Virtuell kann der Fußball beim VfL Wolfsburg noch rollen

Wolfsburg.  Doch auch die E-Sportler des VfL Wolfsburg haben mit der Corona-Krise zu kämpfen, weil Events ausfallen.

Steht seit 2015 beim VfL Wolfsburg unter Vertrag: E-Sportler Benedikt Saltzer gehört zu den Pionieren in der Bundesliga.

Steht seit 2015 beim VfL Wolfsburg unter Vertrag: E-Sportler Benedikt Saltzer gehört zu den Pionieren in der Bundesliga.

Foto: Darius Simka / regios24

Beim VfL Wolfsburg ruhen die sportlichen Aktivitäten aufgrund des Coronavirus’. Selbst die Bundesliga-Profis haben das Training ausgesetzt. Doch es gibt eine Abteilung, in der rollt der Ball trotz aller Beschränkungen des öffentlichen Lebens weiter. Die E-Sportler der Grün-Weißen sind die einzigen, die noch bedenkenlos Fußball spielen können – zumindest virtuell. „Darüber bin ich froh“, sagt Benedikt Saltzer, der in der Welt des Online-Sports besser unter dem Synonym „SaLz0r“ bekannt ist. Wer jedoch dachte, dass die Corona-Krise keine Auswirkungen auf die virtuellen Sportler hat, der irrt.

Zwar können Saltzer und Co., anders als die Wolfsburger Bundesliga-Profis, trainieren und online gegeneinander spielen. Doch das ist inzwischen nur ein Teil ihres Alltags. Denn die Preisgelder, die Punkte für die Ranglisten und das Prestige gibt es vor allem bei Turnieren wie dem „FUT Champions-Cup“, der deutschen Meisterschaft sowie natürlich der Europa- und Weltmeisterschaft. „Und die Hauptturniere sind schon alle abgesagt“, erklärt Saltzer. Dabei sind es diese Events, für die die Aktiven leben, auf die sie sich lange vorbereiten, Stunde um Stunde üben. „Es ist genau so, als wenn die Fußballprofis nur noch trainieren und nicht mehr spielen würden“, so der Wolfsburger.

Was man wissen muss: Für ihn ist der E-Sport längst keine Freizeitbeschäftigung mehr. Es ist sein Beruf. „Ich sehe es als meinen Job an, ja“, sagt Saltzer. Das muss er auch, anders ist der zeitliche Aufwand nicht zu bewältigen. In diesen Tagen sitzt der 27-Jährige acht Stunden vor der Konsole mit der Fußballsimulation „Fifa“, in der er zur Weltspitze gehört. Saltzer wurde mehrfach deutscher Meister, auch der Titel des Europameisters steht im Trophäenschrank. In der schon abgelaufenen Spielzeit der „Virtual Bundesliga“, in der 22 Klubs aus der 1. und 2. Liga mit Spielern vertreten sind, schaffte er es mit dem VfL auf einen starken Platz 5.

Die Wolfsburger gehören zu den Pionieren des deutschen E-Sports. Bereits seit Mai 2015 engagiert sich der Verein in diesem Bereich, nahm als ersten Spieler Saltzer unter Vertrag. Seitdem wurde das Engagement stetig ausgebaut, inzwischen gehören mit Dylan Neuhausen („DullenMIKE“) und Benedikt Bauer („BeneCR7x“) zwei weitere Akteure dem Team an und vertreten die VfL-Farben in der virtuellen Welt der Fußball-Simulation „Fifa“. Zudem gründete der Klub die E-Academy, um in Zukunft eigene Talente im E-Sport hervorzubringen.

Unterstützung haben sie im Klub vor allem in Person von Marketing-Geschäftsführer Michael Meeske. Schon bei seinem Ex-Arbeitgeber in Nürnberg hatte der 48-Jährige den Bereich mit aufgebaut. Er erklärte im WN-Interview: „E-Sports stellt heutzutage auch Fußballkultur dar, gerade in den jungen Zielgruppen. Das ist nicht nur ein Trend, sondern wird Bestandteil bleiben. Deshalb tut man gut daran, das Thema auch zu begleiten.“ Ob der virtuelle den „echten“ Fußball eines Tages ablösen werde, wurde Meeske auch gefragt. „Das kann ich mir in Anbetracht des aktuellen Abstands nur schwer vorstellen“, sagte er. Doch in der Corona-Krise hat’s der E-Sport deutlich leichter, selbst wenn Turniere ausfallen.

Einige Beobachter erwarten jetzt einen weiteren Schub für die ohnehin boomende Branche. Schließlich müssen die Menschen zu Hause bleiben. In Italien, wo eine Ausgangssperre gilt, soll das Internet-Volumen um 70 Prozent gestiegen sein – und das meiste auf Online-Spiele entfallen. Weltweit am meisten gezockt werden dabei die Strategiespiele „Dota“ und „League of Legends“. Hier gibt es Preisgelder in Millionen-Höhe zu gewinnen, die Finalturniere finden meist vor tausenden Zuschauern in großen Hallen statt. So weit ist der E-Sport in Deutschland noch nicht. Doch der Markt wächst.

Beschleunigt die Corona-Krise das Wachstum? Entdeckt die Masse jetzt den E-Sport für sich? „Es kommt darauf an, wie die Branche damit umgeht“, sagt Saltzer, der auf ein gesteigertes Interesse hofft. „Vielleicht haben jetzt mehr Menschen ein Augenmerk auf den E-Sport.“ Und das könne man in diesen Zeiten auch nutzen, um seinen Beitrag zu leisten. Saltzer denkt an „Showspiele“ für den guten Zweck, alles online natürlich. So könnten auch die E-Sports ein klein wenig helfen.

Ehe der 26-Jährige virtueller Fußballprofi wurde, spielte er übrigens auch recht erfolgreich auf dem grünen Rasen. Bis in die fünftklassige Hessenliga schaffte es Saltzer. „Es ist schade, dass man seinen Sport draußen gerade nicht mehr ausüben kann. Das fehlt einem auch als Ausgleich nach den vielen Stunden vor dem Bildschirm.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder