Ridle Baku im Achterbahntempo zwischen DFB und VfL

Braunschweig.  Der Neu-Nationalspieler Ridle Baku musste seinen Junioren-Kollegen einige Fragen zu seinem Debüt im DFB-Team beantworten.

Ridle Baku hat sein Länderspieldebüt gefeiert.

Ridle Baku hat sein Länderspieldebüt gefeiert.

Foto: Robert Michael / dpa

So rasant wie die vergangenen Wochen verliefen bislang wohl nur ganz wenige in Ridle Bakus Leben. Der späte Wechsel von Mainz 05 zum VfL Wolfsburg vier Tage vor Transferschluss, das Debüt im Bundesliga-Team nur drei Tage später; der dauerhafte Sprung in die Startelf vom zweiten Spiel an. Und als Krönung die Premiere in der A-Nationalmannschaft am Mittwoch beim 1:0-Sieg gegen Tschechien. „Ich konnte das alles noch gar nicht richtig verarbeiten“, sagt der 22-Jährige. „Das kann man schon mit einer Achterbahnfahrt vergleichen.“ Wobei der Vergleich nicht voll zutrifft. Bei einer Achterbahnfahrt gibt es Höhen und Tiefen – Baku aber erlebt derzeit nur Höhen.

U21-Kollegen löchern Ridle Baku nach A-Debüt mit Fragen

Seit Donnerstag ist er zurück bei der U21-Nationalmannschaft. Mit dem Team von Bundestrainer Stefan Kuntz will Baku am Dienstag in Braunschweig gegen Wales (18.15 Uhr/ProSieben Maxx) das Ticket für die Europameisterschaft 2021 in Ungarn und Slowenien lösen.

Das Testspiel gegen die Slowenen am Donnerstag (1:1) verfolgte er wegen eines ausstehenden Corona-Tests allein im Hotelzimmer am Allersee. Erst am nächsten Tag stieß der 1,76-Meter-Mann zum Team. „Die Jungs haben sich für mich gefreut, und mir wurden viele Fragen gestellt“, beschreibt der gebürtige Mainzer das Wiedersehen. Er musste oft erzählen, wie es war, gemeinsam mit Weltstars auf dem Platz zu stehen. Die Antwort: „Es ist einfach schön zu sehen, wie sich solche Persönlichkeiten verhalten. Ich werde auf jeden Fall einige Dinge mitnehmen“, sagt der 111. Debütant der Ära von Bundestrainer Joachim Löw. Und obwohl eher die zweite Garde gemeinsam mit ihm aufgelaufen war, kam Baku aus dem Strahlen nicht mehr heraus.

Der Bundestrainer habe ihm gesagt, dass er das Spiel genießen soll und so spielen soll wie bei der U21 und dem VfL – das hatte den flinken Flügelspieler schließlich erst in den Kreis der besten deutschen Fußballer katapultiert.

Ridle Bakus Chance dank vieler Verletzter wie Kimmich, Kehrer und Klostermann

Und angesichts der Verletzungen von Bayern-Star Joshua Kimmich, Leipzigs Lukas Klostermann und Paris’ Thilo Kehrer, die ansonsten häufig die rechte Abwehrseite im DFB-Team bekleidet hatten, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Bakus Auftritt im Trikot mit dem Adler auf der Brust keine Eintagsfliege war. „Ich will mich für größere Aufgaben empfehlen“, erläutert der Rechtsfuß, der auch im zentralen Mittelfeld spielen kann. Doch auf der Außenbahn fühlt er sich aktuell sehr wohl, kann sich zu 100 Prozent mit dieser Position identifizieren. „Ich habe den Drang nach vorn und will auch selbst torgefährlich sein“, befindet der VfL-Spieler, dessen großes Selbstvertrauen gerade nicht zu übersehen ist.

Dass er nun abzuheben droht, glaubt er nicht. „Ich denke, ich habe ein sehr gutes Umfeld, das darauf achtet, dass ich bodenständig bleibe“, sagt Baku. „Ich denke nicht, dass ich mich großartig verändern werde.“ Eine Veränderung hat er jedoch vor kurzem ganz bewusst gewählt. Der Wechsel von Mainz zum VfL Wolfsburg war auch ein Schritt heraus aus der Komfortzone. Und bislang gibt ihm der Erfolg recht, ihn getan zu haben.

Ridle Baku: Ich will beim VfL da weitermachen, wo ich aufgehört habe

Baku ist in dieser kurzen Zeit gereift. Und auch die Wahrnehmung auf ihn hat sich verändert. Für ihn ging es jedoch nicht primär darum, den Status des Eigengewächses abzulegen. „Ich wollte eine höhere Aufgabe bekommen, mich mit besseren Spielern messen“, sagt der offensivstarke Verteidiger. All das bietet ihm der VfL – und nun auch der DFB auf einem noch höheren Level. Es hat bei Baku Lust auf mehr geweckt: „In der A-Nationalmannschaft konnte ich sehen, was für ein Niveau dort herrscht. Es ist mein Anspruch, dass ich mit den und gegen die Besten spielen will. Zukünftig will ich da natürlich hin.“

Doch für die kommenden Tage heißt der Alltag U21. Auch hier geht es um etwas. Der Gruppensieg würde für das Nachwuchsteam die EM-Qualifikation bedeuten – und Baku eine perfekte Woche bescheren. Vom Rückenwind, den der frischgebackene A-Nationalspieler, der am Dienstagabend womöglich auch noch ein EM-Ticket löst, mitbringt, dürfte auch der VfL profitieren. „Das ist ein super Gefühl, wenn man solche Erfahrungen sammelt. Dann kommt man gestärkt zum Verein zurück. Mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein“, ist sich Strahlemann Baku sicher. „Ich will beim VfL da weitermachen, wo ich aufgehört habe.“ Am besten weiter im Achterbahntempo.

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