Mit Brooks ist der VfL Wolfsburg erfolgreicher

Wolfsburg.  Doch der US-Amerikaner steht beim Bundesligisten VfL Wolfsburg wegen seiner Aussetzer in der Kritik. Seine Durchschnittsnote beträgt 3,74.

Umstritten: John Anthony Brooks steht beim VfL Wolfsburg wegen seiner Aussetzer in der Kritik. Doch mit ihm holt der Bundesliga mehr Punkte als ohne ihn.

Umstritten: John Anthony Brooks steht beim VfL Wolfsburg wegen seiner Aussetzer in der Kritik. Doch mit ihm holt der Bundesliga mehr Punkte als ohne ihn.

Foto: apf / regios24

Ob zuvor Bruno Labbadia oder aktuell Oliver Glasner: Seine Trainer beim VfL Wolfsburg setzen in der Innenverteidigung auf John Anthony Brooks. Der US-Amerikaner bringt auch einiges mit: Er ist groß gewachsen, aber trotzdem schnell auf den Beinen, und obendrein zweikampfstark. Wären da nicht diese Aussetzer, die der 27-Jährige regelmäßig in sein Spiel einbaut. Sie fallen natürlich mehr ins Auge als seine guten Aktionen, daher kommt Brooks bei den Fans des Fußball-Bundesligisten nicht gut weg – zu Recht? Oder tun ihm die Anhänger Unrecht?

Am Mittwoch, beim Achtelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Schachtar Donezk, war es wieder soweit. Der VfL brauchte zwei Tore, um nach dem 1:2 aus dem Hinspiel (VfL-Treffer durch Brooks übrigens) weiterzukommen, und spielte ab der 68. Minute beim Stand von 0:0 nach einer roten Karte für die Ukrainer in Überzahl. „Das Spiel hätte zu unseren Gunsten kippen können“, sagte Coach Glasner. Tat es aber nicht, weil Brooks zwei Minuten später seine zweite gelbe Karte sah und ebenfalls vom Platz musste. Er war auf Höhe der Mittellinie mit gestrecktem Bein in Gegenspieler Junior Moraes reingegangen. Das war unnötig. Und es kostete die Wolfsburger die Chance aufs Weiterkommen. Am Ende ließen sie sich durch drei späte Tore mit 0:3 abfertigen.

Die Zahlen ergeben ein differenziertes Bild

Immer wieder Brooks, sagen die Kritiker. Doch er verhindert auch viele Gegentore, sagen seine Verteidiger. Aber was sagen die Zahlen? Auf jeden Fall ergibt sich durch sie ein differenziertes Bild. Seit Sommer 2017 spielt der US-Amerikaner für den VfL, knapp 20 Millionen Euro schwer war die Überweisung, die Hertha BSC erhielt. Seitdem haben die Wolfsburger 75 Pflichtspiele (Liga, Pokal, Europa League, Relegation) mit Brooks absolviert, haben dabei im Schnitt 1,28 Gegentore bekommen und 1,61 Punkte geholt. Ohne den umstrittenen Verteidiger sieht’s schlechter aus. In 48 Partien, in denen er fehlte, kassierte der VfL im Schnitt 1,39 Gegentreffer und holte 1,19 Zähler. Bedeutet: Mit Brooks sind die Grün-Weißen zumindest auf dem Papier erfolgreicher als ohne ihn.

Auch in der Statistik der gewonnenen Zweikämpfe, die für einen Verteidiger per Arbeitsplatzbeschreibung aussagekräftig ist, muss sich der 27-Jährige nicht verstecken, auch wenn es für einen Top-Wert nicht reicht. Im Ligavergleich landet Brooks mit 59,1 Prozent gewonnener Duelle auf Rang 28 – und damit vor seinen bisherigen Positionsrivalen Robin Knoche (54,9; Platz 68) und Marcel Tisserand (51,0; Platz 120). Allerdings wird Brooks von Marin Pongracic, seinem Nebenmann im Großteil der Rückrunde, geschlagen. Denn der Wintereinkauf der Wolfsburger liegt mit 64,48 Prozent gewonnener Zweikämpfe ligaweit sogar auf Platz 2. Pikantes Detail: Felix Uduokhai, den der VfL an den FC Augsburg verkauft hat, und Jeffrey Bruma, der an Mainz 05 verliehen war und nun zurück ist, rangieren in der Statistik mit 63,1 und 59,9 Prozent vor Brooks.

Nur zwei Wolfsburger bekamen schlechtere Noten

Am besten spiegelt sich das Problem des gebürtigen Berliners in der Notenstatistik wider. Denn hier finden seine Aussetzer sichtbar Niederschlag. Mit einem womöglich spielentscheidenden Patzer wie am Mittwoch gegen Donezk ist es unmöglich, eine gute Note zu bekommen. So weist das Fachmagazin „Kicker“ für Brooks in der abgelaufenen Saison eine Durchschnittsnote von 3,74 aus. Damit landet er VfL-intern auf dem zehnten von zwölf Plätzen (es werden nur die Spieler berücksichtigt, die in mindestens 50 Prozent der Spiele benotet wurden). Noch schlechter als der Verteidiger stehen nur Josip Brekalo (3,96) und Joao Victor (4,12) da. Und obendrein rangiert mit Knoche ein ehemaliger direkter Konkurrent im Abwehrzentrum auf Platz 2 (3,17) hinter Spitzenreiter Koen Casteels (2,92).

Wie geht’s nun weiter mit Brooks? Seine Kritiker dürften sich durch die Notenstatistik bestätigt fühlen, seine Unterstützer durch den höheren Punkteschnitt, wenn der US-Amerikaner dabei ist. Immer mal wieder ist aus dem VfL-Center zu hören, dass die Wolfsburger ihn auch abgeben würden, falls ein Interessent anklopft. Doch um nicht zu viel Verlust zu machen, müsste der VfL eine ähnlich hohe Ablöse einnehmen wie beim Kauf 2017 – und das waren knapp 20 Millionen Euro. Dennoch könnte noch Bewegung in die Personalfrage in Sachen Innenverteidigung kommen. Bruma etwa darf bei einem Angebot gehen, dann müsste der VfL aber noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen – und neue Konkurrenz für Brooks holen.

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