich niedriger als vor einem Jahr

Auch den vermuteten Preisanstieg auf innerdeutschen Strecken nach der Insolvenz der Air Berlin hat es gegeben, bestätigt Scheurle. Doch die verbliebenen Fluggesellschaften hätten ihre Marktmacht nicht ausgenutzt und Passagiere ausgepresst. Die Ticketpreise seien allein durch die weggefallene Kapazität um zwischenzeitlich bis zu zehn Prozent gestiegen, betont er.

Plötzlich fehlten über eine Million Sitzplätze im Monat. Schon im Winter, so zeigt die vom Verband vorgelegte Statistik, sanken die Preise wieder. Heute lägen sie gar um 1,3 Prozent unter dem Niveau vor der Air-Berlin-Pleite.

Eurowings, Easyjet und Ryanair im Kampf um deutsche Passagiere

Aufs Jahr gesehen sind die Ticketpreise noch deutlicher gesunken. So waren Flüge in andere europäische Länder im ersten Halbjahr nach BDL-Angaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent günstiger, innerhalb Deutschlands um vier Prozent und außereuropäisch um sieben Prozent billiger. „Wir haben weiterhin einen sehr harten Wettbewerb im Luftverkehr“, sagt Scheurle.

Innerhalb Deutschlands konkurrieren derzeit vor allem Eurowings, Easyjet und Ryanair um die Passagiere. Diese drei Fluggesellschaften haben das Erbe der Air Berlin weitgehend unter sich aufgeteilt und ihr Flugangebot massiv ausgebaut. Es wird im Herbst, ein Jahr nach dem letzten Flug der insolventen Airline, um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sein.

Auch Fluglotsenstreiks und Gewitter störten den Flugbetrieb

Doch die Fluggesellschaften hatten in den vergangenen Monaten nicht nur mit den Folgen der Pleite von Air Berlin zu tun. Es gab Personalengpässe bei der deutschen Flugsicherung, Dauerstreiks der Fluglotsen etwa in Frankreich oder auch außergewöhnlich viele Gewitter, die den Flugbetrieb in der ersten Jahreshälfte in Europa ungewöhnlich stark störten.

Im Zentrum der Kritik vieler Passagiere steht insbesondere Eurowings. Der Billigableger der Lufthansa hatte sich den Großteil der Air-Berlin-Strecken und -Flugzeuge gesichert: 77 Flugzeuge und nach eigenen Angaben knapp 3000 Mitarbeiter. Die Airline hat ihr Flugprogramm in diesem Jahr massiv ausgebaut, nahezu verdreifacht. Das war alles andere als unproblematisch, wie sich spätestens im Frühjahr zeigte.

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Eurowings verlegte immer wieder geplante Flüge, Verspätungen, aber vor allem Ausfälle häuften sich. Das Unternehmen bezeichnet die Integration von weiten Teilen des früheren Betriebs der Air Berlin gegenüber dieser Redaktion als „Kraftakt, für den es keine Blaupause gibt“. Im ersten Halbjahr seien 98 Prozent der geplanten Flüge der Lufthansa-Tochter gestartet – zwei Prozent fielen aus.

Fast alle ehemaligen Maschinen von Air Berlin bei Eurowings angekommen

Inzwischen habe Eurowings an vielen Stellen nachgebessert. Es gebe größere Puffer in den Flugplänen, mehr Reserven in der Flotte und zusätzliches Personal an den Standorten und im Callcenter. Vor allem aber: Von den 77 von Air Berlin übernommenen Maschinen seien inzwischen 76 in der Flotte von Eurowings angekommen.

„Damit haben wir unsere Performance im Juli bereits spürbar verbessert und Flugplan-Änderungen signifikant reduzieren können“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Jede Maschine musste umlackiert und einzeln vom Luftfahrtbundesamt freigegeben werden, auch dabei habe es leichte Verzögerungen gegeben. „Unser Anspruch ist es, nach einem schwierigen Sommer 2018 bald wieder zu den zuverlässigsten Airlines in Europa zu gehören“, lautet das Ziel von Eurowings.

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Eurowings ist eine Tochter der Lufthansa und so genannte Low Cost Airline.
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An deutschen Flughäfen fallen wieder weniger Flüge aus

Tatsächlich hat sich die Lage im Juli gebessert. Nach Daten von EU-Claim, einer Firma, die für Fluggäste Entschädigungsforderungen durchsetzt, sind sowohl bei Eurowings, als auch allgemein an deutschen Flughäfen deutlich weniger Flüge ausgefallen als zuvor.

Im Mai mussten die Fluggesellschaften noch 3716 Flüge streichen und im Juni 4462. Zuletzt waren es noch 3174. Auch bei Eurowings sank die Zahl der Annullierungen wieder: Von 784 im Mai, über 1129 im Juni auf 561 im Juli. Ein Jahr zuvor waren es mit einem deutlich kleineren Flugplan laut EU-Claim 106 Ausfälle.

BDL-Präsident: Können nicht alles beeinflussen

Die Branche gelobt unterdessen weitere Besserung. Wo es geht, werde zusätzliches Personal eingesetzt, zusätzliche Sicherheitskontrollen an den Flughäfen aufgebaut, sagt BDL-Präsident Scheurle. Nicht alles können die Unternehmen jedoch beeinflussen: „An einigen Stellen sind uns die Hände gebunden.“

Damit meint der Verbandschef der Luftverkehrswirtschaft Faktoren, bei denen der Staat handeln müsse: Die Kapazität des Luftraums etwa sowie die Geschwindigkeit bei Sicherheits- und Passkontrollen. „Es müssen viele Akteure gleichzeitig und miteinander daran arbeiten, die Verspätungen zu reduzieren“, sagt Scheurle.

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