Löwen als stolze Spiel- und Spaßverderber

München.  Braunschweigs Basketballer verlieren zwar ihr Play-off-Debüt bei Meister Bayern München 59:70, können ihn aber bis zum Schluss ärgern.

Es ging hart zu in der Defensivschlacht in München. Hier foult Dejan Kovacevic den Bayern Vladimir Lucic, doch leider bekam DeAndre Lansdowne (links) dafür sein drittes Foul gepfiffen und musste auf die Bank.

Es ging hart zu in der Defensivschlacht in München. Hier foult Dejan Kovacevic den Bayern Vladimir Lucic, doch leider bekam DeAndre Lansdowne (links) dafür sein drittes Foul gepfiffen und musste auf die Bank.

Foto: imago images / Jan Huebner

Nachdem die Bayern-Fußballer am Nachmittag den ersten deutschen Meistertitel im eigenen Stadion seit 2000 klargemacht hatten, war am Abend beim Basketball eigentlich Weiterfeiern angesagt. Doch gesungen und getrunken wurde eher in den Biergärten und Sportkneipen der Stadt. Trotz zahlreicher Shuttlebusse aus der Fußballarena bekamen die Münchner Korbjäger ihren Dome nicht voll. Die Lederhosendichte blieb unterdurchschnittlich, am Spielfeldrand saß Dennis Schröder statt Uli Hoeneß, und viel Spaß hatten die Fans der Roten mit dem Play-off-Auftakt auch nicht.

Und genau das hatten Braunschweigs Löwen, die laut Trainer Frank Menz „krassesten Außenseiter, die es geben kann“, erreichen wollen – als Minimalziel, um als unangenehme Kontrahenten in die Köpfe der FCB-Stars zu kommen. „Wir haben sie in ein ekliges, übles Spiel gezwungen“, frohlockte Menz nach der 59:70 (19:32)-Niederlage in einer wenig attraktiven Defensivschlacht. „Es freut mich richtig, dass die hier kein Basketballfest feiern konnten, sondern die Spieler komplett genervt waren von uns.“

0:12-Start war eine Hypothek

Aus Sicht des Titelverteidigers war es trotz unzureichender Offensivausbeute natürlich ein souveräner Arbeitssieg, bei dem die Gäste nie führten und kein Münchner Spieler sich verausgaben musste.

Die Braunschweiger hingegen feierten stolz ihre kleinen Erfolge, die ihnen Hoffnung für das zweite Viertelfinale am Freitag in eigener Halle lassen. Sie wollten irgendwie im Spiel bleiben, und dafür kämpfen, dass sich vielleicht doch irgendwann eine kleine Siegchance ergibt.

Und das schafften sie. „Wenn wir heute locker gewesen wären, wäre etwas drin gewesen“, bedauerte Menz angesichts des viel zu respektvollen Starts, mit dem sich die Löwen eine 0:12-Hypothek aufluden, von der sie sich nie erholten, und angesichts der Aufholjagd in den letzten fünf Minuten, in denen es Chris Sengfelder in der Hand hatte, sein Team aus 20 Punkten Rückstand (44:64) bis auf vier Zähler heranzubringen. Denn defensiv war es klasse, was die Löwen mit ihrer berüchtigt leidenschaftlichen, harten Arbeit aufs Parkett brachten. Sie provozierten beim Europaligisten 16 Ballverluste und hielten ihn auf für Bayern-Verhältnisse schwachen 42 Prozent Trefferquote und weit unter der durchschnittlichen Punktausbeute von 88.

Größe der Gegner beeindruckt Löwen

Aber vorne wollte nicht viel gelingen. Die Löwen lagen noch deutlicher unter ihren fast 90 Punkten im Schnitt aus den vergangenen Partien, weil sie trotz einer klaren Steigerung in Hälfte zwei mit nur noch zwei Ballverlusten und besserer Wurfausbeute lediglich auf 36 Prozent Trefferquote kamen.

Zu wenige der play-off-unerfahrenen Profis zeigten die nötige Entschlossenheit und den vom Trainer erhofften Mut im Abschluss. Die Bayern konzentrierten sich auf die Bewachung der zuletzt so starken DeAndre Lansdowne und Chris Sengfelder. „Man ist schon beeindruckt von der Länge, die sie haben und dank der sie unglaublichen Druck machen können“, beschrieb der Nationalspieler das Gefühl auf dem Feld. „Die können vom Pointguard an mit Zweimeter-Leuten spielen und haben so Riesenspannweiten, dass du keine freien Würfe kriegst.“

„Es ist ja nicht schlimm, wenn die mich mit zwei Leuten decken, auch wenn ich das gespürt habe“, meinte Lansdowne, der trotzdem 15 Punkte erzielte und mehr unter seiner hohen Foulbelastung litt, die seine Spielzeit einschränkte, als unter den Defensivbemühungen der Bayern. „Dann gibt es eben mehr Würfe für die anderen, und sie müssen mental bereit sein, sie auch zu nehmen und zu treffen.“

„Wir hatten eine Chance zu gewinnen“

Doch genau hier lag das Problem. Nur Shaquille Hines nutzte diese Freiheiten und avancierte mit 20 Punkten zum Topscorer. Brayon Blake und Luis Figge waren mit der neuen Verantwortung offensichtlich überfordert und trafen keinen ihrer zusammen 14 Würfe. Joe Rahon startete aggressiv, tauchte aber gegen den körperlichen Druck der Bayern dann ab. Und Kapitän Thomas Klepeisz erwischte wieder eines jener Spiele, in denen er sich vor dem Werfen geradezu drückt, obwohl er das am besten kann.

„Trotzdem hatten wir sogar eine Chance zu gewinnen, aber leider habe ich meinen Dreier nicht getroffen“, resümierte Sengfelder, der sein Team zusammen mit Lansdowne mit einer 13:0-Serie zwei Minuten vor Schluss auf 64:57 herangebracht hatte und noch jenen freien Dreier serviert bekam.

Und was war mit der Play-off-Stimmung? „Das Spiel war ein normales, aber du fühlst dich besser, weil du dir dieses Extra-Duell mit der Nummer eins verdient hast“, resümierte Lansdowne. „Und am Freitag fühlt es sich für uns in der vollen VW-Halle bestimmt noch viel mehr nach Play-offs an.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder