Beim ersten Geisterspiel war Schmadtke dabei

Wolfsburg.  Und nicht nur der damalige Aachen-Sportdirektor. Auf der Tribüne des Aachener Tivolis saß im Januar 2004 ein Geist.

Auf der Tribüne des Aachener Tivolis treibt ein Geist sein Unwesen. Die Partie der Alemania gegen den 1. FC Nürnberg im Januar 2004 war das erste Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte. 

Auf der Tribüne des Aachener Tivolis treibt ein Geist sein Unwesen. Die Partie der Alemania gegen den 1. FC Nürnberg im Januar 2004 war das erste Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte. 

Foto: imago sportfotodienst via www.imago-images.de / imago images/Horstmüller

Für den VfL Wolfsburg steht am Samstag (15.30 Uhr) beim FC Augsburg das erste Bundesliga-Geisterspiel seiner Geschichte an. In der Europa League beim 1:2 gegen Schachtar Donezk haben die Profis vor der Saison-Unterbrechung schon ihre Erfahrungen mit einem leeren Stadion gemacht. Wolfsburgs Sportchef Jörg Schmadtke hatte seinen ersten Auftritt in einem Geisterspiel hingegen schon vor mehr als 16 Jahren – und bei dieser Partie trieb ein leibhaftiger Geist sein Unwesen.

Es war der 26. Januar 2004, Winter in Aachen. Die Alemannia empfing den 1. FC Nürnberg zu einem Nachholspiel. Das war angesetzt worden, weil die Nürnberger nach dem vorigen regulären Zweitliga-Spitzenspiel, das mit 1:0 an Aachen ging, Protest gegen die Wertung eingelegt hatten. Hintergrund: Trainer Wolfgang Wolf, auch in Wolfsburg kein Unbekannter, bekam 20 Minuten vor dem Ende ein Wurfgeschoss an den Kopf. Das DFB-Sportgericht entschied zugunsten der Kläger und setzte erstmals ein Bundesliga-Spiel ohne Zuschauer an.

Schmadtke war damals Sportdirektor der Aachener. Seine Empfindungen über die besonderen Partien vor leeren Rängen verpackte er gegenüber unserer Zeitung zuletzt so: „Man sollte sich von der Atmosphäre nicht hemmen lassen. Es ist ein großes Stadion, in dem die Verständigung normalerweise sehr schwierig ist. Jetzt ist aber jedes Wort zu hören. Das ist ungewöhnlich.“ Dazu fehlt der Funke von den Rängen, der oftmals entscheidend sein kann. „Es gibt keine Emotionalität, die man nicht selbst erzeugt“, sagte Schmadtke.

Als Aachens Sportdirektor erlebte er vor mehr als 16 Jahren einen 3:2-Heimerfolg seiner Alemannia. Das Siegtor erzielte Bachirou Salou, der sich nicht von einem ganz besonderen Stadionbesucher ablenken ließ. Denn auf der völlig verwaisten Haupttribüne des Aachener Tivolis saß: ein Geist. Lutz Wagner, Schiedsrichter der Partie, erinnerte sich im Interview mit der „Zeit“ daran. „Später haben wir dann erfahren, dass es sich wohl um die Gattin eines Aachener Geschäftsstellenmitarbeiters gehandelt haben soll, die sich da so elegant ein Bettlaken über den Kopf gezogen hatte“, sagt der heute 56 Jahre alte DFB-Lehrwart.

Das erste Geisterspiel der Liga-Geschichte gewann Schmadtkes Alemannia zwar mit 3:2, den Aufstieg machten aber die Nürnberger klar. Der 1. FC wurde in der Saison 2003/2004 Meister, Aachen kam auf Platz 6 ins Ziel. Diesen Rang würde Schmadtke mit dem VfL jetzt am Saisonende gerne belegen. Denn der würde die erneute Quali fürs internationale Geschäft bedeuten. In Augsburg wartet das erste von neun Geisterspielen.

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