Deutsche Eishockey-Liga

Warum Erfolg den Grizzlys Wolfsburg auch Probleme bereitet

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Trevor Mingoia (von links), Spencer Machacek und Chris DeSousa haben auslaufende Verträge bei den Grizzlys. Die haben Nationalspieler Dominik Bittner (rechts) aber bis 2023 gebunden.

Trevor Mingoia (von links), Spencer Machacek und Chris DeSousa haben auslaufende Verträge bei den Grizzlys. Die haben Nationalspieler Dominik Bittner (rechts) aber bis 2023 gebunden.

Foto: City-Press GmbH / Grizzlys Wolfsburg/oh

Wolfsburg.  Die Rückkehr der Grizzlys Wolfsburg in die Spitzengruppe der Deutschen Eishockey-Liga lässt die bald vertragslosen Stars immer teurer werden.

Mit breiter Brust können die Grizzlys Wolfsburg am Donnerstagabend (19.30 Uhr) bei den Kölner Haien antreten. Der Tabellenvierte der Deutschen Eishockey-Liga will sich für das in der Domstadt erlittene 1:2 nach Verlängerung vom ersten Spieltag revanchieren. Damals war noch nicht klar, dass der Vizemeister unter seinem neuen Coach Mike Stewart zu einem Topteam der Liga avancieren würde. Der Fall ist nun eingetreten, doch der bisherige Erfolg bereitet dem Klub auch Probleme.

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Mit jedem Sieg mehr machen sich Chris DeSousa (17 Tore/13 Assists), Trevor Mingoia (9/16), Jordan Murray (2/11) und Co. interessanter für andere Klubs. Scouts aus den europäischen Top-Ligen aus Russland (KHL), Schweden (SHL) und der Schweiz (NL), aber auch die Verantwortlichen der finanzkräftigen DEL-Konkurrenten schauen zurzeit ganz genau auf den Wolfsburger Kader. Vor allem auf die neun Ausländer, von denen in dieser Spielzeit bisher noch keiner enttäuscht hat.

So sehr es Grizzlys-Manager Charly Fliegauf freuen darf, dass er und die Trainer sich keinen Flop bei der Verpflichtung geleistet haben, so sehr setzt es die Wolfsburger Verantwortlichen unter Druck. Denn: Wir haben Ende November – und 15 der insgesamt 26 Profis haben offiziell keinen Vertrag für die neue Saison, darunter ALLE neun Importspieler.

Manager Fliegauf noch gelassen

Kenner der Szene finden das ganz und gar nicht gewöhnlich. Bei Nachfragen unserer Zeitung gab sich Fliegauf bislang immer gelassen ob der vielen offenen Vertragssituationen und erklärte, dass der Klub in Gesprächen sei. Tiefer ließ er sich bislang nicht in die Karten schauen. Auf die Frage, ob es festgeschriebene Optionen zur Vertragsverlängerung gebe, antwortete er nur mystisch: „Kann sein.“

Nach Informationen unserer Zeitung gehen die Grizzlys längst davon aus, nicht alle Leistungsträger halten zu können. Die eine oder andere Gehaltsanpassung nach oben wird fällig sein, um aktuelle Top-Performer weiter an sich zu binden. In vielen Fällen werden sich die Grizzlys das allerdings nicht leisten können.

Strahlmeier-Verlängerung als Signal

Es wäre zudem nicht ungewöhnlich, wenn Leistungsträger erst einmal mit einer Unterschrift zögern, um ihren Marktwert auszutesten, indem sie konkrete andere Angebote abwarten. In diesen Fällen muss Fliegauf abwägen, ob er auf die Entscheidungen der Kandidaten wartet oder sich lieber frühzeitig nach preisgünstigerem Ersatz umschaut, um am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen.

Klar ist auf jeden Fall, dass es anstrengende Wochen für Wolfsburgs erfahrenen Manager sind. Mit der langfristigen Weiterverpflichtung von Nationaltorwart Dustin Strahlmeier (Vertrag bis 2025) Ende September schlug Fliegauf auf jeden Fall einen wichtigen Pflock ein und sendete ein Signal an den eigenen Kader und an die Konkurrenz. Die Botschaft lautete: „Seht her, wir wollen auch in den nächsten Jahren Erfolg haben und haben die Möglichkeiten, die Basis dafür zu legen.“

Fokus halten trotz Verhandlungen

Bis zu einem gewissen Grad jedenfalls. Jede in den nächsten Wochen erfolgende Vertragsverlängerung enthält auch Hinweise auf die Zukunft anderer Akteure. Dass der Kampf um sie verloren ist oder aus finanziellen Gründen aufgegeben wurde zum Beispiel. Aber der verkündete Verbleib eines Spielers kann auch Motivation für Teamkollegen sein, ebenfalls zu verlängern.

Fliegauf und auch Trainer Mike Stewart brauchen in den nächsten Wochen auch das richtige Gespür dafür, wie sie die Mannschaft trotz aller Transferspekulationen und Gehaltsverhandlungen, die kommen und in der Kabine bekannt werden, fokussiert halten. Zumal es auch, besonders unter den Deutschen, Kandidaten geben dürfte, mit denen sie nicht unbedingt weitermachen wollen.

Neuer Fliegauf-Vertrag gilt als sicher

Die vermutlich nächste anstehende Vertragsverlängerung ist aber erst einmal Fliegaufs eigene. Dass der Aufsichtsrat mit ihm weitermachen möchte, gilt als sicher. Anfang Dezember könnte das Thema bereits vom Tisch sein.

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