Foto: Jürgen Runo

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Menschen bei VW

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Volkswagen dürfte eines der wenigen deutschen Wörter sein, die weltweit verstanden werden. Der Autobauer hat den Kindern des deutschen Wirtschaftswunders Beweglichkeit geschenkt, er hat international wesentlich zum guten Ruf des Qualitätsbegriffs „Made in Germany“ beigetragen. Doch der gute Ruf hat Schaden genommen. Gegen einige Dutzend frühere und aktive VW-Mitarbeiter wird wegen des Abgasbetrugs bei Dieselautos ermittelt, Strafen und Instandsetzungskosten gehen in die Milliarden.

Die Braunschweiger Zeitung, stolzer Teil der Funke Mediengruppe, erscheint mitten im niedersächsischen Kernland von VW. Zwischen Wolfsburg, Gifhorn, Helmstedt, Braunschweig, Peine, Salzgitter und Wolfenbüttel gibt es keinen wichtigeren Arbeitgeber. Es wird Sie nicht wundern, dass wir den Skandal als Journalisten und Bürger mit größter Sorge verfolgt haben. Wir waren ebenso empört über den Betrug wie jeder andere. Aber weil wir näher an den Menschen sind, die bei VW arbeiten, sahen wir nicht nur den Skandal und die gerechte Strafe. Wir erlebten, wie betroffen jene fast 100 000 Menschen sind, die allein in unserer Region bei VW arbeiten. Wir sahen die Scham, die VW-Mitarbeiter ergriff, die sich fragten, wie dieses Unternehmen in einen solchen Sumpf aus Unaufrichtigkeit und krimineller Energie geraten konnte. Und wir spürten den Zorn der Belegschaft über die Ungerechtigkeit der Pauschalurteile. Auch wenn die juristische Aufarbeitung noch andauert, ist eines klar: Die Zahl der Täter und Mitwisser ist in Relation zur Größe dieser über 600 000 Menschen starken Belegschaft mikroskopisch klein. Aus diesen Beobachtungen entstand die Idee eines Unternehmensporträts, das wenig von den Spitzen und sehr viel von der Basis berichtet. Wenn Sie diese Beilage Ihrer Zeitung lesen, lernen Sie Menschen bei VW kennen – anständige, hart arbeitende Leute, die nie vergessen haben, welchen Werten sie verpflichtet sind.

Nicht nur der Vollständigkeit halber sei festgehalten: Diese Sonerveröffentlichung ist in Zusammenarbeit mit VW entstanden und erscheint online und in Ihrer Zeitung, weil VW dafür bezahlt. Dennoch ist sie ist kein PR-Produkt. Der Vorstand und der Betriebsrat von VW unterstützten die Idee unserer Redaktion zu diesem Belegschaftsporträt – und respektierten unsere Unabhängigkeit. Das Ergebnis dieses nicht alltäglichen Projekts ist ein Einblick in eines der bedeutendsten Unternehmen, wie er in dieser Feinauflösung sehr selten möglich wird. Wir hoffen, dass Ihnen die Lektüre Freude macht!

Armin Maus, Chefredakteur