Den Lions fehlt das gemeinsame Üben

Braunschweig.  Fitness ist kein Problem für die Braunschweiger Footballer, die überhaupt nicht wissen, wann es losgeht.

Der neue Lions-Quarterback Jake Kennedy ist bereits in Braunschweig und wartet sehnsüchtig auf das erste Training mit seiner neuen Mannschaft.

Der neue Lions-Quarterback Jake Kennedy ist bereits in Braunschweig und wartet sehnsüchtig auf das erste Training mit seiner neuen Mannschaft.

Foto: Wittenberg University/Nick Falzerano

Die Rote Wiese, die Trainingsstätte der Braunschweiger Footballer, ist gesperrt. Logisch in diesen Zeiten. Aber blöderweise befindet sich das Herzstück der Lions-Administration, das Vereinsbüro und das Coaches Office eben mitten auf dem Gelände der Roten Wiese – und ist deshalb nicht zugänglich. Zwar versuchen die Lions, irgendwie eine Ausnahmeregelung zu finden, um wenigstens stundenweise die Geschäftsstelle besetzen zu können. Aber bislang gibt es darüber noch keine Entscheidung.

So müssen also Cheftrainer Troy Tomlin und sein Defense-Koordinator Dave Likins im Home Office versuchen, so gut es geht, den Stillstand zu lenken. Tomlin ist natürlich alles andere als begeistert von der Situation wenige Wochen vor dem geplanten Saisonbeginn. Er betont aber auch: „Wenn all diese Maßnahmen helfen, den Coronavirus zu besiegen, können wir danach wieder ein ganz normales Leben führen. Und zum ganz normalen Leben gehört für uns Football dazu.“

Der deutsche Verband hat vorerst den Saisonstart auf Pfingsten verschoben. Doch ob es dann wirklich losgehen kann, steht noch in den Sternen. „Wir brauchen vier Wochen Vorbereitungszeit, zur Not geht es auch in drei Wochen. Mit weniger Zeit aber nicht“, weiß der Cheftrainer und rechnet vor: „Um Ostern herum müssten wir mit dem Training wieder anfangen dürfen.“ Wenn es so käme, würde die Saison zwar etwas gestaucht sein, aber regulär über die Bühne gehen können.

Doch der Glaube an eine weitgehend normale Saison schwindet immer mehr. So haben sich die Trainer aller Bundesligisten in den nächsten Tagen zu einer Telefonkonferenz verabredet, um zu diskutieren, welche Alternativen es gibt, wie man mit einer verkürzten Saison klarkommen könnte. Gedankenspiele gibt es auch längst fernab der sportlichen Leitung bei den Lions. Denn zeitliche Veränderungen könnten auch dazu führen, dass die Lions im Eintracht-Stadion einfach keine neuen freien Termine mehr bekommen könnten. So steht jetzt schon fest, dass die beiden ersten Heimspiele definitiv nicht an den ursprünglichen Terminen ausgetragen werden können.

Theoretisch ist es sogar denkbar, dass Bundesliga-Heimspiele auf der Anlage an der Roten Wiese stattfinden werden – so wie ganz früher, als die Lions noch unterhalb der Bundesliga ihre Touchdowns erzielten. Eine grundsätzliche Genehmigung gibt es für diesen Platz, wo ja auch unterklassige Partien seit Jahren regelmäßig über die Bühne gehen. Das einzige Kriterium, was die Bundesliga fordert und an der Roten Wiese nicht erfüllt werden kann, ist eine Zuschauer-Kapazität von 5000 Besuchern. Aber daran würde im Ernstfall sicherlich nicht die Zulassung als Bundesliga-Spielstätte scheitern, zumal manch ein Mitbewerber dies auch nicht leisten kann – nicht einmal in Zeiten ohne Corona-Krise.

Keine Sorgen macht sich Tomlin, dass seine Jungs ihre gute Fitness verlieren könnten. „Wir haben eine ganze Menge Spieler, die hauptberuflich als Fitnesstrainer arbeiten und uns ganz gute Tipps geben, was man so alles machen kann“, sagt der Chefcoach. Das Hauptproblem bestehe darin, dass keine Spielzüge einstudiert werden können.

Ganz besonders leidet darunter natürlich das Braunschweiger Angriffsspiel. Der deutsche Meister hat reichlich umgekrempelt in seiner Offensivreihe. So benötigt ganz besonders der neue Quarterback Jake Kennedy Einspielzeit mit seinen neuen Teamkollegen. Doch der US-Amerikaner sitzt stattdessen mit dem finnischen Abwehr-Ass Roni Salonen in Braunschweig auf dem Sofa in der WG fest.

„Jakes Problem ist nicht, dass er nun während der Corona-Krise fernab der Heimat, der Familie hier bei uns festsitzt. Er ist sehr unzufrieden damit, dass er nicht das tun kann, warum er nach Europa gekommen ist, nämlich Footballspielen“, erklärt Tomlin. Auch Kennedys Landsmann Xavier Mitchell weilt schon in Braunschweig – und wartet auf die ersten Bälle, die an ihn adressiert sind.

Die Ungewissheit macht alle Footballer und Fans ratlos, ungeduldig und auch ein wenig frustriert. Denn noch ist unklar, ob es überhaupt in diesem Jahr eine Bundesliga-Saison geben wird. „Wir können nur abwarten und hoffen, dass alle gesund bleiben“, sagt Tomlin.

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