Big 6 zu zweit? Lions verzichten auf Eurobowl-Teilnahme

Braunschweig.  Das Football-Einladungsturnier schrumpfte immer weiter. Neben dem Rekordsieger blieb nur noch Schwäbisch Hall übrig.

Wiederholung in diesem Jahr ausgeschlossen: Die Lions feiern mit ihrem Anhang den Gewinn des Eurobowls

Wiederholung in diesem Jahr ausgeschlossen: Die Lions feiern mit ihrem Anhang den Gewinn des Eurobowls

Foto: Karsten Reißner

Die Lions sind das erfolgreichste Football-Team in ganz Europa. Bei acht Teilnahmen gewannen sie sechsmal den Eurobowl, die wichtigste Trophäe des Kontinents, zuletzt im vergangenen Jahr. Doch so schnell wird keine Wiederholung dieses Triumphes möglich sein für die Braunschweiger. Denn in dieser Saison haben sie ihre Teilnahme abgesagt.

„Wir reden von einem Turnier, das den Namen Big 6 hatte. Schon im Vorjahr nahmen aber nur vier Mannschaften teil, dieses Jahr sollten es nur zwei sein. Big 6 zu zweit? Da machen wir nicht mit“, sagt Lions-Cheftrainer Troy Tomlin. Und er fügt an: „Auch die Schwäbisch Hall Unicorns haben abgelehnt. Das Ganze macht ja auch gar keinen Sinn. Wir konzentrieren uns auf die Bundesliga. Und gut ist.“

So werden die Braunschweiger erstmals wieder nach mehreren Jahren ein echtes Vorbereitungsspiel absolvieren. Am 13. April ist in Hannover mit den Spartans ein Zweitligist der Gegner. Danach haben die Lions dann noch drei Wochen Zeit, um sich für den Saisonstart am 4. Mai im Eintracht-Stadion gegen die Cologne Crocodiles den Feinschliff zu holen.

Also kein Big 6 mehr mit den Lions. Dieser Wettbewerb war vor ein paar Jahren ins Leben gerufen worden, um den Europapokal der Landesmeister attraktiver zu gestalten. Es war ein Einladungsturnier, an dem Mannschaften aus Europa teilnehmen sollten, die einen großen Namen haben und Geschichte geschrieben haben auf unserem Kontinent in diesem Sport. Unabhängig davon, ob konkret ein Finalerfolg im jeweiligen Land zu Buche stand oder nicht. So waren drei deutsche Mannschaften dabei, als tatsächlich noch sechs Teams das Big-6-Turnier bestritten, und zwei Österreicher. Doch weil Football-Europa auf Funktionärsebene scheinbar unversöhnlich zerstritten ist – was im Ausfall der EM-Endrunde im vergangenen Jahr gipfelte –, wurde manch ein Traditionsverein aus den nördlichsten Nationen gar nicht berücksichtigt.

Und dann gab es Streitereien mit den Österreichern, die im vergangenen Jahr nicht mehr mitspielen wollten, unter anderem, weil sie im eigenen Land eine andere Ausländerregel hätten als im Big-6-Turnier vorgesehen, was den Deutschen Teams zu sehr entgegenkäme. Da mag sicherlich auch ein bisschen Frust mitgespielt haben, dass jahrelang zwar meistens hauchdünn, aber immer wieder die deutschen Mannschaften über die österreichischen Spitzenteams triumphiert hatten.

Im vergangenen Jahr waren es dann nur noch vier, die das Big-6-Turnier spielen wollten: Weil die deutschen Meister aus Schwäbisch Hall dankend absagten, durfte Süd-Vizemeister Frankfurt Universe ran – und natürlich die Eurobowl-Rekordsieger und damals aktuellen deutschen Vizemeister aus Braunschweig. Hinzu gesellten sich die Niederländer von den Amsterdam Crusaders und die Franzosen von La Courneuve Flash aus Paris. Das ursprüngliche Ziel des Big-6-Gedanken, nämlich die Europapokal-Partien interessanter zu machen, wurde verfehlt. Wie Kanonenfutter müssen sich die Amsterdamer beim 0:60 in Braunschweig gefühlt haben. Oder die Pariser beim 6:48 in Frankfurt.

In diesem Jahr also gibt es im Europapokal gar kein Topereignis. Und das kommt den Lions aus Braunschweig gar nicht mal so ungelegen. Cheftrainer Tomlin hatte in den vergangenen Jahren nach der Aufstockung der Bundesliga stets betont, dass es für Mannschaften, die überwiegend aus Amateursportlern bestehen, enorm hart sei, bis zu 20 Pflichtspiele in Meisterschaft und Europapokal zu bestreiten. „Das ist so. Aber wir hätten wieder mitgespielt, wenn es Sinn gemacht hätte“, betonte Tomlin nun und murmelte kopfschüttelnd: „Big 6 mit zwei Teams.“

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