Historisch: Almas holt DM-Titel für den VfL Wolfsburg

Leipzig/Wolfsburg.  Erstmals seit mehr als 30 Jahren im Sprint und erstmals überhaupt über die 60 Meter hat ein Leichtathlet aus der VW-Stadt nationales Gold geholt.

Das DM-Finale über 60 Meter wurde zur Nervenprobe: Zwei Fehlstarts gab es, im dritten Versuch sicherte sich Deniz Almas (Mitte) vom VfL Wolfsburg den Sieg – für den Verein war’s ein historischer Triumph.

Das DM-Finale über 60 Meter wurde zur Nervenprobe: Zwei Fehlstarts gab es, im dritten Versuch sicherte sich Deniz Almas (Mitte) vom VfL Wolfsburg den Sieg – für den Verein war’s ein historischer Triumph.

Foto: imago/Beautiful Sports

Für ihn selbst kam’s schon „ein bisschen überraschend“, was sich da am Samstagabend in Leipzig zutrug, für den VfL Wolfsburg ist es hingegen nicht weniger als historisch: Deniz Almas, Topsprinter der Grün-Weißen, hat dem VfL den ersten deutschen Meister-Titel in einer Sprint-Disziplin seit 1989 beschert. Nicht ein bisschen, sondern völlig überraschend war der 22-Jährige zu Gold über 60 Meter gesprintet. Es war ein Sieg, den er vor allem seinen starken Nerven verdankte – was einst nicht gerade zu seinen Stärken gehört hatte.

Denn noch in der Jugend, so gibt der Sportsoldat heute an, sei er häufig verkrampft, wenn es um die wichtigen Entscheidungen ging. „Da gibt es viele Fotos, auf denen das auch gut zu sehen ist“, sagt Almas, der im Herbst 2018 vom VfL Sindelfingen zum VfL nach Wolfsburg gekommen war. Großen Anteil an diesem Wechsel hatte damals Sven Knipphals. Beide kennen sich aus Leipzig, der ehemals „schnellste Wolf“, selbst nie deutscher Meister, vermittelte Almas nach Wolfsburg.

Bei der Hallen-DM kam es am Samstag im Finale auf gute Nerven an. Almas hatte schon im Halbfinale angedeutet, dass mit ihm zu rechnen ist, er verbesserte seine persönliche Bestzeit auf 6,63 Sekunden, was die beste Vorlaufzeit im gesamten Feld war. Im Finale wurde der Start zweimal abgebrochen: Michael Pohl erst verwarnt, Deutschlands Topsprinter und Gold-Favorit Julian Reus dann wegen eines Fehlstarts disqualifiziert. Erst im dritten Anlauf ging’s los. Und schon der Auftakt lief aus Sicht des VfLers perfekt. „Die ersten 30 Meter waren richtig stark“, wusste Almas, der auch hintenraus seinen Vorsprung behielt, sich den Sieg mit sechs Hundertsteln Vorsprung vor Julian Wagner (Erfurt) holte.

Der Rest war Riesenjubel: Mit geballten Fäusten jubelte der Wolfsburger vor den Fotografen, auch der Förderkreis der VfL-Leichtathleten war zahlreich vertreten und applaudierte dem neuen deutschen Meister. Über 60 oder 100 m hatte es noch nie einen Wolfsburger Sieg auf nationaler Ebene gegeben. Die letzte Sprint-DM bei den Männern holte Erwin Skamrahl, der einstige Europarekordhalter über 400 m. 1989 war Skamrahl in der Halle über 200 m zum Sieg gesprintet. „Das war ein Bombenlauf, Glückwunsch an Deniz“, jubelte Spartenleiter Marco Quarata und fügte schmunzelnd an: „Somit ist Sven seinen Titel als ,schnellster Wolf’ natürlich los.“

Damit stellte der 22-jährige Almas natürlich die weiteren VfL-Starter von Leipzig in den Schatten: Die 4x200-m-Staffel mit Michel Meißner, Johannes Breitenstein, Richard von Behr und Magnus Bunar wurde in 1,28:32 Minuten Sechster. Trainer Werner Morawietz haderte mit dem Startplatz auf der Außenbahn: „Da war nicht mehr möglich.“ Insgesamt meinte er: „Wir sind sehr zufrieden.“ Pernilla Kramer hatte sich über 60 m für das Finale der besten Acht qualifiziert, wurde dort in 7,48 Sekunden Letzte. Ihr Freund Breitenstein (6,85 Sekunden) verpasste das Finale genauso wie Meißner (6,91 Sekunden). Letzterer lief zudem die 200 m, scheiterte dort ebenfalls in Lauf 1 trotz persönlicher Bestzeit (21,58 Sekunden).

Eine witzige Anekdote gab’s im Livestream: Dort wurden Kramer und Almas als Paar tituliert, obwohl die Sprinterin mit Breitenstein liiert ist, die Beteiligten nahmen’s sportlich – hatten schließlich angesichts des historischen Siegs allen Grund zur Freude.

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