So will der VfL Wolfsburg die Leipziger Abwehrfestung knacken

Wolfsburg.  Die Wolfsburger erwarten am Samstag mit RB das defensivstärkste Team der Bundesliga – und das Lazarett leert sich rechtzeitig.

Können sie die RB-Festung knacken? In der Vorsaison blieben Admir Mehmedi (rechts) und seine Mitspieler vom VfL Wolfsburg gegen die defensivstarken Leipziger in der Bundesliga unbesiegt.

Können sie die RB-Festung knacken? In der Vorsaison blieben Admir Mehmedi (rechts) und seine Mitspieler vom VfL Wolfsburg gegen die defensivstarken Leipziger in der Bundesliga unbesiegt.

Foto: regios24/Simka

Der Name RB Leipzig ist für viele mit ansehnlichem, teils spektakulärem Offensiv-Fußball verknüpft. Doch in der zweiten Saison unter Trainer Julian Nagelsmann haben sich die Vorzeichen geändert. Nun ist es vor allem die Defensive, die glänzt. Nur zwölf Gegentreffer in 15 Bundesliga-Spielen – keine andere Abwehr bringt die gegnerischen Stürmer häufiger zur Verzweiflung. Der VfL Wolfsburg will im Heimspiel am Samstag von 15.30 Uhr an versuchen, die RB-Festung einzunehmen. Wie kann das klappen?

Die Blaupause dazu lieferte Leipzigs Spiel am vergangenen Wochenende gegen Borussia Dortmund. Besonders interessant ist dabei der Blick auf die zweite Hälfte. Nachdem es zur Pause noch 0:0 gestanden hatte, fertigte der BVB die Gastgeber am Ende mit 3:1 ab. Und wie machten die Borussen das? Indem sie die RB-Dreierkette in Bewegung brachten. Es brauchte ein doppeltes „T“, nämlich Tempo und Tiefe. Immer wieder zogen die Dortmunder so die Leipziger Abwehrformation um den stabilen Dayot Upamecano im Zentrum auseinander. Und siehe da: Es ergaben sich Räume.

Glasner findet Ansatzpunkte

Das hat auch VfL-Trainer Oliver Glasner zur Kenntnis genommen. Allerdings hat er nicht diese Klasse in der Offensive zur Verfügung, wie sie die Borussia mit Marco Reus, Jadon Sancho und Erling Haaland auf den Platz bringen kann. Dennoch sagt der Österreicher: „Wir haben den einen oder anderen Ansatzpunkt gefunden, wo sich Räume ergeben.“ Und dass seine Wolfsburger das Zeug dazu haben, RB zu ärgern, bewiesen sie nicht zuletzt in der Vorsaison, als die Bundesliga-Duelle mit 0:0 und 1:1 endeten.

Zur ganzen Wahrheit gehört in diesem Fall jedoch, dass es zwischen den Ligapartien im Pokal eine deftige 1:6-Klatsche gegen Leipzig gegeben hatte. Es war die erste Pflichtspielniederlage für Glasner als VfL-Trainer. Das hat dieser nicht vergessen. Vielleicht auch deshalb beantwortet der 46-Jährige die Frage nach dem Kräfteverhältnis deutlich. „Für mich ist RB der Favorit. Sie werden bis zum Ende um den Titel mitspielen“, ist Glasner überzeugt.

Zu Hause ist der VfL bärenstark

Der VfL befindet sich also in der Außenseiterrolle. Ein Sieg gegen ein Team aus den Top Sechs der Liga ist den Grün-Weißen in dieser Saison auch noch nicht gelungen, von daher ist die Einordnung des Trainers nicht abwegig. Es sprechen jedoch auch Fakten für die Wolfsburger. Sie sind zu Hause in dieser Spielzeit noch ungeschlagen, haben obendrein die zurückliegenden fünf Heimspiele gewinnen können. Eine längere Serie dieser Art kann kein anderer Bundesligist vorweisen.

Auch personell sieht es beim VfL wieder besser aus. Josip Brekalo ist nach seiner Prellung am Donnerstag ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, wird gegen Leipzig spielen. Maxence Lacroix trainierte nach seiner Corona-Erkrankung bislang die gesamte Woche mit, steht zur Verfügung und wird wohl mit John Anthony Brooks zusammen die Innenverteidigung bilden. Maximilian Philipp und Admir Mehmedi sind ebenfalls einsatzbereit. „Sie werden im Kader stehen. Ob einer oder beide von Beginn an spielen, werden wir sehen“, sagt Glasner.

Pongracic kann spielen

Eine weitere gute Nachricht erhielt der VfL-Trainer von den Ärzten, die Marin Pongracic in den vergangenen Tagen gründlich durchcheckten. Der junge Kroate war beim 2:2 am Wochenende bei Union Berlin ausgewechselt worden, hatte Probleme beim Luftholen. Die Vermutung war, dass es eine Folge seiner Corona-Infektion war. Daher wurde Pongracic „von den Zehen bis zur Haarspitze“, wie es Glasner ausdrückt, begutachtet. Alle möglichen Tests musste der Innenverteidiger über sich ergehen lassen. Doch Werte, die seine Probleme erklären würden, fanden die Ärzte nicht.

Stattdessen ist die Annahme, dass es sich um eine zunächst harmlose Reaktion des Körpers auf die Belastung der vergangenen Wochen und Monate handelt. Schließlich war Pongracic erst mit Pfeifferschem Drüsenfieber ausgefallen, dann folgte die Corona-Infektion. „An oberster Stelle steht bei uns die Gesundheit jedes Einzelnen“, stellt Glasner klar. Doch der Coach hat von den Ärzten grünes Licht bekommen, Pongracic kann gegen RB spielen.

Klaus-Wechsel nach Düsseldorf perfekt

Für Jérôme Roussillon, der sich ebenfalls mit Covid-19 angesteckt hatte, reicht die Zeit hingegen nicht. Der Franzose fällt ebenso aus wie Jeffrey Bruma, der sich weiterhin in häuslicher Quarantäne befindet, nachdem es einen Ansteckungsfall im familiären Umfeld gab. Verzichten muss Glasner zudem auf den gesperrten Maximilian Arnold und Felix Klaus. Der 28-Jährige, der zuletzt ohnehin kaum eine Rolle spielte, hat den VfL wie erwartet verlassen und sich auf Leihbasis mit Kaufoption mindestens bis zum Saisonende Zweitligist Fortuna Düsseldorf angeschlossen.

An der personellen Ausstattung soll es am Samstag gegen Leipzig nicht liegen. Der VfL braucht den richtigen Matchplan und muss diesen über 90 Minuten umsetzen, um gegen den Tabellenzweiten aus Sachsen Punkte zu holen. Und er braucht das Doppel-T, also Tempo und Tiefe, um die RB-Festung zu knacken. Dann endet auch die Diskussion, dass der VfL noch keinen Sieg gegen ein Team aus den Top Sechs der Liga holen konnte.

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