Huawei Matebook X im Test: So schlägt sich der Macbook-Klon

Berlin.  Das Huawei Matebook X ist extrem leicht, dünn und gut ausgestattet – ideal zum Arbeiten unterwegs. Das teure Ultrabook im Praxistest.

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Flach, leicht, edler Metall-Look und gerüstet für alle Aufgaben: Das ist zumindest das Versprechen, mit dem Huawei seine Ultrabooks ins Rennen schickt. Nach zwei Jahren legt der chinesische Hersteller seine Oberklasse-Geräte neu auf: das Huawei Matebook X und das nochmal teurere Matebook X Pro. Huawei will damit Modellen wie dem Macbook Air von Apple, dem Microsoft Surface oder dem Dell XPS 13 Konkurrenz machen.

Wir hatten vor dem Verkaufsstart am 7. Oktober die Gelegenheit, den „kleinen Bruder“, das Matebook X, unter die Lupe nehmen. Wie schlägt sich das neue Oberklasse-Modell der Chinesen im Alltag? Wird das Ultrabook dem stattlichen Preis von 1500 Euro gerecht? Der Praxistest zeigt es.

Huawei Matebook X: Leichtgewicht mit hochwertiger Haptik

Wir konnten das silberfarbene Modell ausprobieren. Das Matebook X ist aber auch im neuen Grün-Metallic-Farbton („Forest Green“) erhältlich. Beim Anfassen zeigt sich: Das Gerät ist sowohl auf der Oberseite als auch rund um die Tastatur herausragend verarbeitet. Das silberfarbene Testmodell macht optisch einen äußerst schlanken und edlen Eindruck. Es ist gerade einmal 13,6 Millimeter hoch.

Die Oberfläche unter der Tastatur, auf der die Hände meist liegen, zieht auffallend wenig Fingerabdrücke an. Kurz: Wem das metallisch-abgerundete Design von Apple-Macbooks gefällt, wer aber lieber Windows 10 als Betriebssystem bevorzugt, der hat in der Matebook-Serie zumindest schon einmal optisch eine gute Alternative.

Beim Hochheben zeigt das Matebook eine klare Stärke: Es ist extrem leicht und lässt sich unter dem Arm mühelos herumtragen. Laut Hersteller bringt das Ultrabook nur ein Kilogramm auf die Waage. Damit gehört es zu den leichtesten 13-Zoll-Notebooks auf dem Markt. Als eines der wenigen schafft es etwa das Samsung Galaxy Book Ion (974 Gramm) unter die 1-Kilogramm-Marke. Das Matebook X taugt als idealer Begleiter für Nutzer, die ihr Notebook regelmäßig unterwegs dabeihaben.

Das Auf- und Zuklappen gelingt problemlos. Damit das Aufklappen leichter von der Hand geht, hat sich Huawei etwas einfallen lassen: Am unteren Rand hat das Trackpad eine schmale Einkerbung erhalten. Die stört nicht beim Wischen mit den Fingern. Aber dadurch lässt sich der geschlossene Deckel leichter greifen und anheben. Praktisch: Das Öffnen klappt auch mit nur einem Finger, ohne dass sich die Unterseite mit anhebt.

Leiseres Tippen und eine Tastatur mit versteckter Webcam

Egal ob Kurznachrichten oder längere Texte: Die Tastatur des Matebook X bietet ein tolles Schreibgefühl und arbeitet dabei angenehm leise. Hier hat Huawei im Vergleich zu früheren Modellen nachgebessert. Die Tastatur bietet ausreichend Platz für eine große Enter-Taste. Das gefällt uns sehr gut, ist aber Geschmackssache. Per Tastendruck lässt sich die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur in zwei Helligkeitsstufen anschalten. Das erleichtert das Arbeiten in dunkleren Räumen.

Ein Gimmick hat Huawei von den Matebook-Vorgängern übernommen: Die Webcam sitzt nicht im Rahmen über dem Display. Sie ist wieder in einer der Funktionstasten verbaut. Ein Fingerdruck genügt und sie ploppt nach oben. Die Vorteile: Die Linse nimmt keinen Platz oben im Displayrahmen weg, der sehr dünn bleiben kann. Ein Sichtschutz ist unnötig. Nachteil: Der Winkel, in dem die Kamera bei Videotelefonaten filmt – von schräg unten – ist unvorteilhaft.

Oben rechts sitzt der runde Anschaltknopf, auf dem zugleich der Fingerabdruck-Sensor untergebracht ist. Schaltet man das Notebook an, erkennt der Sensor sofort den hinterlegten Fingerabdruck des Besitzers und entsperrt das Gerät. Beim Hochfahren oder Aufklappen nach einer Arbeitspause muss man so weder Passwort noch Pin eingeben – ein Fingerdruck genügt.

Am Trackpad für die Maussteuerung ist nichts auszusetzen – im Gegenteil: Es bietet recht viel Platz und erzeugt ein angenehm leises Klickgeräusch.

Anschluss-Vielfalt nur mit beigelegtem Adapter

An den Seiten des Matebook X selbst spart Huawei sichtlich mit Anschlüssen. Kein Wunder: Irgendwie muss man das extrem flache Design ja ermöglichen. So bekommen Nutzer zunächst nur links und rechts je einen USB-C-Anschluss. Unter dem an der linken Seite sitzt noch ein Klinke-Anschluss für Kopfhörer oder Lautsprecher. Das war’s – fast. Zum Glück legt Huawei wie gewohnt dem Matebook X einen Adapter bei, der die Anschlüsse um vier weitere erweitert:

  • Je einen HDMI- und VGA-Anschluss für externe Bildschirme
  • einen USB-Typ C und
  • einen USB-Typ A-Anschluss

Andere Hersteller bieten hier mehr. Ein Kartenlesegerät fehlt etwa. Aber die Adapterlösung ist ein guter Kompromiss mit Blick auf das angenehm flache Design des Geräts.

Scharfer 3K-Bildschirm beeindruckt – wenn keine Sonne scheint

Beim Aufklappen und Anschalten fällt sofort ins Auge: Das Matebook X behält die beeindruckend dünnen Display-Ränder der Vorgänger bei. Der sichtbare Bildschirm nimmt 90 Prozent der Vorderseite ein, die sogenannte Screen to Body Ratio. Ein sehr guter Wert.

Das glänzende Display spiegelt allerdings stark in der Sonne. Somit ist das Gerät eher nichts für jene, die häufig unter freiem Himmel bei Sonnenschein arbeiten. Dafür sind die Farben satter und strahlender als bei einem matten Display.

Die hohe Auflösung des 3K-Displays ist ein Highlight. Huawei nennt den berührungsempfindlichen Bildschirm „3K Infinite FullView Touchscreen“. Die Auflösung liegt bei maximal 3000 x 2000 Pixel. Das garantiert scharfe Bilder und knackige Farben. Inzwischen gibt es zwar Ultrabooks mit 4K-Auflösung. Aber bei 13,3 Zoll Größe macht das für das menschliche Auge keinen sichtbaren Unterschied. Das 3:2 Seitenverhältnis ist beim Arbeiten praktischer als das verbreitete 16:9.

Das Ultrabook verfügt über elf Helligkeitsstufen, die sich über eine der Funktionstasten bequem wechseln lassen. Auf höchster Stufe erreicht das Display laut Hersteller eine sehr gute Helligkeit von 400 Nits, das saugt dann aber naturgemäß am Akku. Der Touchbildschirm reagiert schnell und zuverlässig, hinterlässt aber naturgemäß unschöne Fingerabdrücke auf dem Display.

Ausstattung und Arbeitstempo

Angetrieben wird das Matebook X von einem Intel i5-Prozessor der 10. Generation mit bis zu 2,11 Gigahertz. Der reicht für die meisten Aufgaben absolut aus. Wer einen i7-Prozessor für komplexere Arbeiten benötigt, der muss zum teureren Matebook X Pro greifen. Zur Seite stehen dem Prozessor großzügige 16 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher. Damit bekommt man selbst bei anspruchsvollen Aufgaben keine Probleme. Auch wenn viele Tabs im Browser offen sind oder mehrere Programme parallel laufen, geht das leichte Ultrabook nicht in die Knie.

Die flotte SSD-Festplatte bietet auf dem Papier großzügige 512 GB Speicher. Hat man nach dem Einrichten nur Windows 10 und die vorinstallierten Programme drauf, dann hat man zum Start rund 417 Gigabyte frei. Unterstützt wird der aktuelle WLAN-Standard Wi-Fi 6.

Die Akku-Laufzeit sollte bequem für einen Arbeitstag reichen – sofern man die Helligkeit nicht voll aufdreht. Bei einem Youtube-Video in Dauerschleife, abgespielt bei voller Display-Helligkeit, hielt der Akku 5:40 Stunden durch. Drei Filme sollte man also im Alltag schauen können, bevor das Gerät wieder an den Strom muss.

Der Vorteil: Das beigelegte Schnelllade-Netzteil versorgt den Akku wieder in kurzer Zeit mit ausreichend Energie. Das Ultrabook arbeitet zudem komplett ohne aktiven Lüfter. Das macht das Arbeiten angenehm leise. Mehr als warm wurde das Gerät in unserem Testlauf nie. Unter Volllast im Labor müsste das überprüft werden.

Das Smartphone auf dem Matebook-Bildschirm spiegeln

Der Klang ist für diese kompakte Bauform sehr ordentlich, etwa bei Youtube-Musikvideos. Verbaut sind Vierfach-Lautsprecher. Zwei Lautsprecherschlitze sind dezent links und rechts an den Außenseiten untergebracht, zwei weitere Lautsprecher in der Tastatur integriert. Wer Kinoklang möchte, nutzt bei Ultrabooks ohnehin gute Kopfhörer oder externe Boxen.

Wie das teurere Pro-Modell unterstützt auch das Matebook X die Funktion Huawei Share. Wer ein aktuelleres Huawei Smartphone besitzt, kann es damit auf clevere Weise mit dem Matebook X verbinden. Aktiviert man Bluetooth und NFC, dann genügt es, das Smartphone einfach auf das Trackpad unter der Tastatur zu legen. Schon wird das Display des Smartphones auf den Bildschirm des Notebook gespiegelt.

Nun lassen Fotos, Musik oder sonstige Dateien per Fingerbewegung von einem Gerät zum anderen ziehen. Das zeigt Huawei in einem Erklärvideo. Wie gut das klappt, konnte mangels eines Huawei-Smartphones nicht getestet werden.

Preis-Leistungs-Einschätzung und Empfehlung

Das Matebook X 2020 ist ein gelungenes Ultrabook mit schickem Aluminium-Design, hervorragender Verarbeitung und sehr guter Leistung. Highlights sind das extrem leichte Gewicht von nur einem Kilogramm und das brillante Display mit 3K-Auflösung. Beim Arbeiten bleibt das Notebook schön leise, was auch für das Tippen auf der Tastatur und dem großzügigen Trackpad gilt.

Die in der Tastatur versenkte Webcam und das in der Sonne spiegelnde Glanz-Display dürften für einige Anwender nicht optimal sein. Der beigelegte Adapter für mehr Anschlüsse ist ein guter Kompromiss. Andere Hersteller legen für ihre Touchscreens einen Eingabestift bei.

Das Matebook X eignet sich für alle, die ein leichtes und kompaktes Gerät für den mobilen Einsatz unterwegs suchen und die dabei auf ein schönes Design nicht verzichten wollen. Wer mehr Leistung benötigt und Windows nutzen möchte, kann sich den „großen Bruder“ ansehen, das Matebook X Pro mit i7-Prozessor, muss dafür aber rund 400 Euro mehr investieren. Wer Geld sparen möchte, kann online nach einem der Vorgängermodelle Ausschau halten. Diese unterscheiden sich nur leicht.

Bei anderen Herstellern mit Modellen in dieser Preisklasse kommen als interessante Alternativen zum Matebook X etwa das Dell XPS 13, ein Microsoft Surface oder das Samsung Galaxy Book Ion infrage. Das Huawei MateBook X ist ab dem 7. Oktober 2020 zur unverbindlichen Preisempfehlung von 1.499 Euro im Handel erhältlich.

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