„Du musst Wege gehen, die niemand geht“

Salzgitter.  Die Ostfalia präsentierte in diesem Jahr zahlreiche prominente Sportpersönlichkeiten.

Die Talkrunde um Ralf Heskamp (Hallescher FC), Oliver Ruhnert (Union Berlin), Mario Kallnik (Magdeburg), Martin Przondziono (Paderborn) war durchaus unterhaltsam.

Die Talkrunde um Ralf Heskamp (Hallescher FC), Oliver Ruhnert (Union Berlin), Mario Kallnik (Magdeburg), Martin Przondziono (Paderborn) war durchaus unterhaltsam.

Foto: Lukas Schneider / regio-press

Die Ostfalia-Studenten stellten in diesem Jahr einen Kongress zum Thema „Innovation first, Sports second“, mit einigen prominenten Gastrednern und Podiumsgästen, auf die Beine.

Den Anfang machte Pierre Littbarski, der Weltmeister von 1990, mit einer Rede über die Digitalisierung im Sport. Der Hauptpunkt seines Vortrags war, dass ein jeder die zur Verfügung gestellten Daten im Vorhinein prüfen solle. „Unter Felix Magath habe ich in der Pause beim Stand von 0:1 die Info bekommen, dass jeder Spieler von uns circa 1,5 Kilometer weniger als der Gegner gelaufen ist. Felix hat sowohl mich, als auch die Spieler angemacht. Zum Schluss stellte sich jedoch heraus, dass wir alle einen Kilometer mehr gelaufen sind“, berichtet Littbarski zur Problematik.

In der Folge stand die erste Podiumsdiskussion zwischen dem Fanbeauftragten der Braunschweiger Eintracht Erik Lieberknecht, dem Kicker Chefredakteur Jörg Jakob und Alexander Jobst auf der Programmordnung. Thema war hierbei: „Bleibt der Fan auf der Strecke?“ Lieberknecht stieg auch sofort ein. „Modernisierung und Digitalisierung sind sehr wichtig. Dabei sollte allerdings der Sport immer im Vordergrund bleiben.“ Und auch der Kickerchef Jakob klinkte sich mit ein: „Die Emotionen im Stadion sollten über dem Kommerz stehen.“

Aus dem Publikum kam anschließend die Frage, ob der Kommerz nicht doch wichtiger als der Fan sei. Als Beispiel wurden dabei die Montagsspiele erwähnt. „Ich finde, dass Fans am Montag das Gefühl bekommen unwichtig zu sein“, sagt Lieberknecht. Der Schalker Jobst fügte hinzu: „Montagsspiele wurden nur aus sportlicher Sicht eingeführt, damit die Europaleague-Teilnehmer entlastet werden.“

Nach einer Pause war dann der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, Frank Bohmann, auf der Bühne. Dort wurde im Talk mit Ruth Hofmann über die neuen Chips zur Datenerfassung in der höchsten deutschen Liga gesprochen. Sowohl im Ball, als auch in den Trikots der Spieler sollen die ein Euro großen Chips eingebaut werden. „Das Problem dabei ist, dass jeder Verein einen unterschiedlichen Ballhersteller hat und es keine einheitlichen Bälle gibt“, sagt Frank Bohmann. Die Liga sei noch in den Anfänger dieser Entwicklung und auch mit dieser Neuheit werde man den Status des Fußballs nicht zum wackeln bringen. „Wir wollen durch diese Technologie neue Trainingsanreize und ausgewertete Statistiken für die Mannschaften liefern.“ Hofmann hakt ein und fragt nach, wie es denn aktuell laufe. „Bislang gab es noch keine Klagen und es läuft erfreulicher Weise aktuell alles glatt“, fällt die Antwort von Bohmann aus. Abschließend wurden noch die Ziele der Bundesliga genannt: Sich als stärkste Liga der Welt halten und Attraktivität für Fan und Spieler schaffen.

Dem Interview von Hofmann mit Martin Kind folgte dann die Talkrunde mit vier Geschäftsführern aus dem Profifußball. Ralf Heskamp vom Halleschen FC, Oliver Ruhnert von Union Berlin, Mario Kallnik vom FC Magdeburg und Martin Przondziono vom SC Paderborn sprachen über die nötigen Innovationen im Kampf gegen die Tradition.

Ruth Hofmann stieg mit einer Frage zum Aufstieg der Unioner in die erste Liga ein. „Wir haben intern wenig geändert, merken aber auch, dass der Hype deutlich größer geworden ist“, antwortet Unions Ruhnert darauf. Auch die Paderborner sind sich ihrer Rolle bewusst und sehen sich aktuell nicht als „Erstligist auf Dauer“. Beide Mannschaften haben sowohl Planungen für die erste, als auch für die zweite Bundesliga.

Union Berlin sorgte mit dem eingereichten Thesenpapier zum Kurswechsel des deutschen Fußballs für eine Menge Aufruhr. „Die Bundesliga ist entglitten, denn Vereine die zwischen den Ligen pendeln haben es immer sehr schwer. Mit diesen Thesen haben wir versucht Lösungsansätze zu finden“, berichtet Ruhnert. Die Strukturen des Fußballs kritisierte auch der Magdeburger scharf: „Auch in der Regionalliga gibt es viele Vereine mit professionellen Grundzügen. Für mich bleibt es einfach eine Frechheit, dass die Meister in der Regionalliga nicht sofort aufsteigen.“

Auch die ungleichmäßig verteilten Fernsehgelder waren ein wunder Punkt. Allesamt kamen zu dem Entschluss, dass die dritte Liga kaum etwas vom großen Kuchen abbekommt. Die Wünsche für die Zukunft liegen bei allen darin die Tradition beizubehalten und einige Innovationen zu tätigen. „Du musst einfach Wege gehen, die sonst niemand geht“, sagt Unions Ruhnert.

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