Der VfL Wolfsburg und die Bundesliga im Wartestand

Wolfsburg.  Auf die Spieler des VfL Wolfsburg warten wohl weitere Geisterspiele. Schmadtke übers DFL-Treffen: „Ein konstruktiver Austausch.“

Wann es wieder solche Bilder geben wird, ist offen: Das Heimspiel des VfL Wolfsburg (Mitte Yannick Gerhardt) gegen RB Leipzig könnte auf längere Zeit das letzte gewesen sein. Zudem drohen in der Bundesliga weitere Geisterspiele.

Wann es wieder solche Bilder geben wird, ist offen: Das Heimspiel des VfL Wolfsburg (Mitte Yannick Gerhardt) gegen RB Leipzig könnte auf längere Zeit das letzte gewesen sein. Zudem drohen in der Bundesliga weitere Geisterspiele.

Foto: Darius Simka / regios24

Der VfL Wolfsburg hat sich heruntergefahren, der gesamte Klub hat sich aufgrund der Corona-Krise eine Auszeit verordnet. Auch die Bundesliga-Profis trainieren aktuell nicht. Erst am Montag sollen sie wieder auf dem Platz stehen, um sich auf die restlichen Saisonspiele vorzubereiten – falls die denn über die Bühne gehen. Beim Mitgliedertreffen der Deutschen Fußball-Liga wurde lediglich entschieden, dass der Ball bis zum 2. April ruhen soll . Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen. Die wahrscheinlichste Option, weil das kleinere Übel: weitere Geisterspiele.

Der VfL hatte bereits ein solches. Am vergangenen Donnerstag gab’s vor leeren Rängen in der VW-Arena ein 1:2 in der Europa League gegen Schachtar Donezk. „Ich hoffe, dass wir keine weiteren Geisterspiele haben werden“, sagte VfL-Coach Oliver Glasner hinterher. Sein Wunsch wird jedoch aller Voraussicht nach nicht in Erfüllung gehen. Denn wie Christian Seifert, der Geschäftsführer der DFL, am Montag nach der Mitgliederversammlung in Frankfurt erklärte, seien Geisterspiele „in naher Zukunft die einzige Chance“, überhaupt Fußball zu spielen. „Deshalb bitte ich um Verständnis und Unterstützung, dass wir darüber nachdenken müssen.“

Das sieht auch Jörg Schmadtke nicht anders. Der Sport-Geschäftsführer, der am Montag seinen 56. Geburtstag feierte, vertrat den VfL bei dem Treffen. „Alles in allem war es ein konstruktiver und kollegialer Austausch“, sagte Schmadtke. „Wir werden in dieser Woche unsere Hausaufgaben machen und danach sehen, wie wir weiter vorgehen – auch vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Uefa-Tagung am Dienstag und der weiteren Entwicklungen.“ Denn am Dienstag berät der europäische Fußballverband über eine Verlegung der EM, die eigentlich am 12. Juni starten sollte. Damit soll den nationalen Ligen Zeit verschafft werden, die Saison zu Ende zu bringen. „Ich gehe davon aus, dass die nationalen Ligen mit dem morgigen Tag mehr Flexibilität haben“ , erklärte Seifert. Auch die Frage, wie oder ob es mit der Champions und Europa League weitergehen wird, steht bei der Uefa auf der Tagesordnung.

DFL-Geschäftsführer Seifert betonte oft, dass die Eindämmung des Corona-Virus’ absolute Priorität habe. Aber es geht bei der Frage, wann wieder gespielt werden kann, natürlich auch ums Geld. Sollte die Saison nicht beendet werden können, drohen der Liga Verluste in Höhe von einer dreiviertel Milliarde Euro. Der VfL gehört dabei dank der Unterstützung von Klubeigner Volkswagen zu den Vereinen, die bei einem Wegfall des TV-Geldes nicht um ihre Existenz bangen müssen. Bei einem Großteil der Klubs sieht das anders aus. „Alle haben den Anspruch, die Saison in irgendeiner Art und Weise – solange rechtlich möglich und gesundheitlich vertretbar – regulär zu Ende kommen zu lassen“, so Seifert. Das TV-Geld fließt nämlich nur, wenn tatsächlich gespielt wird.

Dass die 36 Vereine der DFL um Staatshilfen bitten, war jedoch kein Thema. Die Verantwortlichen wollen sich zunächst einen Überblick darüber verschaffen, wie lange die Klubs ohne Spiele wohl durchhalten würden. Die Rede ist auch von „Worst-Case-Szenarien“. Das meinte Schmadtke mit den „Hausaufgaben“, die nun zu erledigen seien. Von Staatshilfen, zumindest zu diesem Zeitpunkt, hält der Geschäftsführer nichts. „Das würde nämlich zu null Verständnis führen und einen Imageschaden mit sich bringen, der aus meiner Sicht nicht mehr reparabel scheint“, erklärte er in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Über einen Abbruch wurde zwar auch gesprochen, konkrete Szenarien für diesen Fall gebe es laut Seifert jedoch nicht. Stattdessen wollen sich die Klubs in der Woche ab dem 30. März erneut zusammensetzen und abstimmen. Dass am ersten April-Wochenende, wenn der VfL bei Bayer Leverkusen zu Gast wäre, der Ball wieder rollt, glaubt jedoch keiner. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir nicht davon ausgehen, ab dem 3. April wieder zu spielen“, sagte Seifert.

In Wolfsburg bleibt der Zeitplan erst einmal wie gehabt. Bis Montag bleiben die Profis des VfL getrennt, das Training ist ausgesetzt. Jeder darf sich frei bewegen, soll aber soziale Kontakte eingrenzen und das Land nicht verlassen. Zudem hält der Verein sie auf dem Laufenden. Das ist Schmadtke wichtig. „Wir achten darauf, dass unsere Spieler alles Wesentliche von uns aus erster Hand erfahren und nicht durch so manchen Blödsinn, der im öffentlichen Umlauf ist“, sagte der 56-Jährige. Die drei Geschäftsführer des VfL (Schmadtke, Tim Schumacher, Michael Meeske) stehen deswegen im ständigen Austausch, während viele andere Mitarbeiter nach Hause geschickt wurden, um von dort zu arbeiten.

Wann sie wiederkommen dürfen, kann im Moment niemand sagen. Oder wie es Seifert ausdrückte: „Wenn der Corona-Virus unser größter Feind ist, ist die Unsicherheit unser zweitgrößter Feind.“

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