Der VfL Wolfsburg fährt den Betrieb vorerst wieder hoch

Wolfsburg.  Am Dienstag kann sich die Lage aber wieder ändern. Da tagt die DFL. Schmadtke setzt auf längere Auszeit.

Jörg Schmadtke.

Jörg Schmadtke.

Foto: Darius Simka / regios24

Krisensituationen liegen Jörg Schmadtke. Bei seinen Klubs Alemannia Aachen, Hannover 96, dem 1. FC Köln und auch dem VfL Wolfsburg identifizierte der Sportchef schnell die defekten Schrauben im krächzenden System, tauschte sie aus und hob jeden Klub auf eine neue Stufe. Auch in der Corona-Krise sticht der 56-Jährige heraus. Freilich nicht als medizinischer Taktgeber, sondern als realistischer Moderator und Einordner der Situation, der nahen wie der fernen Zukunft des Fußballs. Am Sonntag beantwortete er die fünf wichtigsten Fragen dieser Tage.

Wie geht es beim VfL weiter?

Der Klub hält an seinem in der Vorwoche gefassten Plan fest: Am Montag geht es wieder los. Die Wolfsburger treffen sich am Vormittag in der Mixed Zone der VW-Arena. Die Verantwortlichen wollen ein Stimmungsbild der Spieler einfangen, die in der vergangenen Woche nur individuell trainiert hatten.

Bei jedem Akteur wird bei der Ankunft die Temperatur gemessen, um ihn auf Fieber zu kontrollieren. „Wir benutzen das als Indikator. Wenn dann einer über Wehwehchen klagt, werden wir alles Weitere in die Wege leiten“, erklärt Schmadtke. Derzeit, so die Meldung aus dem Team, gehe es allen gut. Den Ball werden die Spieler in den ersten Tagen allerdings nicht benutzen. „Wir werden uns vermehrt im Kraftraum aufhalten“, sagt der Geschäftsführer. Der VfL hatte zwar eine Sondergenehmigung fürs Training auf dem Platz beantragt und auch erhalten. Aber erst einmal bleiben alle drin. „Das halten wir für sinnhafter.“ Die VfL-Mitarbeiter haben in der Arena vier Kabinen hergerichtet, die Duschen werden nach jeder Benutzung desinfiziert. „Wir sind organisatorisch sehr gut aufgestellt“, sagt Schmadtke. „Unsere Mitarbeiter ziehen fantastisch mit.“

Wird in Leverkusen gespielt?

Die Bundesliga ist erst einmal nur bis Anfang April ausgesetzt. „Wir haben die unschöne Situation, dass wir unser Spiel bei Bayer Leverkusen am 4. April vor Augen haben und uns darauf vorbereiten müssen, aber eigentlich wissen, dass der Termin nicht zu halten ist“, sagt der 56-Jährige. Am Dienstag kommt das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga zusammen und berät über das weitere Vorgehen. „Ich fände es schön“, so Schmadtke, „wenn eine längere Auszeit verkündet würde.“

Mit Blick auf die Einzelverfügungen und Verordnungen der Bundesländer und Städte sagt er: „Bis zum 20. April kann eigentlich gar nichts passieren.“ Die Premier League etwa hatte ihren Betrieb in der Vorwoche bis zum 30. April ausgesetzt. Das scheint auch für die Bundesliga ein realistischer nächster Schritt zu sein. Sollte die Pause am Dienstag verlängert werden, kann sich natürlich auch die Trainingsgestaltung des VfL erneut ändern.

Wird die Saison noch rechtzeitig beendet?

Der 30. Juni ist der Stichtag der Liga. Bis zu dem Datum laufen etwa Spielerverträge. „Wenn die Spielzeit darüber hinaus gehen soll“, sagt der Wolfsburger Sportchef, „haben wir noch einmal eine ganz neue Situation, die mehr als kompliziert wird.“ Die Spielpläne der internationalen Ligen müssten synchronisiert, das deutsche Satzungsrecht sowie das Vertragsrecht verändert werden. Spieler, deren Verträge Ende Juni enden, müssten für eine kurze Periode neu eingestellt werden. „Das geht nicht im Vorbeigehen“, sagt Schmadtke.

Er regt in diesem Zusammenhang nicht nur an, die mögliche Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus in Betracht zu ziehen. Es soll zudem ein Szenario diskutiert werden, das zeigt, welcher der spätmöglichste Neustart-Termin der Liga ist, um den 30. Juni noch als Deadline halten zu können.

Wie schwer sind die wirtschaftlichen Folgen für den VfL?

Weil der Klub eine 100-prozentige Tochter Volkswagens ist, fallen die Worst-Case-Szenarien in Wolfsburg nicht so drastisch aus wie die einiger Konkurrenten, die teils schnell in Existenznöte gerieten. „Wir haben eine etwas bessere Ausgangsposition als andere“, sagt Schmadtke. „Aber auch wir werden wirtschaftliche Schäden davontragen. Die Größe des Schadens ist noch nicht absehbar: Wird es ein Lackschaden, ein Getriebeschaden oder ein Totalschaden? Je nach Schwere wird es unterschiedliche Auswirkungen haben.“

Die Kaderplanung für die neue Saison laufe trotz der Ungewissheit weiter. „Wir machen unsere Hausaufgaben, um reagieren zu können.“ Der Transfermarkt ruht derzeit allerdings. „Ich denke, dass alle mit dem Rechnen beschäftigt sind und damit, Dinge vorzubereiten.“ So auch Schmadtkes VfL.

Verzichten die Spieler auf Gehalt?

Maximilian Arnold hatte angekündigt, „zu allem bereit zu sein“, also auch Gehaltskürzungen. „Dass sich Spieler mit der Situation auseinandersetzen, halte ich für normal und richtig“, sagt der Geschäftsführer. „Sie leben nicht auf ihrer eigenen Insel.“ Yannick Gerhardt habe etwa gerade für das von den Nationalspielern Leon Goretzka und Joshua Kimmich ins Leben gerufene Projekt „We kick Corona“ gespendet. „Die Jungs beschäftigen sich damit“, sagt Schmadtke, der sich dem Thema als Geschäftsführer freilich ebenfalls widmet. Er findet: „Wir haben auch eine Verantwortung dem VW-Konzern gegenüber. Weniger in finanzieller als in moralischer Hinsicht.“

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