Magaths Urteil zur Meisterdoku des VfL Wolfsburg: Überragend

Wolfsburg.  350 begeisterte Premierengäste, darunter Ex-Spieler und -Offizielle, sehen den anekdotenreichen Film, der anlässlich des Titeljubiläums entstand.

Die VfL-Meisterspieler Alexander Madlung (von links), André Lenz und Josué zeigten sich berührt vom Film.

Die VfL-Meisterspieler Alexander Madlung (von links), André Lenz und Josué zeigten sich berührt vom Film.

Foto: Darius Simka / regios24

Nein, ein Film, um sich selbst bloß abzufeiern, ist es nicht geworden. „10 Jahre Deutscher Meister“, das dritte VfL-Werk von Regisseur und Fan Chris Krüger, beleuchtet die Meistersaison 2008/2009 des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten und lebt von bislang unveröffentlichten und in den VfL-Archiven schlummernden Video-Interviews mit damaligen Spielern, Betreuern und Verantwortlichen. Alles zusammen erzählt humorig und hintergründig eine (hoffentlich nicht) einmalige Sportgeschichte der „Wölfe“.

Die 350 geladenen Premierengäste am Donnerstagabend im Delphin-Kino in der Wolfsburger Innenstadt erleben kein bildgewaltiges Spektakel, wie es Krügers Erstlingswerk „20 – Der Stress lohnt sich“ mit Bildern aus der Fastabstiegssaison 2016/2017 zum 20-jährigen Bundesliga-Jubiläum des VfL war. Der neue Film ist leiser.

Im Jahr nach der Meisterschaft ließ der seinerzeit neue Pressechef der „Wölfe“, Gerd Voss, eine Reihe Meisterspieler die Geschichte des bislang größten VfL-Erfolgs vor laufender Kamera erzählen. Drei von ihnen befanden sich unter den Ehrengästen. Der damalige Kapitän und Mittelfeldabräumer Josué, Innenverteidiger Alexander Madlung und Ersatztorwart André Lenz schwärmten hinterher. Erinnerungen und Emotionen wurden wieder wach. „Der Film ist sehr emotional“, gestand Josué.

Ausgeschmückt mit nach wie vor spektakulär anzuschauenden Original-Spielszenen und ergänzt um aktuelle Interviews mit den damaligen Stars Grafite, Edin Dzeko und Andrea Barzagli dürfte die einstündige Filmdokumentation auch Nicht-VfL-Fans mitnehmen und unterhalten, wenn sie sich darauf einlassen wollen.

Und sie bringt auch ein paar Details und Anekdoten zum Vorschein, die bisher im Verborgenen lagen. Physiotherapeut Jörg Drill, der gerade erst nach fast 16 Jahren Tätigkeit in Wolfsburg verabschiedet wurde, verrät: Der legendäre 5:1-Heimsieg des VfL gegen Bayern München hätte eigentlich ein 6:3 werden sollen. Dieses Ergebnis hatten die Spieler getippt und vorab in einen in der Kabine aufgehängten Spielplan eingetragen, wie sie es zu der Zeit immer taten. Hinterher wurde das falsche Resultat dick überschrieben.

Auch die Bergtour im Trainingslager 2008 in der Schweiz war Thema, bei der Meistertrainer Felix Magath die Spieler fünfeinhalb Stunden auf den Gipfel des Bergs Niesen am Thuner See scheuchte, so dass Grafite einen Schwächeanfall erlitt. Endlich in einem Ausflugslokal angekommen, plünderten die unterzuckerten Profis zum Leidwesen der Wirtsleute das Kuchenbuffet. „Dafür müssen wir uns eigentlich noch mal entschuldigen“, sagte Meisterspieler Christian Gentner.

Schonungslos offen war wieder einmal Ashkan Dejagah, der – ohne nachtragend zu wirken – erzählte, dass ihn Magath auch schon mal als „Du Hirnloser“ bezeichnete. Und während des Autokorsos zur Meisterfeier stellte „Asche“ empört fest, dass nur Wasserflaschen im Cabrio lagen. „Da bin ich unterwegs ausgestiegen und habe einen Sixpack Bier geholt.“ Madlung, mit dem er zusammen im Auto saß, erinnerte sich nun amüsiert. „Ashkan sprang an der Esso-Tankstelle aus dem Wagen, der ja nur langsam vorankam.“

Den verdienten Applaus erhielten Regisseur Krüger und alle am Film Beteiligten nach kurzweiligen 60 Minuten. Per Videobotschaft zu Vorstellungsbeginn hatte Magath, der bereits im Vorfeld als Erster hatte schauen dürfen, von einem „überragenden Film“ gesprochen. Wenn das kein Ritterschlag ist...

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