1:4 bei Bayern – der VfL geht im Topspiel unter

Wolfsburg.  München feiert im Gipfel der Frauenfußball-Bundesliga einen verdienten und deutlichen Erfolg und hat fünf Punkte Vorsprung auf den VfL Wolfsburg.

Der FC Bayern (Mitte) feierte einen deutlichen 4:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg im Gipfeltreffen der Frauenfußball-Bundesliga.

Der FC Bayern (Mitte) feierte einen deutlichen 4:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg im Gipfeltreffen der Frauenfußball-Bundesliga.

Foto: Eduard Martin / imago images/Jan Huebner

Vielleicht ist es wirklich zu früh, um nach neun von 22 Spielen von einer Vorentscheidung zu sprechen. Aber seit Sonntagnachmittag ist klar: Es wird in diesem Jahr verdammt schwierig für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg, ihren Meistertitel zu verteidigen – und in der eigenen Hand haben sie es seit Sonntag, 15:58 Uhr, auch nicht mehr. Im Spitzenspiel der Bundesliga kassierte die Mannschaft von Trainer Stephan Lerch eine 1:4 (0:2)-Niederlage und hat nun bereits fünf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter aus München.

Im Vorfeld hatten beide für sich beansprucht, diesen Gipfel gewinnen zu wollen. Und das Spiel war im ersten Durchgang auch ein sehr ausgeglichenes. Das Niveau war hoch, doch die Anfangsphase vor allem taktisch und von vielen Zweikämpfen im Mittelfeld geprägt. Bayern drückte früh, versuchte die VfL-Innenverteidigerinnen unter Druck zu setzen. Die Gäste agierten konzentriert, fanden nach vorne allerdings kaum Lücken. Nach 20 Minuten konnte man den Eindruck gewinnen, dass der VfL etwas besser ins Spiel kommt. Und genau in diese Phase hinein setzte Bayern sein erstes Ausrufezeichen: Klara Bühl hatte links am Wolfsburger Strafraum zu viel Platz, zwar rutschte Sydney Lohmann aus, doch sie verlängerte zu Viviane Asseyi, die sich gegen zwei Gegenspielerinnen durchsetzte und das 1:0 markierte (26. Minute).

Es brauchte ein paar Minuten, bis der VfL diesen Schock verdaut hatte, und gerade als die Lerch-Elf wieder etwas Oberwasser bekam – Svenja Huth verpasste eine Flanke von Zsanett Jakabfi nur knapp (39.) –, da legte München nach. Nach einem Freistoß an den Fünfmeterraum von Magull lief Marina Hegering ein und stocherte den Ball ins Tor (42.). Immerhin: Lena Goeßling brachte noch einen gefährlichen Schuss aufs Bayern-Tor, doch Laura Benkarth war auf dem Posten (45.).

Nächster Schock direkt nach der Halbzeit

Die Gäste mussten reagieren, Lerch brachte für die Offensive Fridolina Rolfö und Shanice van de Sanden, doch bevor sich das bemerkbar machen konnte, war seine Elf ein drittes Mal geschlagen. Klara Bühl kochte im Zweikampf Dominique Janssen ab, passte scharf vors Tor, und am zweiten Pfosten drückte Lineth Beerensteyn den Ball aus ganz kurzer Distanz über die Linie – nur 55 Sekunden nach Wiederanpfiff. Es war ein Treffer, der ganz gut zum Spiel passte: Die Bayern machten den etwas griffigeren Eindruck, sie wollten den Sieg in diesem Topduell einfach mehr.

0:3 nach 46 Minuten – jetzt ging Wolfsburg volles Risiko. Lerch ließ deutlich früher Anlaufen, dank des nun offenen Visiers wuchs der Unterhaltungswert dieses Gipfeltreffens noch einmal stark an. Rolfö (52./knapp vorbei) und kurz darauf Lena Oberdorf (60./Benkarth hält) hatten richtig gute Chancen, doch noch hielt München stand. Auf der Gegenseite hätten die Gastgeberinnen für die Entscheidung sorgen können. Doch Hegering (50.), Lohmann (53.) und Bühl (58.) brachten den Ball nicht im Tor unter. Und so kam doch noch Spannung auf: Denn Beerensteyn kam im eigenen Strafraum gegen Oberdorf zu spät – Elfmeter. Goeßling ließ sich die Chance nicht entgehen. Es war ihr vierter Versuch vom Punkt in dieser Saison, und es wurde ihr vierter Treffer, der ganz nebenbei das erste Bayern-Gegentor der Saison bedeutete (64.).

Janssens Eigentor bringt die endgültige Entscheidung

Der Spannungsbogen hielt sich bis zur 77. Minute. In der Zwischenzeit war der ganz große Offensivdrang beim VfL etwas abgeebbt. Doch als Magulls flache Hereingabe von Janssen ins eigene Tor und zum 1:4 abgelenkt wurde, war das Gipfeltreffen endgültig entschieden.

Höchste Liga-Pleite seit fast fünf Jahren

Bayerns Frauen haben an diesem Tag mit Nachdruck gezeigt, dass sie den fünften VfL-Titel in Serie mit aller Macht verhindern wollen. Das Ergebnis ging dabei in Ordnung und war für die Ambitionen des VfL, der sich nach dem 5:0 in Potsdam gut eine Woche zuvor gut gerüstet gefühlt hatte, ein schwerer Schlag. Es war die erste Niederlage seit dem 17. Februar 2019 (2:4 in München) und in der Bundesliga übrigens die höchste seit fast fünf Jahren (2:5 gegen Turbine Potsdam am 6. Dezember 2015).

Die Wolfsburgerinnen werden sich in jedem Fall schnell erholen müssen. Schon am Freitagabend (19.15 Uhr) geht’s zu Hause gegen Eintracht Frankfurt weiter.

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