Young-Grizzlys-Gretchenfrage: Leistungs- oder Breitensport?

Der neue 1. Vorsitzende des Eishockey-Stammvereins der Grizzlys Wolfsburg im WN-Gespräch: Das sagt Frank Müller zu Plänen und Zielen.

Erfolge, wie hier einst der Aufstieg der U17 in die Division I, dokumentieren die positive Entwicklung der Young Grizzlys.

Erfolge, wie hier einst der Aufstieg der U17 in die Division I, dokumentieren die positive Entwicklung der Young Grizzlys.

Foto: Archiv

Wolfsburg Frank Müller heißt der neue Kapitän auf der Kommandobrücke der Young Grizzlys. Am Mittwoch vergangener Woche bestimmten ihn die Mitglieder des Stammvereins EHC Grizzly Adams Wolfsburg e. V. zum 1. Vorsitzenden, nachdem der bisherige Amtsinhaber Rainer Schumacher aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig eine weitere Amtszeit ausgeschlossen hatte.

Der 47-jährige Müller galt seit längerem als Schumachers Kronprinz und Wunschkandidat, trug als Jugendwart zuletzt schon viel Verantwortung. Wie er den Klub zusammen mit seinen Vorstandskollegen leiten möchte, welche Probleme er sieht und welche Ziele er verfolgt, erklärt Müller im Gespräch mit unserer Zeitung.

Frank Müller über ...

… seinen Werdegang bei den Young Grizzlys: „Mein Sohn Nicklas fing vor 14 Jahren in der Eishockeyschule an. Als er in seine erste Mannschaft kam, übernahm ich 2008 den Betreuerposten, den ich bis 2019 innehatte. 2010 übernahm ich kommissarisch das Amt des Jugendwarts und wurde ein Jahr später erstmals fest gewählt. Als Rainer Schumacher mich nun bat, ihn zu beerben, habe ich keine Sekunde gezögert.“

… die Art und Weise, wie er das neue Amt ausüben möchte: „Wie mein Vorgänger werde ich Ansprechpartner für alle sein. Daran wird sich nichts ändern. Rainer war allerdings aufgrund seines Geschäftsführerpostens bei der Grizzlys-GmbH fast immer vor Ort anzutreffen. Das kann ich nicht leisten, da ich berufstätig bin. Aber ich werde telefonisch und per E-Mail erreichbar sein. Manchmal dauert es halt ein bisschen, bis ich mich zurückmelden kann. Im Vorstand ist unser 2. Vorsitzender Frank Berkeczi hauptsächlich für das Thema Sponsoren zuständig. Mit unserem 3. Vorsitzenden Norbert Blyszcz, der mich mal ins Jugendwart-Amt geholt hat, stehe ich zu allen Themen fast täglich im Austausch.“

… die Frage, wie es derzeit um die Nachwuchsabteilung der Grizzlys bestellt ist: „Wir sind im Vergleich zu meiner Anfangszeit hier mittlerweile sehr gut aufgestellt. Sportlich waren wir in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich. Was wir geschafft haben, ist in Norddeutschland einmalig. Wir nähern uns den großen Klubs an. Wir haben super Trainer, die unsere Kinder und Jugendlichen hervorragend ausbilden. Nur vom Umfeld her können wir nicht mithalten. Finanziell sind wir im Moment solide aufgestellt. Unser Jahresetat betrug zuletzt 340.000 Euro. Den Hauptanteil an den Kosten machen Trainer, Eisstunden und Auswärtsfahrten aus. Wir versuchen trotzdem, die Mitgliedsbeiträge niedrig zu halten, um unseren Sport allen zugänglich und populärer zu machen. Zurzeit kostet eine Mitgliedschaft 30 Euro im Monat. Übernachtungskosten bei Auswärtsfahrten und die Ausrüstung müssen die Eltern aber selbst bezahlen. Wir haben einen Förderverein, der uns unterstützt, sonst könnten wir das Budget nicht stemmen. Dieser Topf ist aber nicht unendlich gefüllt (hauptsächlich Grizzlys-Hauptsponsor VW hat diesen Topf vor einigen Jahren gefüllt, Anmerkung der Redaktion). Wir werden dazu bald neue Gespräche führen müssen.“

… die drängendsten Themen der Young Grizzlys: „Corona ist selbstverständlich ein beherrschendes Thema. Priorität hat, dass wir die Gesundheit unserer Mitglieder schützen. Dafür haben wir Hygiene-Konzepte erstellt, unter deren Einhaltung unsere Teams nun trainieren und spielen. Wir wollen auch versuchen, bald wieder unsere Eishockeyschule für die ganz Kleinen zum Laufen zu bringen. Das andere große Thema sind seit Jahren die knappen Eiszeiten und die beengte Kabinensituation in der Eis-Arena. Es wird immer schwieriger, die Auflagen des Deutschen Eishockey-Bundes für die U20 und die U17 zu erfüllen. Wenn unsere U20 sportlich von der DNL III in die DNL II aufsteigen würde, könnten wir die bisherigen Vorgaben nicht schaffen aus den oben genannten Gründen.“

… die Ziele des neuen Vorstands: „Es sind dieselben wie unter dem bisherigen 1. Vorsitzenden: Wir wollen uns stetig weiterentwickeln. Unsere U17 spielt in Deutschlands höchster Liga. Um aber auch unsere größten Talente im Verein zu halten, müssten wir mittelfristig mit der U20 zumindest noch eine Klasse höher spielen. Aber dafür fehlen uns derzeit die Möglichkeiten. Die Verantwortlichen hier in Wolfsburg müssen irgendwann die Entscheidung treffen, ob sie im Nachwuchs-Eishockey auch Leistungs- oder nur Breitensport möchten. Wir kämpfen dafür, dass unsere Teams auf höchstmöglichem Niveau trainieren und spielen können.“

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