VfL Wolfsburg: Ein kleines Stück Fußballer-Normalität

Wolfsburg.  Der VfL Wolfsburg hat das Training unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wieder aufgenommen. Ginczek: „Müssen die Situation so annehmen.“

Ungewohntes Bild: Dort, wo sonst Interviews geführt werden, sitzen Ismail Azzaoui (vorne) und Kevin Mbabu auf dem Ergometer.

Ungewohntes Bild: Dort, wo sonst Interviews geführt werden, sitzen Ismail Azzaoui (vorne) und Kevin Mbabu auf dem Ergometer.

Foto: VfL Wolfsburg/regios24

Ein Großteil der Bevölkerung harrt zu Hause aus, und wer kann, der arbeitet während der Corona-Pandemie im Homeoffice. Bei Fußballprofis ist das natürlich nicht möglich. Die Spieler des VfL Wolfsburg haben am Montag wieder das Training aufgenommen, allerdings unter strengen Sicherheitsmaßnahmen. In kleinen Gruppen absolvierten sie Fitnessübungen in ihrer Arena. So sieht auch erst einmal der Plan für die nächsten Tage aus – falls sich kein Spieler krank meldet oder die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in ihrer Präsidiumssitzung am Dienstag eine Entscheidung trifft, die diese Einheiten obsolet macht.

Der VfL hat alles getan, um ein mögliches Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Es wurde in kleineren Gruppen geübt, die sowohl zeitlich als auch räumlich getrennt voneinander ihre Übungen absolvierten. Zu Beginn wurde Fieber gemessen, vier Kabinen standen zur Verfügung, die Profis saßen so weit wie möglich auseinander, zudem wurden die Duschen nach jeder Benutzung desinfiziert. Danach ging es aufs Ergometer in der umfunktionierten Mixed Zone und an die Geräte in den Krafträumen. Alles fand im Bauch der Arena statt, aus dem VfL-Center ist die Mannschaft vorübergehend ausgezogen, damit dort in jedem Fall weitergearbeitet werden kann.

Es ist der Versuch, ein Stück weit Fußballer-Normalität herzustellen. „Natürlich möchten wir alle lieber spielen, aber wir müssen die Situation jetzt so annehmen“, sagt Stürmer Daniel Ginczek. Der 28-Jährige hat schon vieles erlebt in seiner Karriere. Aber so etwas natürlich noch nicht. Für ihn ist es Teil des Jobs, sich fit zu halten, „egal ob Zuhause oder in kleinen Gruppen“, so Ginczek. Er fühlt sich sicher mit den Vorkehrungen. „Der Verein hat alle erdenklichen Maßnahmen getroffen, was die Hygiene angeht. Die Räume im Stadion sind sehr groß, für jede Gruppe gibt es eine eigene Kabine. Jeder hat seine eigenen Utensilien wie Handtuch, Blackroll oder Matte.“ Klar ist aber auch: Das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus ist nie völlig auszuschließen.

Und wie lange wird das jetzt auf diese Art und Weise weitergehen? Beziehungsweise: Wie lange ergibt es überhaupt Sinn, dass sich Wolfsburgs Profis in diesen Kleingruppen treffen, um gemeinsam irgendeine Form von Training durchzuziehen? Schließlich ist unsicher, wie es mit der Bundesliga-Saison weitergeht. In Spanien haben die Verantwortlichen der „La Liga“ verkündet, dass auf unbestimmte Zeit keine Partien stattfinden werden.

In Deutschland wird es am Dienstag einen neuen Wasserstand geben. Dann tagt das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga, um zu beraten, wie es weitergeht. Denn die bislang vereinbarte Pause endet am 2. April. Auch deshalb ist der VfL wieder ins Training eingestiegen. Die Entscheider wollen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Doch mittlerweile gehen auch VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Co. davon aus, dass der Spielbetrieb deutlich über den 2. April hinaus ausgesetzt wird. „Wenn es eine neue Faktenlage gibt, werden wir die analysieren und neue Schlüsse ziehen“, so der Geschäftsführer.

Viele Szenarien sind denkbar, daher ist das Training des VfL in dieser Form auch nur eine Maßnahme auf Zeit. Doch noch ist die Hoffnung da, dass das nicht alles umsonst sein wird.

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