Nur Teilzeit für Ex-VfL-Wolfsburg-Star bei Chelsea

Wolfsburg.  In Wolfsburg wäre es undenkbar gewesen, dass eine gesunde Pernille Harder beim VfL dreimal hintereinander nur Ersatz ist. In Chelsea ist es so.

Pernille Harder (rechts) durfte hier im Liga-Pokal-Spiel gegen Arsenal erstmals von Beginn an für Chelsea auflaufen.

Pernille Harder (rechts) durfte hier im Liga-Pokal-Spiel gegen Arsenal erstmals von Beginn an für Chelsea auflaufen.

Foto: John Walton / imago/PA Images

Auch Europas Fußballerin des Jahres braucht nach einem Wechsel eine Anlaufzeit beim neuen Klub. Am 1. September war Pernille Harder (27) nach ihrer erzwungenen Vertragsauflösung beim Frauenfußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg zum FC Chelsea gewechselt. Doch für den englischen Meister kam die dänische Nationalstürmerin an den ersten drei Spieltagen der Super League nur zu drei Kurzeinsätzen.

Jeweils erst spät eingewechselt wurde der Superstar beim 1:1 bei Manchester United (80. Minute), 9:0 gegen Bristol City (67.) und beim 1:0 in Birmingham (76.). Im Vergleich zu ihren teaminternen Konkurrentinnen auf ihren Positionen kommt Harder (3 Einsätze/50 Spielminuten/1 Tor/1 Torvorlage) noch recht kurz. Den Engländerinnen Fran Kirby (3/244/2/1), Bethany England (3/181/1/0), der Norwegerin Guro Reiten (2/143/0/0) und der Australierin Sam Kerr (3/181/2/0) gab Trainerin Emma Hayes bislang den Vorzug.

Startelf nur im Liga-Pokal

Hoffnung dürfte Harder der jüngste Pflichtspiel-Einsatz im Liga-Pokal am Mittwochabend machen. Chelsea besiegte hier mit der Dänin in der Startelf Arsenal mit 4:1. Harders Auswechslung in der 90. Minute war eher taktischer Natur. Kirby und England, die nach knapp einer Stunde eingewechselt wurden, hatten eine Verschnaufpause bekommen. England (1) und die von Beginn an spielende Reiten (2) sowie Harders Lebensgefährtin Magdalena Eriksson trafen, die Ex-Wolfsburgerin jedoch nicht.

Kaum vorstellbar, dass Harder vergleichsweise in den ersten Spielen dieser Saison beim VfL so oft auf der Bank gesessen hätte. Wenngleich klar ist, dass sie als Vielspielerin während der Champions-League-Endrunde in Spanien nicht in dem Umfang hätte weitermachen können, ohne auszubrennen.

Lerch verständnisvoll

Während einige deutsche und englische Fans in den einschlägigen Frauenfußballforen im Internet bereits ungeduldig werden und sich wundern, zeigt Harders Ex-Trainer beim VfL, Stephan Lerch, Verständnis für die Vorgehensweise seiner englischen Trainerkollegin. „Ich bin überzeugt, dass es Sinn macht, dass sich eine Spielerin nach einem Wechsel erst einmal über einen längeren Zeitraum an das neue Trainingsniveau und Umfeld gewöhnen kann“, sagt er. Auf dem Niveau herrsche zwar überall in den Klubs eine hohe Trainingsintensität, aber die sei immer auch etwas verschieden.

Außerdem bestehe die Gefahr, dass ein Neuzugang übermotiviert sei. „Dadurch steigt das Verletzungsrisiko.“ Als weiteres Argument für eine langsame Integration auch einer Star-Spielerin wie Harder führt Lerch einen psychologischen Aspekt an. „Es ist eine Frage der Teamführung. Setzt man als Trainer einer Mannschaft, die bereits mehrere Woche zusammen die Vorbereitung absolviert hat, eine neue Spielerin sofort vor, ist das nicht korrekt. Die anderen Spielerinnen haben auch das Anrecht erworben zu spielen. Die Teamstruktur muss berücksichtigt werden.“

Nächste Chance Sonntag

Deshalb baut Lerch seine hochkarätigen Neuzugänge langsam ein und auf. Karina Sævik und Shanice van de Sanden müssen sich ähnlich wie Harder gedulden. Allerdings waren Sævik und van de Sanden erst während der laufenden Saison gekommen, während Harder schon kurz vor dem Liga-Start in London eingetroffen war. Die Super-Dänin ist die Ersatzbank nicht gewohnt. Die nächste Chance auf ihre Startelf-Premiere in der Super League bietet sich am Sonntag im Heimspiel gegen Manchester City.

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