Meeske: „Ein volles Stadion ist der Schlüssel“

Wolfsburg.  Im Interview spricht Michael Meeske, der neue Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, über die Zukunft des Bundesligisten.

Ein Blick in die Zukunft des VfL Wolfsburg: Der neue Geschäftsführer Michael Meeske will den Bundesligisten noch innovativer machen.

Ein Blick in die Zukunft des VfL Wolfsburg: Der neue Geschäftsführer Michael Meeske will den Bundesligisten noch innovativer machen.

Foto: Christian Schroedter / imago

Aus seinem Fenster hat Michael Meeske den besten Blick auf den Trainingsplatz seines neuen Klubs, dahinter baut sich die VW-Arena auf. Auch beim 1. FC Nürnberg, seinem Ex-Klub, konnte der neue Geschäftsführer des VfL Wolfsburg die Übungseinheiten unter Trainer Michael Köllner beobachten. Tipps an Bruno Labbadia wird Meeske aber nicht erteilen, dafür ist er nicht zuständig. Der 47-Jährige ist beim VfL der Innovationsminister. Daher sprach er vor dem Duell über seine Vergangenheit beim „Club“ – und ausführlich über die Wolfsburger Zukunft rund um Internationalisierung, Regionalisierung und E-Sports.

Wie gut sind Sie denn selbst an der Spielekonsole?

Leider nicht so gut. Ich würde es gerne besser beherrschen, weil ich sehe, dass es bei meinen Kindern auch ein Thema ist. Es würde mir schon Genugtuung verschaffen, sie da noch ein wenig im Zaum halten zu können. Doch dazu fehlt einfach die Praxis und Fingerfertigkeit.

Aber der Ehrgeiz ist da?

Grundsätzlich ja, aber ich muss gestehen, dass mir Dinge nicht ganz so viel Spaß machen, wenn ich schnell merke, dass ich sie nicht so gut kann. (lacht)

Worauf die Fragen abzielen: Der VfL ist schon früh auf den Zug mit E-Sports aufgesprungen. Wird das das große Thema der kommenden Jahre?

Vielleicht nicht das größte Thema, aber es ist eines der Themen, mit denen wir uns auch sehr intensiv beschäftigen. Denn E-Sports stellt heutzutage auch Fußballkultur dar , gerade in den jungen Zielgruppen. Das ist nicht nur ein Trend, sondern wird Bestandteil bleiben, deshalb tut man gut daran, das Thema auch zu begleiten. Wir waren einer der Innovatoren in diesem Geschäft, einige Vereine haben dann nachgezogen. Jetzt gilt es für den VfL, sich weiterhin zu behaupten und den nächsten Schritt zu gehen.

Wie sieht der denn aus? Wo wird der E-Sport in fünf Jahren stehen?

Wir wollen diesen Bereich künftig breiter aufstellen, eine gewisse Infrastruktur entwickeln und konkret über mehr Veranstaltungen oder naheliegende E-Sport-Disziplinen nachdenken. Ich glaube, dass seitens der Bundesliga noch einige Schritte angegangen werden, um etwa den Teamsport-Gedanken noch stärker in den Fokus zu rücken. Ansonsten werden sich über kurz oder lang sicher noch Ligensysteme herausbilden, wo wir dank unseres Nachwuchskonzeptes auch gut aufgestellt sind. Dann gilt es zu schauen, was weitere Formate sein könnten wie etwa Turniere. Man sieht zwar, dass die Spielformate, die erst einmal nichts mit Fußball zu tun haben wie etwa „League of Legends“ oder "Dota“, die ökonomisch spannendsten sind. Auf der anderen Seite zeigen die Einschaltquoten, dass auch Fußball dort eine Größe hat, wenn auch keine wirtschaftliche Relevanz in dem Sinne, dass bei Turnieren Top-Preisgelder ausgeschüttet werden.

Kann der E-Sport den „echten“ Fußball in Zukunft in irgendeiner Weise angreifen?

Das kann ich mir in Anbetracht des aktuellen Abstands nur schwer vorstellen. Es gibt aber sicherlich klassische Sportarten, die aufpassen müssen, dass sie nicht über kurz oder lang vom E-Sport verdrängt werden.

Dabei gehen die Zuschauerzahlen im Fußball, etwa bei Länderspielen, auch schon zurück...

Aktuell sehen wir zwar im Fußball eine gewisse Stagnation auf hohem Niveau, während der E-Sport noch wächst. Aber die Ausgangssituation ist wie gesagt sehr unterschiedlich. Wirtschaftlich zum Beispiel setzt der Fußball global knapp 50 Milliarden Euro um, wohingegen der E-Sport allgemein in den nächsten Jahren die erste Milliarde anstrebt.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich neben dem E-Sport aktuell noch schwerpunktmäßig?

Wir beschäftigen uns gerade intensiv mit der Ist-Situation und wie wir in Anbetracht der Erwartungen unserer Fans und Partner noch besser werden können. Dabei spielt vor allem die Mobilisierung der Region eine Rolle, aber natürlich auch die Internationalisierung. Vor allen Dingen brauchen wir aber ein volles Stadion, denn das ist sicherlich ein wichtiger Schlüssel für alles andere.

Ist der sportliche Niedergang des Lokalrivalen Eintracht Braunschweig in dieser Hinsicht nicht eine große Chance für den VfL, um besonders die jüngere Generation für sich zu begeistern?

Es ist zumindest strategisch eine Chance, aber grundsätzlich sind das erfahrungsgemäß langfristige Effekte. Wir werden einen Braunschweiger, der sehr eng mit der Eintracht verbunden ist, nicht zu uns ziehen, nur weil dann zwei Ligen zwischen den Mannschaften liegen.

Aber der eine oder andere würde sich sicherlich lieber ein Bundesliga-Spiel anschauen als eines in der 4. Liga gegen Havelse...

Diejenigen, die Fußball aus einer Performance-Sicht sehen, würde man zumindest auf dem Papier wohl eher für Wolfsburg begeistern können, immer vorausgesetzt, dass die Rollen tatsächlich langfristig so blieben. Wenn es weniger hochklassigen Fußball in der Region gibt, ist das natürlich erst einmal ein Vorteil für den Bundesligisten. Doch bei jemandem, der emotional eng mit der Eintracht verbunden ist, bleibt es schwierig. Und natürlich wünschen wir den Braunschweigern, dass sie sich sportlich schnellstmöglich wieder stabilisieren.

Wie ist denn Ihr erster Eindruck von Wolfsburg seit ihrem Amtsantritt im November ?

Der erste Eindruck hat sich in den wenigen Wochen bestätigt. Es gibt sehr viel Engagement rund um den VfL und sehr viel Interesse. Ich blicke zuversichtlich ins neue Jahr.

Die Strukturen sind ein wenig anders, Stichwort Volkswagen. Haben Sie sich dort schon gut eingefunden?

Ich hatte diesbezüglich gute Hilfe von Wolfgang Hotze, auch die Unterstützung des Aufsichtsrats-Präsidiums hat es mir leichter gemacht. Von den Abläufen und den Prozessen her ist es ein wenig anders als bei anderen Bundesliga-Vereinen, aber ich erlebe da eine Offenheit und die Bereitschaft, uns bei den Herausforderungen, die anstehen, gut zu begleiten.

Inwiefern kann der VfL von VW in Sachen Innovation und Internationalisierung profitieren?

Das ist schon hilfreich für uns, auch mit dem neuen Fußball-Center in Fallersleben, das für uns neben den persönlichen Beziehungen nun die Schnittstelle zum Konzern bildet. Eine große Frage ist gerade, welche Rolle der VfL neben der des Fußball-Klubs am Standort noch spielen kann. Das diskutieren wir aktuell intensiv.

In der Bundesliga geht es am Freitag für den VfL zu Ihrem Ex-Klub nach Nürnberg. Wie viele Karten mussten Sie denn besorgen?

Die Familie schafft es leider nicht, aber ich bin natürlich vor Ort und habe noch ein, zwei Weggefährten an meiner Seite. Den einen oder anderen Smalltalk mit Ex-Kollegen werde ich sicherlich führen.

Was erwarten Sie für einen Empfang?

Ich denke positiv und offen. Ich hatte eine schöne und erfolgreiche Zeit in Nürnberg, und wir sind im Guten auseinandergegangen.

Wie beurteilen Sie die sportliche Lage der Nürnberger?

Sie wissen die Situation gut einzuschätzen. Man ist sich bewusst, dass die Bundesliga eine große Herausforderung ist. Die Mannschaft hat Teamspirit, und das wird ein großer Faktor am Ende sein.

Können Sie denn VfL-Trainer Bruno Labbadia noch ein paar Tipps geben?

(lacht) Nein, das glaube ich nicht. Die Mannschaft wird sicherlich auch ohne meine Einschätzung gut vorbereitet sein, und auch die Nürnberger werden wissen, was mit dem VfL auf sie zukommt.

Was ist denn Ihr Wunschresultat? Ein hochklassiges 5:6?

(lacht) Ich kann mich natürlich nicht freimachen. Ich bin jetzt beim VfL, und uns täten die Punkte sehr gut, um den Aufwärtstrend zu stabilisieren. Ich würde gerne den Dreier mit nach Wolfsburg nehmen, aber sofort danach den Nürnbergern wieder alle Daumen drücken. Es ist ein beeindruckender Verein, der mich auch emotional mitgenommen hat.

War das Ihre schönste Station bislang?

Das kann ich schwer sagen, zehn Jahre beim FC St. Pauli waren natürlich extrem prägend. Auch das ist ein besonderer Verein, der einen emotional nicht kalt lässt.

Fußballer sammeln meistens die Trikots ihrer Gegenspieler. Haben Sie denn von Ihren Stationen immer etwas mitgenommen?

Von den Nürnbergern habe ich ein großes Mannschaftsfoto in Acryl mit allen Unterschriften bekommen, von St. Pauli eine Schmuckurkunde und eine Anleihe. Bei Hannover 96 war ich zuständig für das Sponsoring von Tui. Und die Spieler, die etwas genervt waren von den vielen PR-Terminen, haben eine Tui-Bande zerschossen und mir zum Abschied ein Stück davon mit Unterschriften geschenkt. Das fand ich sehr originell. (lacht)

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder