Kellermann: Harders Bereitschaft zu bleiben ist da

Wolfsburg.   Im Interview spricht der sportliche Leiter der VfL-Frauen über die Saison, das Personal gibt einen Ausblick auf den Königsklassen-Hit mit Lyon.

Ralf Kellermann, der sportliche Leiter der VfL-Fußballerinnen, blickt auf die überaus erfolgreiche Hinrunde zurück.

Ralf Kellermann, der sportliche Leiter der VfL-Fußballerinnen, blickt auf die überaus erfolgreiche Hinrunde zurück.

Foto: LARS LANDMANN / regios24

Auch wenn die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg mit dem 1:1 bei Turbine Potsdam erstmals Zähler abgegeben haben, sind sie in der Bundesliga so erfolgreich unterwegs wie nie zuvor. Vor dem Rückrunden-Auftakt beim 1. FFC Frankfurt am Sonntag (11 Uhr) sprach Ralf Kellermann, der sportliche Leiter der VfL-Frauen, über das bisher Erreichte, den diesjährigen Wettbewerb in der Liga und die personellen Herausforderungen, die den Wolfsburgerinnen ins Haus stehen.

Herr Kellermann, Platz 1 in der Bundesliga, und im DFB-Pokal und der Champions League im Viertelfinale. Wie zufrieden sind Sie mit dieser Hinrunde?

Ich bin natürlich sehr zufrieden, und daran ändert auch das 1:1 in Potsdam nichts. Die fünf Punkte Vorsprung, die wir in der Bundesliga nach elf Spielen haben, sind das beste Ergebnis zu diesem Zeitpunkt in der VfL-Geschichte. Auch deshalb war es eine herausragende Hinrunde – und zwar in allen drei Wettbewerben.

Gibt es trotzdem etwas zu kritisieren?

Es gibt eher Dinge zu optimieren. Wir haben zwar fast immer souverän gewonnen, aber es waren trotzdem Partien dabei, in denen wir zu einem früheren Zeitpunkt deutlicher hätten führen müssen. Wir waren auch in Potsdam die stärkere Mannschaft, haben es aber versäumt, unsere Chancen konsequent zu nutzen. Trotz 49:3 Toren sind wir manchmal etwas leichtfertig mit unseren gut herausgespielten Möglichkeiten umgegangen. Wir betreiben einen sehr hohen Aufwand und könnten uns dafür noch häufiger mit Torerfolgen belohnen.

Welchen Eindruck haben Sie von Ihren externen Sommertransfers Pia Wolter, Sara Doorsoun und Mary Earps?

Pia spielt bisher eine gute Rolle, sie hat die Erwartungen mehr als erfüllt. Es ist toll zu sehen, wie schnell sie sich an das höhere Niveau gewöhnt hat. Sara ist schon eine feste Größe im Team. Jetzt gilt es, dass sie ihre Leistungen auf diesem Niveau Woche für Woche bestätigt. Mary haben wir als Nummer 2 geholt, diese Rolle füllt sie perfekt aus. Als sie gebraucht wurde, war sie da.

Durch das Remis in Potsdam und die ersten Punktverluste Ihrer Mannschaft bleibt der Liga zumindest ein wenig Spannung. Wie sehen Sie die Entwicklung in der Bundesliga?

Für mich ist ganz klar, dass die Bayern mit uns komplett auf Augenhöhe sind. Dieser 6:0-Sieg von uns war kein Statement für die ganze Saison. Auch Potsdam ist für mich noch vorne mit dabei, so dass drei Mannschaften um die zwei Champions-League-Plätze spielen werden. Insgesamt ist es schon so, dass das Niveau in der Bundesliga leicht rückläufig ist.

Welche Gründe sehen Sie dann dafür?

Es hat auch damit zu tun, dass einige Spielerinnen ins Ausland gegangen sind. Vielleicht waren das nicht unbedingt die absoluten Topspielerinnen. Aber schon solche, die das Niveau der Liga mitgeprägt haben. Hinzu kommt, dass mit Borussia Mönchengladbach eine Mannschaft aufgestiegen ist, die offenbar nicht konkurrenzfähig ist. So etwas tut der Liga nicht gut.

Wie lässt sich da aus VfL-Sicht Abhilfe schaffen? Die Mannschaft wird wohl kaum schlechter spielen als sie könnte.

Ich mache mir schon ernsthafte Gedanken um die Konkurrenzfähigkeit der Allianz Frauen-Bundesliga. Da sind die Vereine und der Verband gefordert, die nötigen Strukturen weiter zu verbessern. Klar ist für mich auch: Wenn sich nichts Grundlegendes ändert, werden Ligen wie England, Spanien oder Italien vorbeiziehen.

Wäre für den VfL nicht eine europäische Superliga interessant, wie sie bei den Männern gerade in den öffentlichen Fokus gerückt worden ist?

Mir ist nicht bekannt, dass es solche Überlegungen bei der Uefa gibt. Ich weiß aber, dass der europäische Verband darüber nachdenkt, wie er die Women’s Champions League noch attraktiver gestalten kann. Vielleicht ist auch eine Gruppenphase wie im Männer-Wettbewerb eine Option.

In punkto Infrastruktur ist man in England, wo die Frauen teilweise die Möglichkeiten wie die Männer bekommen, schon weiter. Wie bewerten Sie den Umzug Ihrer Mannschaft in die neuen Räumlichkeiten am Elsterweg?

Das ist für uns eine dringend notwendige Verbesserung, die sportliche Infrastruktur befindet sich dann unter einem Dach. Wir sind sehr glücklich darüber, dass der Verein uns diese Möglichkeit schafft. Im Vergleich zur absoluten Spitze im europäischen Vereinfrauenfußball haben wir trotz des Umzugs aber weiteren Optimierungsbedarf.

Wird der VfL in der Winterpause personell noch etwas tun?

Wir sehen uns nicht gezwungen, dass wir jetzt etwas machen müssen. Bis auf Lara Dieckenmann haben wir keine Spielerin, die verletzungsbedingt länger ausfällt. Von daher sehen wir uns mit dem aktuellen Kader für die intensive Rückrunde sehr gut aufgestellt.

Im Sommer laufen die Verträge von Caroline Hansen und Anna Blässe aus. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Bei Caroline Hansen gilt wie jedes Jahr, dass wir uns in der Winterpause zusammensetzen und über ihre sportliche Zukunft sprechen. Was Anna Blässe betrifft, liegt der Ball bei ihr. Sie weiß, dass wir sehr gerne mit ihr verlängern möchten. Darüber hinaus laufen noch weitere Verträge aus. Hier werden die Entscheidungen nach der Vorbereitungsphase getroffen werden.

Wie weit müssen Sie bei Ihrer Kaderplanung schon das Saisonende 2019/20 im Blick haben? Bis dahin läuft Pernille Harders Vertrag.

Die grundsätzliche Bereitschaft ist bei ihr da. Aber Pernille möchte abwarten, wie sich die Bundesliga weiterentwickelt. Um mit ihr in konkrete Verhandlungen zu gehen, will sie erst sehen, dass ein ausgeglichener Wettbewerb herrscht. Als sie zu uns kam, wollte sie unbedingt nach Deutschland in die Bundesliga, um Woche für Woche intensiv gefordert zu werden. Ich erinnere mich gut an ihr erstes Spiel, ein hart umkämpftes 2:1 in Jena nach 0:1-Rückstand. Danach habe ich ihr gesagt: „Willkommen in Deutschland, das war der Tabellenvorletzte.“ Dieses Argument haben wir ihr gegenüber in der aktuellen Saison natürlich nicht.

Den Wettbewerb wird sie aber wahrscheinlich im März in den Champions-League-Viertelfinal-Duellen mit Olympique Lyon bekommen. Sind Sie froh, dieses Mal früher und in zwei Spielen auf Lyon zu treffen?

Sich über zwei Spiele mit Olympique zu messen, finde ich hochinteressant. In den vergangenen Jahren waren wir im März und April immer sehr gut drauf. Im letzten Finalduell in Kiew steckten uns die 120 Minuten vom DFB-Pokalfinale wenige Tage vorher noch in den Knochen. Können wir im März nahezu auf unseren kompletten Kader zurückgreifen, haben wir allen Grund, sehr optimistisch in diese Duelle zu gehen. Dass von den zwei vermeintlich besten Mannschaften im Wettbewerb nur eine das Halbfinale erreicht, ist natürlich schade. Aber das ist einfach so.

Die Konstellation mit dem Rückspiel im AOK-Stadion könnte dafür sorgen, dass dieses erstmals ausverkauft ist…

Es muss unser Ziel sein, dass das Stadion ausverkauft wird, zumal das Fassungsvermögen für dieses Spiel nur etwa 4.500 Plätze beträgt. Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir uns entschieden, das Sitzplatzkontingent zu erhöhen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass in naher Zukunft keine Sitzplatzkarten mehr verfügbar sind. Wer dieses Spiel sitzend verfolgen möchte, sollte sich jetzt schon dafür entscheiden.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder