Wie Sie sich am besten vor Demenz schützen können

Berlin  Weil die Zahl der Betroffenen stark ansteigen könnte, hat die WHO mehrere Risikofaktoren untersucht. Nun liegen die Empfehlungen vor.

Was hilft gegen Demenz und wo liegen die Risiken?

Was hilft gegen Demenz und wo liegen die Risiken?

Foto: istock / iStock

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist alarmiert: Angesichts steigender Patientenzahlen warnt sie vor einer Überlastung der Gesundheitssysteme durch Demenz. Im Jahr 2030 könnten die Kosten weltweit auf jährlich zwei Billionen Dollar steigen. Die WHO rechnet dann mit 82 Millionen Betroffenen.

Schon vor zwei Jahren hatte die Organisation deshalb einen Aktionsplan vereinbart, um Empfehlungen zur Prävention zu geben. Nun hat sie erstmals Leitlinien mit Empfehlungen vorgestellt, die auf einer Auswertung der aktuellen Studienlage basieren. In Deutschland leiden derzeit etwa 1,7 Millionen Menschen an der Krankheit, bis zum Jahr 2050 könnten es drei Millionen sein.

Körperliche Aktivität

Jahrzehnte umfassende Studien haben den Angaben zufolge gezeigt: Je mehr sich die Teilnehmer im Leben bewegt hatten, desto geringer war die Demenzrate. „Physische Aktivität scheint einen vorteilhaften Einfluss auf die Gehirnstruktur zu haben“, erklärt die WHO. Als geeignet erachten die Experten Ausdauer- und Krafttraining oder auch eine Kombination. Menschen über 65 sollten mindestens 150 Minuten pro Woche moderat bis intensiv oder 75 Minuten intensiv trainieren.

Rauchentwöhnung

„Einige der Substanzen im Tabakrauch dürften das Gehirn direkt schädigen“, so die WHO. Eine 2012 in der Fachzeitschrift „Age and Ageing“ veröffentlichte Langzeitstudie mit etwa 8800 Teilnehmern über 50 hatte gezeigt: Nach vier Jahren hatte Rauchen deutlich negative Folgen für die kognitive Leistungsfähigkeit. „Rauchen ist der wichtigste modifizierbare Risikofaktor für den kognitiven Abbau im Alter“, so die Bilanz der Studienautoren.

Blutdruck

Bluthochdruck – auch Hypertonie genannt – ist vor allem im mittleren Alter für das spätere Demenzrisiko relevant, erklärt die WHO. Konkret bedeutet das: Weicht der Blutdruck vom normalen Wert von 120/80 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) ab, sollte man ihn regelmäßig kontrollieren. Liegen beide Werte dauerhaft zu hoch, also etwa bei 140/90 mmHg, sprechen Ärzte von Bluthochdruck. Laut der Langzeitstudie aus Großbritannien ist Hypertonie der zweitwichtigste Faktor für die Einschränkung der Hirnleistung im Alter. Bei Patienten mit systolischen Blutdruckwerten über 160 kam es nach acht Jahren zu einem signifikanten Abbau.

Ernährung

Ausgewogenes Essen kann das Demenzrisiko senken: Wichtig seien viel Obst, Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte. Einschränken sollte man den Konsum von Zucker, Salz und ungesättigten Fettsäuren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse täglich zu sich zu nehmen, Fisch ein- bis zweimal pro Woche. Wer Fleisch isst, sollte nicht mehr als 600 Gramm pro Woche verzehren.

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Die WHO rät explizit zur „mediterranen Ernährungsweise“: frisches Obst und Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte, moderate Mengen an Milchprodukten und Getreide. Olivenöl dient als Hauptfettquelle, Fleisch wird selten verzehrt, Nüsse, Hülsenfrüchte und frische Kräuter dafür öfter.

Abgeraten wird hingegen von der isolierten Einnahme von Vitamin B und E. Studien hätten keine günstigen Effekte dafür nachgewiesen. Eine hohe Vitamin-E-Dosierung könne sogar problematisch sein. Studien zufolge kann sie vor allem das Blutungs- und Schlaganfallrisiko erhöhen. Der Begriff Vitamin E steht dabei für eine Gruppe verschiedener Antioxidantien.

Gewicht

Auch Übergewicht kann laut WHO ein Risiko für eine spätere Demenz sein. Betroffene sollten darauf hingewiesen werden. In Deutschland sind nach Angaben des WHO-Regionalbüros Europa 65 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen übergewichtig.

Als Anhaltspunkt dafür gelten zwei Werte: der Body-Mass-Index (BMI) und der Bauchumfang. Beim BMI sollte der Wert von 25 nicht überschritten werden. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Metern.

Wer 82 Kilogramm wiegt und 1,79 Meter groß ist, hat einen BMI von 25,6. Beim Bauchumfang sollten Frauen laut Bundeszentrum für Ernährung nicht über 88, Männer nicht über 102 Zentimeter liegen. Gemessen wird mit freiem Oberkörper im Stehen – das Maßband wird in Höhe des Bauchnabels in gerader Linie um den Bauch geführt.

Alkohol

Riskantes Trinkverhalten und Alkoholabhängigkeit erhöhen das Risiko. Konkrete Aussagen zum Trinkverhalten macht die WHO nicht, Alkohol sei immer schädlich für die Gesundheit.

Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung spricht von einem risikoarmen Verhalten, wenn Männer maximal 120 Gramm und Frauen nicht mehr als 70 Gramm reinen Alkohol pro Woche trinken. Macht für Männer neun Flaschen Bier à 330 Milliliter bei fünf Volumenprozent Alkohol, für Frauen fünfeinhalb. Für Wein sind das sieben Gläser à 200 Milliliter für Männer und etwas weniger als vier für Frauen bei zwölf Volumenprozent.

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Weitere Faktoren

Diabetes, Depressionen und Schwerhörigkeit machen ein Demenzrisiko laut WHO wahrscheinlich. „Moderate Hinweise“ auf einen positiven Einfluss gibt es laut den Angaben für kognitives Training und soziale Aktivität. Das deckt sich mit neuesten Erkenntnissen der Neurowissenschaft: Gespräche mit Freunden und Familie, das Erlernen neuer Hobbys oder Fremdsprachen sowie herausfordernde Gesellschaftsspiele können dazu beitragen, eine kognitive Reserve aufzubauen. So ließen sich Symptome einer degenerativen oder gar demenziellen Erkrankung womöglich erst Jahre später feststellen.

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