Der VfL braucht die Champions League

Wolfsburg  Für die „Wölfe“ steht in der Krise viel auf dem Spiel. Wird die Königsklasse verpasst, drohen sogar Spielerverkäufe.

Aktuell ist der VfL Wolfsburg dem VW-Konzern bis zu 100 Millionen Euro in der Saison wert. Ohne die Champions League könnte sich das ändern.

Aktuell ist der VfL Wolfsburg dem VW-Konzern bis zu 100 Millionen Euro in der Saison wert. Ohne die Champions League könnte sich das ändern.

Foto: dpa

Offiziell wird die Champions League beim VfL Wolfsburg als Saisonziel noch nicht aufgegeben. Doch bei sechs Punkten Rückstand auf Platz 4 und noch drei anderen Mannschaften dazwischen ist die erneute Qualifikation für die Königsklasse weit in die Ferne gerückt. Kommt es im Mai wirklich so, würde den Klub das teuer zu stehen kommen. Es drohen sogar Spielerverkäufe.

Wie unsere Zeitung aus zuverlässiger Quelle erfuhr, wird der Fußball-Bundesligist ohne die Einnahmen aus der Königsklasse wohl nicht um Etat-Einsparungen herumkommen. Auch die Diskussionen um die künftigen VW-Millionen dürften ohne die ganz große europäische Bühne weiter Fahrt aufnehmen. Offiziell äußert sich dazu weder VW noch der VfL.

Mit bis zu 100 Millionen Euro wird der VfL pro Saison von seinem Eigner unterstützt. Die Summe verteilt sich auf mehrere Verträge zwischen Mutter- und Tochterfirma, die genau regeln, für welche Leistung der Verein wie viel Geld bekommt. Die „Wölfe“ kassieren unter anderem für die VW-Werbung auf den Trikots und im Stadionnamen. Die meisten dieser Verträge laufen zwar noch über die Saison hinaus, ein Teil der Unterstützung müsste im Sommer aber verlängert werden.

Wird die Königsklasse verpasst, wirft das bei VW Fragen auf

Wird vorher die Qualifikation für die Champions League verpasst – sie allein bringt Einnahmen von mehr als 20 Millionen Euro ein – könnte im Sommer also der Rotstift angesetzt werden. Im Zuge der Abgasaffäre wurde darüber schon im Oktober diskutiert.

Grundsätzlich stellt der Autobauer sein Engagement zwar nicht infrage, und auch die Höhe der Subventionen soll in den nächsten Jahren ungefähr gleichbleiben. Die nach unseren Informationen intern klar kommunizierte Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die „Wölfe“ dauerhaft in der Champions League vertreten sind. Nur dieser Wettbewerb sichert VW die Plattform und damit den Werbewert, der die rund 100 Millionen Euro umfassende Unterstützung pro Saison rechtfertigt.

Erschwerend kommen für den VfL seit der Abgasaffäre die personellen Wechsel in der VW-Spitze hinzu. Unter Martin Winterkorn spielte der Klub in Konzernkreisen eine extrem wichtige Rolle, war neben Autos das Gesprächsthema Nummer 2. Doch inzwischen hat sich der Wind gedreht. Mit Herbert Diess hat ein Mann den VW-Markenvorstand übernommen, der eine höhere Rendite und mehr Produktivität als Ziele ausgegeben hat. Ihm eilt der Ruf des knallharten Sanierers voraus. Zusammen mit den Belastungen durch den Dieselskandal steht VW deshalb vor harten Sparrunden. Da kann das Engagement für Fußball-Millionäre nicht außerhalb jeder Diskussion bleiben – vor allem, wenn die hochgesteckten Ziele verfehlt werden.

Für den teuren Kader sind

Transferüberschüsse nötig

Doch auch ohne eine Einschränkung der VW-Mittel droht den „Wölfen“ beim Verpassen der Champions League ein Sparkurs. Ohne das rund 20 Millionen Euro hohe Startgeld aus der Champions League können die Wolfsburger ihren teuren Kader kaum halten, Transferüberschüsse wären wohl nötig. Manager Klaus Allofs hat bereits in dieser Saison gezeigt, dass er die erzielen kann. Das ging jedoch auch auf Kosten der sportlichen Qualität.

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