Fünfte Pleite in Folge für den VfL Wolfsburg II

Wolfsburg.  Noch tiefer rutscht Fußball-Regionalligist VfL Wolfsburg durch das 1:2 gegen Bremen II in die Krise. Spielanalyse und Kommentar der Redaktion.

Profi-Leihgabe Omar Marmoush (grünes Trikot) traf zur 1:0-Führung für den VfL Wolfsburg II. Am Ende reichte es jedoch wieder nicht zu Punkten.

Profi-Leihgabe Omar Marmoush (grünes Trikot) traf zur 1:0-Führung für den VfL Wolfsburg II. Am Ende reichte es jedoch wieder nicht zu Punkten.

Foto: Helge Landmann / regios24

Die Krise beim VfL Wolfsburg II spitzt sich weiter zu. Die U23-Fußballer verloren am Samstag ihr fünftes Spiel in Folge. Gegen die Reserve von Werder Bremen reichte es trotz Führung nicht zu einem Punktgewinn. In der Staffel Süd der Regionalliga Nord ging es durch ein 1:2 (1:1) runter auf den achten Tabellenplatz.

Aus Sicht von VfL-Coach Henning Bürger wäre mehr für sein Team möglich gewesen. „Ich kann der Mannschaft von der Herangehensweise keinen Vorwurf machen. Ich mit meiner Trainerbrille hätte ein Unentschieden als gerecht empfunden“, sagt er.

Marmoush verstärkt U23

Im Gegensatz zur 1:3-Heimniederlage unter Woche gegen den BSV Rehden agierten die „Jungwölfe“ von Beginn an konzentriert. In der Offensive bekam der VfL II diesmal Unterstützung von den Profis. Omar Marmoush ersetzte Bryang Kayo in der Startaufstellung. In der ersten Viertelstunde gab es noch keine echten Chancen auf beiden Seiten. Dann nahm das Spiel an Fahrt auf. Während Anselmo García Mac-Nulty in der 16 Minute noch die Führung aus kurzer Distanz verpasste, zeigte Marmoush 180 Sekunden später seine ganze Klasse. Aus etwa 20 Metern traf der Ägypter per traumhaft getretenem Freistoß zur 1:0-Führung – vor den Augen des im AOK-Stadion weilenden Bundesliga-Trainers Oliver Glasner.

Quasi aus dem Nichts glich die Mannschaft von der Weser nur vier Minuten später jedoch aus. Ein einfacher Heber über Wolfsburgs Dreierkette und ein kühner Abschluss per Außenrist von Eren Dinkci ins lange Eck führten zum 1:1-Ausgleichstreffer. Die „Jungwölfe“ brauchten nun ein paar Minuten, um sich zu fangen. In der 28. Minute kommt Werder-Angreifer Abdengo Nankishi nach einem Zweikampf mit Marcel Beifus im Strafraum zu Fall. Der folgende Pfiff sorgte bei Bürger sowie beim Wolfsburger Lazarett auf der Tribüne für große Aufregung. „Aus meiner Sicht grätscht Marcel und klärt den Ball zur Ecke, aber ich werde mir die Szene noch mal anschauen“, so Bürger. VfL-Keeper Lino Kasten blieb jedoch cool und hielt das 1:1 fest. Ein Glück, so fingen sich die Gastgeber wieder. Bürger schien der Mannschaft mit deutlich mehr Ansagen von draußen als sonst zu helfen. „Normalerweise bin ich eher der ruhige Typ, aber in manchen Szenen war ich richtig ,on fire’. Das muss auch so sein“, erklärt Bürger.

Patzer von Kapitän Klamt

Nach der Pause zeigten die Bremer, warum sie als einziges Team in der Regionalliga Nord noch nicht verloren haben. Nach einem katastrophalen Fehlpass von VfL-Kapitän Julian Klamt schlug Werder eiskalt zu. Auch seine zweite echte Chance nutzte Dinkci zum 2:1 (54.) für die Gäste. Kurz darauf verpassten sie es mehrmals knapp, den Deckel draufzumachen. Offensiv gelang den Wolfsburgern in Halbzeit 2 fast gar nichts. Im letzten Drittel schlichen sich, wie so oft in den vergangenen Wochen, zu viele Ungenauigkeiten ein.

Wenn der VfL II es schaffen will, mindestens Platz 5 in der Süd-Staffel und somit die Meisterrunde zu erreichen, wartet besonders in der Chancenerarbeitung viel Arbeit. Passend zur Talfahrt flog auch noch Beifus in der Schlussphase nach einem Handspiel mit Gelb-Rot vom Platz. Ein Lichtblick im Spiel war indes Anselmo García Mac-Nulty. „Ihn muss man hervorheben. Anselmo war der jüngste Spieler auf dem Platz. Was er geleistet hat, war top“, lobt der VfL-Coach.

Nächstes Spiel:
Atlas Delmenhorst – VfL II,
Samstag, 14 Uhr.

Kommentar von WN-Redakteur Christian Buchler zur Krise beim VfL Wolfsburg II:

Priorität hat die Ausbildung der Talente aus der Fußball-Akademie, danach kommt der Erfolg. Das predigen die Verantwortlichen des VfL Wolfsburg seit Jahren. Damit haben Sie Recht. Aber das Bild, das die höchsten beiden U-Mannschaften im Moment abgeben, kratzt nicht nur am bisher ausgezeichneten Image der „Wölfe“, sondern bearbeitet es nachhaltig mit Hammer und Meißel.

Erst die Diesel-Affäre und dann Corona zwangen Mutterkonzern Volkswagen zu Einsparungen, die auch die Nachwuchsabteilung des VfL zu spüren bekommt. Die Pandemie erschwerte auch Planung und Vorbereitung der Saison. Hinzu kommt, dass einige potenzielle Leistungsträger der U23 im Sommer nach und nach verkauft oder verliehen wurden. Viele gerade erst aus der A-Jugend gekommene Spieler sollen es richten. Und Verletzte gibt es auch. Gründe für den Fehlstart des VfL II in der schwächeren der beiden Staffeln der vorübergehend zweigeteilten Regionalliga Nord gibt es einige.

Aber es fehlt(e) auch an Ideen. Eine große interne Trainer-Rochade im Sommer wirbelte wohl doch zu viel durcheinander. Die Konstanz in der Arbeit ging verloren. Nach dem Weggang des bisherigen Coaches der U23, Rüdiger Ziehl, schob Pablo Thiam, der Sportliche Leiter der Fußballakademie, Henning Bürger von der U19 hoch zur U23. Beim A-Junioren-Bundesligisten übernahm Christian Wimmer (zuvor U15). Frischer Wind von außen blieb – sicher auch der wirtschaftlichen Lage geschuldet – aus. Damit hat es sich die VfL-Führung etwas zu leicht gemacht.

Die Saison ist noch jung, vieles, aber nicht alles kann korrigiert werden. Doch für eine Korrektur braucht es auch ein Korrektiv. Handeln und die richtigen Dinge verändern – das ist gefordert. Sonst trägt nicht nur die Fassade des Talentschuppens Schäden davon.

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