Eintracht und der VfL: faszinierend anders

Ein Kult-Klub in Braunschweig, ein Erfolgsteam in Wolfsburg – Fußball bewegt die Region.

Tobias Rau.

Tobias Rau.

Foto: Susanne Hübner

Über die Autobahnen 2 und 39 sind es nur knapp 40 Kilometer vom Eintracht-Stadion in Braunschweig zur VW-Arena des VfL Wolfsburg in der Autostadt. Wenn auf den Straßen wenig los ist, schafft man den Weg in 30 Minuten. Trotzdem hat sich zwischen diesen Klubs nie so eine Rivalität entwickelt wie im Ruhrpott zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund oder in Franken zwischen dem Club aus Nürnberg und Greuther Fürth. Für die Braunschweiger bleibt das Duell mit Hannover 96 das Niedersachsen-Derby, und die Wolfsburger haben es sich in den vergangenen Jahren in der Bundesliga gemütlich gemacht, während die Löwen mit nur einem Jahr Ausnahme seit 1985 unterklassig spielen.

Komischer Weise sind es aber auch genau diese beiden Punkte, die hin und wieder doch für ziemliche Reibung zwischen den beiden Fanlagern sorgen. Obwohl die direkten Aufeinandertreffer in den vergangenen Jahrzehnten rar waren, gönnt man sich gegenseitig wenig bis nichts. Einer, der beide Seiten erlebt hat und die unterschiedlichen Gemütslagen und Befindlichkeiten in den Klubs kennt, ist Tobias Rau. Der siebenfache deutsche Nationalspieler und ehemalige Profi des FC Bayern München ist in Braunschweig geboren, aufgewachsen und schloss sich in der Jugend der Eintracht an. Mit 17 debütierte er für die Löwen in der Regionalliga, zwei Jahre später ereilte ihn der Ruf des VfL – auf in die Bundesliga.

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„Ich habe dem VfL sehr viel zu verdanken. In Wolfsburg wurde ich zum Bundesliga- und Nationalspieler. Das vergisst man nicht“, sagt Rau (37), der nach der Profi-Karriere als Lehrer arbeitet. Und auch wenn er nur zwei Jahre in Wolfsburg blieb, ist die Verbindung zu den Grün-Weißen nie abgerissen. Intensiver sind allerdings seine Kontakte in die Heimatstadt Braunschweig, auch weil er seit vergangenem Jahr Mitglied des Aufsichtsrats bei der Eintracht ist. „Die Eintracht ist mein Heimatverein, und da steckt nicht nur bei mir viel Herzblut drin, sondern auch bei vielen anderen Menschen in der Region. Es ist unglaublich, mit wie vielen Emotionen die Menschen im Umfeld mit ihrem Klub zittern und feiern“, sagt Rau. Er weiß: In Südostniedersachsen wird der Fußball intensiv gelebt, ob nun als Blau-Gelber oder als Grün-Weißer. Und sowohl die Eintracht als auch der VfL haben sich in der Fußballgeschichte verewigt. Bei den Braunschweigern gehört der sensationelle Gewinn der Meisterschaft 1967 zur DNA des Klubs. Er ist Stolz und zugleich auch ein wenig Fluch der Löwen. Zum einen hebt dieser Coup die Eintracht ein bisschen von anderen Vereinen ab, zum anderen lässt das Schwelgen in der Vergangenheit hin und wieder auch mal die Probleme der Gegenwart aus dem Blick verlieren. Gegen die Zeiten, als man noch vor dem FC Bayern München in der Tabelle stand, erscheint jede Saison in der 3. Liga noch einmal besonders grau. Vor allem, wenn sie in der vergangenen Spielzeit fast zum erstmaligen Absturz in die Viertklassigkeit geführt hätte. Dennoch halten die Fans der Eintracht mit unglaublicher Treue die Stange. Nur Kaiserslautern lockt in Liga 3 mehr Zuschauer.

Bei der Tradition kann der VfL vielleicht nicht mithalten. Doch die Wölfe haben ebenfalls schon Geschichte geschrieben. In den vergangenen zehn Jahren haben sie trotz einiger sportlicher Tiefschläge fleißig an ihrem Briefkopf gearbeitet. Meister 2009, DFB-Pokalsieger 2015 sowie der Erfolg im Supercup im gleichen Jahr. Dazu viele tolle Auftritte auf der Bühne Europa – langweilig wird es beim VfL nie.

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