„Der Arzt hat gesagt: Deine Saison ist vorbei“

Wolfsburg  Doch Marcel Tisserands Leidenszeit beim VfL Wolfsburg endet früher als gedacht. „Ein bisschen überraschend.“

Kann wieder lachen: Marcel Tisserand kann viel schneller wieder mitmischen als diagnostiziert.

Kann wieder lachen: Marcel Tisserand kann viel schneller wieder mitmischen als diagnostiziert.

Foto: regios24/Simka

Drei Trainer haben sich in dieser Saison am VfL Wolfsburg versucht – und alle verbindet eines: Immer wieder machten ihnen Verletzungen einen Strich durch die Rechnung. Auch Bruno Labbadia, der aktuelle Übungsleiter, kann ein Lied davon singen. Umso größer ist die Freude, wenn es mal gute Nachrichten gibt. So wie die, dass Marcel Tisserand so schnell wie nie vermutet wieder zur Verfügung stehen kann.

„Wenn ich in dieser Woche jeden Tag trainiere“, sagt der Kongolese, „bin ich gut auf das Wochenende vorbereitet.“ Am Freitag gegen Augsburg hatte er bereits auf der Bank gesessen, fürs Spiel am Freitag in Mönchengladbach gibt der 25-Jährige schon grünes Licht für mehr. Dabei war bei ihm erst Anfang Februar ein Sehnenriss im Oberschenkel diagnostiziert worden. „Der Arzt hat zu mir gesagt: Deine Saison ist vorbei“, erzählt Tisserand. „Aber ich jetzt bin ich zurück. Das ist ein bisschen überraschend.“

Inzwischen ist es bei den VfL-Profis gang und gäbe, dass sie sich eine zweite Meinung zu Verletzungen einholen. Dabei hatte der Verein erst im vergangenen Jahr die medizinische Versorgung neu organisiert. Als neue Abteilung wurde das sogenannte „VfL.Med“ gegründet, unter der Leitung von Heiko Wehe sollten „einheitliche Standards“ in der medizinischen Betreuung sichergestellt werden. Doch bei einer Saison mit so vielen Verletzungen sollte auch diese Abteilung auf dem Prüfstand stehen, um zu erforschen, ob es ein grundlegendes Problem beim VfL gibt. Im Abstiegskampf liegen die Prioritäten aber woanders. „Das müssen wir nachher überlegen“, schiebt Labbadia das Thema zur Seite – erst einmal...

Für Tisserand ist die Leidenszeit jetzt vorbei. „Aber ich brauche noch Zeit, um auf mein bestes Niveau zu kommen“, sagt er ehrlich. Doch wenn ihn sein Trainer braucht, will er da sein – egal auf welcher Position. Unter Labbadias Vorgänger Martin Schmidt kam der Franzose vor allem als linker Verteidiger zum Einsatz. „Aber meine Position ist in der Mitte“, so Tisserand, der jedoch im gleichen Atemzug sagt: „Ich helfe der Mannschaft dort, wo der Trainer mich haben will.“

Im Abstiegskampf kann der VfL jede Hilfe gebrauchen. Und Tisserand, der im vergangenen Sommer vom FC Ingolstadt kam, kann helfen. Mit den „Schanzern“ war er abgestiegen. Das soll ihm mit Wolfsburg nicht erneut passieren. „Hier ist die Situation anders, es gibt mehr Talent und Potenzial. Mit Spielern wie Divock Origi oder Josuha Guilavogui“, so Tisserand in einem Anflug von Übermut, „kannst du um Europa spielen.“ Dass der VfL davon so weit entfernt ist, liegt aber nicht nur an der Verletzungsmisere.

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