Maximilian Arnold: Im Moment gibt’s keine Feiertage

Wolfsburg.  Dem Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg fehlt der Fußball. Er wäre bereit, auf Lohn zu verzichten. „Es geht um Mitmenschen.“

Maximilian Arnold.

Maximilian Arnold.

Foto: Christian Schroedter via www.imago-images.de / imago images/Christian Schroedter

Beim Gedanken an das, was ihm fehlt, stellt sich bei Maximilian Arnold eine körperliche Reaktion ein. „Ich bekomme echt eine Gänsehaut, wenn ich darüber spreche“, sagt der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg. Es geht natürlich um den Fußball, der wegen des Corona-Virus in einer ungeplanten Pause steckt, deren Ende nicht absehbar ist. Daher flüchtet sich Arnold in Erinnerungen: „Es fehlt mir sehr, die Fußballschuhe anzuziehen, gegen den Ball zu hauen, in die Arena einzulaufen und beim Blick in die Gesichter der Zuschauer die Spannung zu erkennen. Das Gefühl vermisse ich. Spieltage sind immer Feiertage, und im Moment gibt es keine Feiertage.“

Sohn Lio hält Familie auf Trab

Seiner Arbeit darf der 25-Jährige derzeit nur in arg reduzierter Version nachgehen. Das Mannschaftstraining ist seit Wochenbeginn ausgesetzt, die Spieler haben Lauf- und Krafthausaufgaben bekommen, die sie teils in ihren eigenen vier Wänden und teils im VfL-Trainingscenter erledigen. Dort ist aber derzeit nicht besonders viel los. Am Donnerstag sei Arnold ganz alleine gewesen, ansonsten seien sich maximal drei Kollegen über den Weg gelaufen. Wie lange die Ausnahmesituation noch anhält, kann derzeit niemand seriös beantworten. Arnold geht nicht mehr davon aus, dass es am Montag weitergeht. Da, so der Plan des VfL, sollte sich die Mannschaft wieder treffen, um gemeinsam zu üben. „Ich hoffe, dass es klappt“, sagt Arnold. „Aber ich kann es mir nicht vorstellen.“

Daher genießt er nun das, was im stressigen und zeitintensiven Bundesliga- und Europapokal-Alltag oft zu kurz kommt: Er verbringt viele Stunden mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn Lio. „Der hält uns auf Trab. Langeweile habe ich jedenfalls nicht“, sagt Arnold lachend. Gleichwohl merke auch seine Frau, dass die Situation außergewöhnlich und belastend für den Mittelfeldspieler ist. „Sie hat gesagt, dass sie froh ist, wenn ich wieder Fußball spielen kann. Sie merkt auch, dass es mir im Moment einfach brutal fehlt“, sagt er.

Arnold für Olympia-Verlegung

Der Schwebezustand ist für alle Akteure besonders. Die nationalen Ligen sollen noch beendet werden, dafür wurde die Europameisterschaft um ein Jahr verlegt. Im August sollen die Olympischen Spiele in Tokio steigen. Das Komitee weigert sich (noch), die Wettkämpfe zu verlegen. Arnold, der ein heißer Kandidat für die deutsche olympische Fußballmannschaft ist, hat dazu eine klare Meinung: „Man kann doch nicht die EM verschieben und Olympia stattfinden lassen. Das finde ich unverantwortlich.“

Apropos Verantwortung: Die Nationalspieler Leon Goretzka und Joshua Kimmich haben eine Initiative gegründet und eine Million Euro für soziale sowie karitative Einrichtungen gespendet. Die Spieler Borussia Mönchengladbachs und Eintracht Braunschweigs verzichten auf Lohn, um ihren Klubs und den Angestellten die finanzielle Schieflage zu ersparen. Wie bewertet Arnold das Thema Gehaltsverzicht? „Ich bin dazu bereit. Es geht um die Mitmenschen.“ Geschäftsführer Jörg Schmadtke hat die Spieler schon über mögliche finanzielle Einschnitte in Folge der Corona-Krise informiert, konkrete Schritte aus dem Team heraus wurden aber noch nicht beschlossen. Arnold geht jedoch davon aus, dass das zeitnah auch auf den VfL zukommen wird – und signalisiert sofort Bereitschaft.

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