„Wolfgang Wolf sagte: ,Komm mit, ich erkläre dir das mal’“

Wolfsburg.  Die WN-Serie „Wir sind die Fans des VfL Wolfsburg“ startet. Andreas Wochnik ist seit den 1970er Jahren schon dabei.

Andreas Wochnik (r.) mit Vieirinha.

Andreas Wochnik (r.) mit Vieirinha.

Foto: Darius Simka/regios24 / regios24

Der eine kennt den VfL Wolfsburg schon, als noch am Elsterweg vor 1000 Zuschauern gespielt wurde, der andere entdeckte den Klub erst später für sich. Der eine begleitet ihn zu jedem Spiel, der andere drückt lieber aus der Heimat die Daumen. Aber sie alle eint die Liebe zu ihrem Verein. In einer Serie stellen wir Fans der Grün-Weißen vor, die ihr Leben in besonderem Maße mit dem VfL verknüpfen. In diesem Teil geht es um Andreas Wochnik.

Zum ersten Mal im Stadion, „da war ich sieben Jahre alt“, erinnert sich Wochnik. Damals kämpfte der VfL noch am Elsterweg um Punkte, die Familie wohnte in unmittelbarer Nähe, der Weg war kurz. Es war 1974, im Sommer hatte sich der Klub für die neue 2. Bundesliga qualifiziert. Welche Partie seine erste war, bekommt der gebürtige Wolfsburger nicht mehr zusammen. „Es muss irgendein tolles Zweitliga-Spiel gewesen sein, zumindest war das Stadion voll“, so seine Erinnerung. Der Elsterweg war in diesen Jahren nicht nur für den VfL die Heimat, sondern auch für die Familien, die drumherum wohnten. Die Kinder trafen sich dort immer zum Bolzen, „auf dem Gummiplatz, wie er genannt wurde“, erklärt Wochnik. Heute ist dort ein Parkplatz für Mitarbeiter und Besucher.

Seit dieser ersten Partie hat ihn das VfL-Fieber gepackt. Dabei hätte es wenige Kilometer eine Alternative gegeben: Eintracht Braunschweig, das hieß damals Bundesliga. Doch Wochnik verlor sein Herz an den VfL, der nach der Premierensaison in der 2. Liga 15 Jahre lang drittklassig war. „Es war alles noch sehr familiär, das hat mich gepackt“, sagt er. Die Helden waren noch nahbar, greifbar, „ein Stück weit einfacher“.

Einen Lieblingsspieler aus den 70er, 80er und 90er Jahren hat der heute 53-Jährige nicht. Aber an viele von ihnen gute Erinnerungen. „Peter Ament ist ein Begriff, Olaf Ansorge und Siggi Reich natürlich“, aber auch unbekanntere Namen wie „Ralf Kammel, Eddy Nobs oder Michael Maaß“ fallen ihm spontan ein. Es war die Zeit, als Fußballer zu sein noch nicht ausreichte, um davon leben zu können.

Das Spiel, an das sich Wochnik am liebsten zurückerinnert, markiert in dieser Hinsicht zugleich die Wende. Es ist das dramatische Aufstiegsfinale 1997, als der VfL durch ein 5:4 gegen Mainz erstmals in die 1. Liga aufsteigt. „Ein ganz, ganz besonderes Spiel“, sagt Wochnik, aber nicht allein wegen des Ergebnisses und der Folgen. Vielmehr wegen der persönlichen Erlebnisse. „An diesem Tag habe ich mein erstes Trikot von einem Spieler geschenkt bekommen.“ Ein einschneidendes Erlebnis hatte er mit dem langjährigen Trainer Wolfgang Wolf, der ihn in die Trainerkabine einlud, um über Taktik zu sprechen. „Komm mit ins Büro, ich erkläre dir das mal“, habe Wolf gesagt.

Die Zeiten ändern sich, doch Wochnik ist immer noch da. Nicht nur bei den Heimspielen, wo er seinen Platz in der Arena in Block 38 hat, sondern so oft es geht auch beim Training der Profis. Die anderen Teams des Klubs, vor allem die Frauen und die U23, verfolgt er ebenfalls. Wochnik begreift sein Fan-Dasein umfassend. „Der VfL als Verein hat mich schon immer sehr interessiert“, erklärt er. Das mag der eine oder andere verrückt finden. Doch für jemanden, der im Schatten der Flutlichtmasten am Elsterweg groß geworden ist, ist das vielleicht nur logisch.

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