Vollmann stärkt Eintracht Braunschweigs Trainer Meyer den Rücken

Braunschweig.  Peter Vollmann und der Aufsichtsrat vertrauen Eintracht Braunschweigs Trainer Daniel Meyer. Vollmann richtet zudem eine Bitte an die Fans.

Daniel Meyer (rechts) und seine Spieler stehen nach dem Abpfiff beim 0:4 gegen Darmstadt ratlos auf dem Rasen.

Daniel Meyer (rechts) und seine Spieler stehen nach dem Abpfiff beim 0:4 gegen Darmstadt ratlos auf dem Rasen.

Foto: Alex Grimm / Getty Images

Die 0:4-Niederlage in Darmstadt, sie muss sich für die Zweitliga-Fußballer von Eintracht Braunschweig angefühlt haben wie ein Schlag in die Fresse. Nach dem Abpfiff am Freitagabend blickte man in viele ratlose Gesichter. Wie konnte das nur passieren? Wie konnte man sich von einem direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt im ersten Durchgang nur so abschlachten lassen?

Die genaue Antwort wird sicher erst in der Trainingswoche erfolgen. „Die Bilder werden objektiv aufzeigen, wo die Fehler liegen“, versprach Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann am Sonntag. Er hatte im Anschluss an die Partie Spieler gesehen, „die fix und fertig“ waren.

Als einziger Beteiligter neben Meyer äußerte sich Dominik Wydra, der in Abwesenheit von Martin Kobylanski die Kapitänsbinde getragen hatte, zur peinlichen Pleite am Böllenfalltor: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es ist egal, in welcher Formation wir verteidigen oder was wir uns für einen Matchplan zurecht legen, weil wir immer in den ersten 15 Minuten ein oder zwei Gegentreffer kassieren. Ein 0:1 kann man aufholen, ein 0:2 haben wir auch schon aufgeholt. Aber zur Halbzeit liegen wir dann mit 0:4 hinten. Es zieht sich durch die Saison, dass, egal, wer spielt, individuelle Fehler entstehen, die uns nicht passieren dürfen.“

Vollmann hätte sich gewünscht, dass es für Eintracht Braunschweig glatter läuft

Die Erkenntnisse sind in der Tat nicht neu. In jedem Spiel haben andere Akteure kolossale Aussetzer, die zu Gegentoren führen. Die Mannschaft ist stark verunsichert, eine Weiterentwicklung oft nicht sichtbar.

Vollmann gesteht: „Wir hätten uns gewünscht, dass es glatter läuft.“ Doch das tut es offensichtlich nicht. Dennoch muss sich Trainer Daniel Meyer noch keine Sorgen um seinen Job machen. „Der Trainer genießt unser Vertrauen zu 200 Prozent“, sagt der 62-jährige Sportchef der Eintracht. Von Beginn an hatten die Verantwortlichen für den langen und harten Weg, den der Aufsteiger zu gehen hat, sensibilisiert. Acht Punkte hat die Eintracht teils mit großem Einsatz, teils mit etwas Spielglück in neun Partien gesammelt. „Es gibt von keiner Person in keinem Gremium den Ansatz. Alle stehen geschlossen hinter Daniel Meyer“, bekräftigt Vollmann, der dennoch beteuert: „Wir reden uns die Situation nicht selber schön.“ Seine Erwartungen an den Trainer, seinen Stab und jeden Spieler: „Jeder einzelne muss an den erforderlichen Verbesserungen arbeiten.“ Was jetzt schon feststeht: Sobald das Transferfenster offen ist, wird die Eintracht personell nachbessern.

Achtet man auf die Zwischentöne, ist nicht mehr davon auszugehen, dass auf nur zwei Positionen Transfers erfolgen. Einerseits um das langfristige Fehlen von Linksverteidiger Niko Kijewski und Stürmer Suleiman Abdullahi zu kompensieren, andererseits um die eklatanten Schwächen im Abwehrzentrum zu beheben, „Die Verletzungssituation zwingt uns zum Handeln. Und die individuellen Fehler, die zu vielen der 21 Gegentore geführt haben, sind auch ein Ansatzpunkt“, erklärt Vollmann. „Dass wir nachjustieren können, ist in unserem Budget berücksichtigt. Aufgrund des großen Umbruchs war uns schon im Sommer bewusst, es in der Winterpause zu Nachbesserungen kommen könnte.“ Es ist bitter nötig.

Selbstbewusstsein wecken ist Eintracht Braunschweigs Aufgabe

Doch noch sind bis Weihnachten die vier Ligaspiele gegen St. Pauli, Osnabrück, Paderborn und Fürth zu absolvieren. Das Ziel von einem Punkt pro Partie im Schnitt ist gewiss nicht unerreichbar, aber in Gefahr angesichts der Demoralisierung, die die Mannschaft insbesondere am Freitag erfahren hat. „Niederlagen rauben Selbstbewusstsein, das die Spieler brauchen, um stabil ihre Leistung zu bringen. Dieses wieder aufzubauen, wird eine wichtige Aufgabe in dieser Woche sein“, weiß Peter Vollmann. „Es kann aber auch schnell wieder in die andere Richtung gehen.“ Andernfalls droht es im Dezember, für die Verantwortlichen ungemütlicher zu werden. Das Team sei laut des Geschäftsführers aber intakt: „Das Geschlossenheitsgefühl in der Mannschaft hat sich verfestigt.“

Nichtsdestotrotz steht die Eintracht vor dem Problem, dass die Wut vieler Fans nach dem Offenbarungseid gegen die Lilien ins Unermessliche gestiegen ist. Doch Vollmann, der ebenso wie Meyer Kritik der Anhänger erfuhr, bittet darum, dass sich die Gemüter beruhigen: „Wir stehen geschlossen hinter unserem Weg. Weiterhin würde ich mir wünschen, dass unsere Fans noch mehr diese Kultur der Geschlossenheit mit leben, wir gemeinsam diesen Weg gehen und unserer Mannschaft auch von dieser Seite ein gutes Gefühl geben.“ Dafür müssen Spieler und Trainer aber bereits am kommenden Samstag (13 Uhr) gegen St. Pauli gänzlich anders auftreten.

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