Jallow: „Mit gebrochener Nase zu spielen, ist nicht die beste Idee“

Braunschweig.  Der Kapitän der Braunschweiger Basketballer muss sich operieren lassen. Seinem Team traut er in Bonn trotzdem einen Sieg im Pokalspiel zu.

Karim Jallow (links) kehrte beim Sieg der Braunschweiger gegen Oldenburg mit gebrochener  Nase aufs Feld zurück, spürte aber: „Ich war nicht hundertprozentig da.“ Am Freitag muss er sich operieren lassen und fehlt in Bonn.

Karim Jallow (links) kehrte beim Sieg der Braunschweiger gegen Oldenburg mit gebrochener Nase aufs Feld zurück, spürte aber: „Ich war nicht hundertprozentig da.“ Am Freitag muss er sich operieren lassen und fehlt in Bonn.

Foto: imago images/Jörn Wolter

Wenn Braunschweigs Basketballer morgen zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen den Bus nach Bonn steigen, wird Kapitän Karim Jallow fehlen. Heute lässt er seine gebrochene Nase operieren, was ihn kurzzeitig außer Gefecht setzt. „Aber wenn ich mich gut fühle, komme ich Sonntag nach“, gibt er seinen Löwen-Kollegen mit auf den Weg, die im Nachholspiel gegen die Gastgeber um die Führung in Pokalgruppe A kämpfen.

Jallow will dann als moralischer Antreiber beim Team sein. Aufs Feld zurückzukehren, wie er es so spektakulär am Samstag im ersten Pokalmatch gegen Oldenburg getan hatte, ist natürlich ausgeschlossen. Die Löwen und ihr Nationalspieler hatten zunächst überlegt, ob er vielleicht in Bonn noch mit einer Schutzmaske antritt und sich dann erst zu Beginn der nächsten Woche unters Messer begibt.

Einsatz gegen Bonn? Jallow winkt ab

Doch Jallow entschied sich gegen diese Variante. „Die Nase muss gerichtet werden, ich komme nicht drum rum, dass ich ein Spiel verpasse“, erläutert er nach mehreren Arztbesuchen. Und da wolle er die Sache nun so schnell wie möglich hinter sich bringen. „Denn mit gebrochener Nase zu spielen, ist nicht die beste Idee.“

Das hatte der Braunschweiger gespürt, als er im ersten Pokalspiel aufs Feld zurückkehrte. Zuvor war er zu Beginn des zweiten Viertels im Reboundkampf mit dem Gesicht auf den Schädel des Oldenburgers Nathan Boothe geprallt. Das Blut schoss aus der Nase, und bei der Erstuntersuchung in der Kabine war schnell klar: sie ist gebrochen.

„Hatte Probleme beim Atmen“

Doch mit einem so frühzeitigen Aus wollte sich der Löwen-Kapitän nicht abfinden. „Es war mein Risiko, aber ich wollte nicht nur daneben sitzen“, betont er. „Man freut sich so lange darauf, endlich spielen zu dürfen – da sollte das nicht schon nach einem Viertel wieder vorbei sein.“ Die Ärzte hätten ihm das Okay zur Rückkehr aufs Feld gegeben, sofern er keine Schmerzen habe, berichtet der 23-Jährige. Und so half er seinem Team in rund 14 Minuten Einsatzzeit in Hälfte zwei, den 97:88-Triumph gegen Oldenburg perfekt zu machen.

„Aber ich war nicht hundertprozentig da“, räumt er ein. „Ich habe die Verletzung schon gespürt und hatte Probleme beim Atmen.“ So fiel ihm die Entscheidung, nun aufs zweite Pokalspiel in Bonn zu verzichten, doch nicht so schwer. Zumal er seinen Teamkollegen allemal zutraut, auch ohne ihn den zweiten Sieg zu landen.

Oldenburg-Sieg nimmt Druck weg

„Vor dem ersten Spiel ist man immer nervös, aber der Sieg gegen Oldenburg nimmt erstmal von jedem den Druck weg“, sagt er erleichtert. Die Bonner schätzt Jallow ähnlich stark ein wie seine Löwen. „Da wird es darauf ankommen, wer über 40 Minuten den größeren Willen hat.“ Seinen Ausfall werde das Team mit vereinten Kräften kompensieren, prognostiziert er zuversichtlich, allen voran wohl Youngster Luc van Slooten und Lukas Wank, die ebenfalls genug Körper und Athletik für den Kampf unter dem Korb mitbringen. „Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen, wir haben ja einen tiefen Kader.“

Was nicht passieren dürfe, sei, dass die Mannschaft einem Gegner nochmal 32 Punkte im ersten Viertel gestatte, mahnt der Kapitän. „Da müssen wir viel aggressiver rausgehen, wir dürfen keinem Team die Chance geben, sich erstmal in einen Rausch zu spielen.“ Die anderen drei Viertel gegen Oldenburg aber machten ihn stolz, betont er: „Wir sind mental stark geblieben und kontinuierlich immer besser geworden.“

Sieg bringt Preisgeld und Top-4-Chance

Gelänge auch gegen Bonn ein Erfolg, hätten die Löwen noch Chancen auf den Einzug in Top-4-Turnier. Mindestens Gruppenplatz zwei, verbunden mit einem fünfstelligen Preisgeld, wäre so gut wie sicher. Der Titelverteidiger, Meister und Gruppenfavorit Alba Berlin muss seine drei coronabedingt ausgefallenen Spiele ja noch nachholen. Die Partie gegen die Löwen soll in Braunschweig stattfinden, ein Termin wird noch gesucht.

Bis dahin will Karim Jallow längst wieder fit sein. Die Verletzung dürfte ihn nicht allzu viel Substanz und Rhythmus kosten. Er konnte diese Woche ohne Kontakt locker weitertrainieren und darf sich, wenn die OP gut verläuft, nächste Woche mit Maske relativ schnell wieder ins Getümmel stürzen.

Jallow und Meisner im Nationalteam

Ende November wartet dann ein besonderer Höhepunkt auf den Nationalspieler. Zusammen mit seinem Löwen-Co-Kapitän Lukas Meisner wurde Jallow für das EM-Qualifikationsfenster ins deutschen Aufgebot berufen. „Das wird interessant“, freut er sich schon auf eine für ihn nach dem verpassen des BBL-Finalturniers neue Erfahrung: „Es wird eine ‚Bubble‘ in Frankreich geben, bei der alle Teams in einem Hotel wohnen.“

Der Gegner

Der Corona-Schock warf die Baskets Bonn nur kurz aus der Bahn. Vergangenen Samstag verhängte das Gesundheitsamt nach einem positiven Test eines Spielers eine Quarantäne für das komplette Team. Die Pokalpartie gegen die Löwen am Sonntag fiel aus. Doch als sich der Test als falsch-positiv herausstellte, konnten die Bonner am Montagabend wieder ins Training einsteigen.

Zum Auftakt der Pokalrunde hatten die Baskets, wie später die Braunschweiger, die favorisierten Oldenburger geschlagen. Beim 90:76 überzeugten sie mit einer spielerisch starken Frühform, flinken Passstafetten und griffiger Verteidigung.

Mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren haben die Bonner einen der erfahrensten Kader der BBL. Das Ziel heißt nach einer schwachen Vorsaison mit Platz 15 wieder Play-offs.

Von den acht Neuzugängen im Team des neuen Trainers Igor Jovovic (früher MBC) ragten gegen Oldenburg der aus Frankfurt gekommene Center Leon Kratzer mit 21 Punkten und Ex-NBA-Profi Chris Babb (früher Ulm) mit seinen Dreiern heraus.

Baskets Bonn – Löwen Braunschweig, Sonntag, 18 Uhr, live bei Magentasport

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